LINZ JOURNAL

Wirtshäuser in Linz: Wo es Bratl, Schnitzel und Knödel gibt

Ein Wirtshaus seit 1847 am Bachlberg, das Bratl in der Rein im Alten Rathaus, 1.500 Gastgartenplätze an der Landstraße: die Linzer Adressen für österreichische Hausmannskost, mit Ruhetagen und Küchenzeiten.

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Wirtshäuser in Linz: Wo es Bratl, Schnitzel und Knödel gibt

Die Linzer Wirtshauslandschaft

Die österreichische Küche ist in Linz der Bereich, in dem die Gastronomie am wenigsten Moden folgt: Häuser, die seit 1847 oder 1928 am selben Platz stehen, servieren dieselben Gerichte wie vor Jahrzehnten - Schweinsbratl, Schnitzel, Knödel, Gansl im November. Im Falstaff Restaurant & Inn Guide 2026 stehen für Linz 17 Häuser in der Kategorie „österreichische Küche". Wir haben die Adressen zusammengetragen, bei denen die Hausmannskost der Hauptgrund für den Besuch ist, nicht die Beilage zum Bier. Du kennst ein Wirtshaus, das hier fehlt? Schreib an [email protected].

Die Wirtshäuser im Detail

Wirtshaus Keintzel
Gehobene Hausmannskost · im Alten Rathaus
Rathausgasse 6-8
4020 Linz
(Innere Stadt)

Das Wirtshaus mit der besten Adresse der Stadt: Es liegt im Alten Rathaus, also im Gebäude, dessen Ursprünge auf 1509 zurückgehen und in dem bis heute der Bürgermeister sitzt. Geführt wird es von der Familie Keintzel. Das Signature-Gericht ist das ofenfrische Schweinsbratl, das jeden Samstagmittag auf der Karte steht und darüber hinaus ab sechs Personen auf Vorbestellung zubereitet wird - das klassische Bratl in der Rein also, das anderswo längst von der Karte verschwunden ist. Saisonal kommt das knusprige Martinigansl dazu.

Geöffnet ist Montag bis Samstag von 10 bis 0:30 Uhr, die Küche läuft von 11:30 bis 13:45 und von 17:30 bis 20:45 Uhr. Sonntag Ruhetag. Das Haus hat rund 100 Plätze innen auf mehrere Stuben verteilt und 120 Plätze im Arkadenhof, Hunde sind erlaubt, es gilt das AMA-Gastrosiegel für frische Zubereitung und regionale Zutaten. Im Sommer 2026 war das Haus vom 2. bis 9. August geschlossen.

Bratl jeden Samstag Arkadenhof Sonntag Ruhetag
Wia z'haus Lehner
Traditionsgasthaus seit 1847 · Bachlberg
Harbacherstraße 38
4040 Linz
(Bachlberg)

Das älteste Haus dieser Liste: Der Gasthof besteht seit 1847 und liegt am Fuß des Bachlbergs, also am Stadtrand Richtung Pöstlingberg - dörflicher Charakter mit schattigem Gastgarten, aber innerhalb der Stadtgrenze. Seit April 2022 führt Michael Wenzel das Haus. Der Falstaff-Guide hebt die Verbindung aus ländlicher Gemütlichkeit, regionalen Produkten und ehrlicher Küche mit Anspruch hervor.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag von 11 bis 24 Uhr, Sonn- und Feiertag von 11 bis 21 Uhr - Montag und Dienstag geschlossen. Für einen Besuch mit Auto ist das Haus praktisch, mit Öffis braucht es etwas Planung. Wer den Ausflug mit dem Hausberg verbinden will, findet die Optionen im Pöstlingberg-Guide.

Seit 1847 Schattiger Gastgarten Mo und Di geschlossen
Bratwurstglöckerl
Traditionelle österreichische Küche seit 1928
Angerholzerweg 38
4020 Linz

Ein Wirtshaus im Wald und trotzdem stadtnah - das Haus besteht seit 1928 und liegt in einem bewaldeten Bereich unweit der Innenstadt, mit Garten und mehreren Stuben. Auf der Karte stehen neben Bratwürsten und Knödeln auch Ritteressen, weshalb das Haus für Familienfeiern und Firmenrunden häufig gebucht wird.

Die Öffnungszeiten muss man sich merken, weil die Küche deutlich früher schließt als das Lokal: Montag und Dienstag Ruhetag, Mittwoch und Donnerstag 11 bis 22 Uhr (Küche bis 20 Uhr), Freitag und Samstag 11 bis 24 Uhr (Küche ebenfalls bis 20 Uhr), Sonn- und Feiertag 11 bis 20 Uhr (Küche bis 19 Uhr). Wer um 21 Uhr auf ein Schnitzel kommt, bekommt nur noch etwas zu trinken.

Seit 1928 Waldlage mit Garten Küche endet um 20 Uhr
Stiegl-Klosterhof
Bräugasthof · größter Gastgarten Oberösterreichs
Landstraße 30
4020 Linz
(Innere Stadt)

Das größte Wirtshaus der Stadt, mitten an der Landstraße. Der Gastgarten fasst 1.500 Sitzplätze und ist damit der größte Gastgarten Oberösterreichs; dazu kommen das Restaurant mit mehreren Stuben und die Bar Stieglitz. Geführt wird das Haus von Michael Fellöcker für die Gassner Gastronomie.

Auf der Karte stehen Wiener Schnitzel, Bierbratl, Schweinsbraten, gefüllte Kalbsbrust und als Hausgericht das Klosterhof-Reindl, dazu vegetarische Gerichte und Stiegl vom Fass. Der praktische Vorteil gegenüber allen anderen Häusern dieser Liste: kein Ruhetag, geöffnet täglich von 11 bis 23 Uhr mit durchgehender Küche von 11 bis 21:30 Uhr. Damit ist der Klosterhof die verlässlichste Adresse für spontane Sonntagsrunden und größere Gruppen. Die Gastgarten-Alternativen stehen im Biergarten-Guide.

1.500 Gastgartenplätze Kein Ruhetag Durchgehend warme Küche
LunzerWirt
Gutbürgerliche Hausmannskost · Neue Heimat
Lunzerstraße 74
4030 Linz
(beim SK-VÖEST-Sportzentrum)

Das Wirtshaus im Süden der Stadt, direkt beim SK-VÖEST-Sportzentrum - also in dem Stadtteil, der durch die Stahlindustrie entstanden ist. Die Küche ist bewusst klassisch: knuspriges Schnitzel, Backhendl und frisches Bratl. Geöffnet Montag bis Samstag von 10 bis 22 Uhr und Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

Für Besucherinnen und Besucher aus der Innenstadt ist das ein Umweg, für alle, die im Süden wohnen oder zum Fußball gehen, die naheliegende Adresse. Wie der Stadtteil entstanden ist, steht im Stadtteil-Artikel.

Backhendl und Bratl Sonntag bis 16 Uhr Beim Sportzentrum
Stadtwirt Ebelsberg
Regionale Küche · barrierefrei
Wiener Straße 489
4030 Linz
(Ebelsberg)

Das Wirtshaus im Zentrum von Ebelsberg, dem südlichsten Stadtteil. Auf der Karte stehen regionale Gerichte und saisonale Schwerpunkte, dazu Platten für Gruppen - Fisch- und Grillvarianten -, und ab zehn Personen wird eingedeckt. Radfahrergruppen sind ausdrücklich willkommen, was an der Lage nahe den Donauradwegzubringern liegt.

Geöffnet Montag bis Freitag von 10 bis 22 Uhr, Samstag von 10 bis 15 Uhr, Sonntag von 10 bis 20 Uhr; warme Küche täglich bis 20 Uhr, außerhalb dieser Zeiten nur mit Vorbestellung. Das Haus ist rollstuhlgerecht mit Behinderten-WC, Karten- und Bargeldzahlung sind möglich, ein Bankomat ist im Haus. Tischreservierung ausschließlich telefonisch. Betriebsurlaub 2026: 6. bis 16. September und 12. bis 15. Oktober.

Barrierefrei Gruppen ab 10 Personen Samstag nur mittags

Zwei Häuser an der Grenze zum Wirtshaus

Zwei Linzer Adressen führen österreichische Küche, passen aber nicht ganz in die Kategorie Wirtshaus - und werden trotzdem regelmäßig dafür gehalten.

Der Promenadenhof an der Promenade 39 (Telefon +43 732 777661) kombiniert österreichische mit mediterraner Küche und beschreibt sich als gehobene Küche zu Wirtshauspreisen. Zum Haus gehören ein Garten, eine Terrasse und ein Weinkeller. Geöffnet ist Montag bis Samstag von 10 bis 1 Uhr, Sonntag Ruhetag - damit ist es eine der wenigen Adressen, in denen man auch nach Mitternacht noch sitzen kann.

Das Josef an der Ecke Landstraße/Bismarckstraße ist streng genommen ein Gastronomiebetrieb mit Biergarten, hat aber die längere Geschichte: An dieser Adresse im Kaufmännischen Vereinshaus wird seit 1895 gastronomisch gearbeitet, unter dem Namen Josef seit rund drei Jahrzehnten. Beide Häuser sind im Biergarten-Guide ausführlicher beschrieben.

Was auf einer Linzer Wirtshauskarte steht

Wer aus Deutschland oder dem Ausland kommt, findet auf den Karten einige Begriffe, die einer Übersetzung bedürfen:

  • Bratl in der Rein: Schweinsbraten, der in der Reine - also dem Bräter - gegart und darin serviert wird. Der Klassiker für Gruppen, deshalb fast überall vorbestellbar und selten spontan verfügbar. In Linz steht er bei Keintzel jeden Samstagmittag fix auf der Karte.
  • Backhendl: paniertes und frittiertes Huhn, traditionell Teil der Sommer- und Gastgartenküche.
  • Martinigansl: Gansl-Saison rund um den Martinstag am 11. November, in vielen Häusern bis in den Dezember verlängert. Reservierung ist in dieser Zeit unverzichtbar.
  • Reindl oder Pfandl: Fleisch- und Gemüsegerichte, die in der Pfanne serviert werden - beim Klosterhof als Hausgericht.
  • Ritteressen: Mehrgang-Menü in großen Portionen für Gruppen, im Bratwurstglöckerl im Angebot.

Warum das Wirtshaus wieder Zulauf hat

Die verbreitete Erzählung vom Wirtshaussterben stimmt in dieser Pauschalität nicht mehr. Der Wirtshausführer Österreich 2026 beschreibt für die Gattung eine Renaissance: Eine jüngere Gastroszene übernimmt bestehende Häuser und interpretiert die Wirtshauskultur mit anderen Schwerpunkten weiter, wobei Regionalität und Qualität im Vordergrund stehen. Für die Ausgabe 2026 wurden erstmals 50 neue Lokale aufgenommen, die zusätzlich zur Qualität den Kriterien des Programms „Nachhaltig Wirten" entsprechen.

In Linz lässt sich das an den Betreiberwechseln der letzten Jahre ablesen: Das Wia z'haus Lehner wurde 2022 übernommen und weitergeführt statt geschlossen, das Keintzel arbeitet mit dem AMA-Gastrosiegel als überprüfbarem Nachweis für frische Zubereitung und regionale Herkunft. Was in Oberösterreich unter Wirtshauskultur verstanden wird, ist dabei weniger eine Speisenliste als eine Funktion: Das Wirtshaus ist der Ort, an dem man ohne Anlass hingeht, sich dazusetzt und länger bleibt - der Unterschied zum Restaurantbesuch mit Reservierung und Anlass.

Ruhetage: die Linzer Besonderheit

Die Ruhetage der Linzer Wirtshäuser folgen keinem gemeinsamen Muster, und das führt regelmäßig zu vergeblichen Wegen. Die Übersicht:

  • Montag: Wia z'haus Lehner und Bratwurstglöckerl geschlossen.
  • Dienstag: ebenfalls Wia z'haus Lehner und Bratwurstglöckerl geschlossen.
  • Samstagabend: Stadtwirt Ebelsberg sperrt bereits um 15 Uhr zu.
  • Sonntag: Keintzel geschlossen; LunzerWirt nur bis 16 Uhr.
  • Immer offen: Stiegl-Klosterhof, täglich von 11 bis 23 Uhr.

Dazu kommt: Fast alle Häuser fahren die Küche deutlich früher herunter als den Schankbetrieb. Wer nach 21 Uhr noch warm essen will, findet die passenden Adressen im Guide zur späten Küche.

Wenn es feiner sein soll

Zwei Linzer Häuser führen die österreichische Küche auf einem Niveau, das über das klassische Wirtshaus hinausgeht. Das Göttfried in der Hofgasse 5 kommt auf 90 Falstaff-Punkte und serviert eines der besten Wiener Schnitzel Oberösterreichs vom Biokalb um 29 Euro. Das Rossbarth in der Klammstraße 7 hat mit 17 Gault&Millau-Punkten die höchste Küchenwertung der Stadt, arbeitet aber im Menüformat statt à la carte. Beide sind im Restaurant-Überblick ausführlich beschrieben.

Umgekehrt gilt: Wer regionale Produkte selbst einkaufen will, statt sie serviert zu bekommen, findet die Bezugsquellen im Artikel über regionale Produkte, und wer beim Bier tiefer einsteigen möchte, in der Linzer Biertradition.

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