LINZ JOURNAL

Urfahr: Der Linzer Stadtteil nördlich der Donau

Urfahr war bis 1919 eigene Gemeinde, heute Linzer Stadtteil nördlich der Donau mit rund 16.000 Einwohnern. Der Name leitet sich von der Donau-Überfahrt ab. Wichtige Adressen: Nibelungenbrücke (1940), Ars Electronica Center, Hauptstraße als Geschäftsstraße, Anton Bruckner Privatuniversität, Stadtwerkstatt. Zugang zum Pöstlingberg-Hausberg.

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Urfahr: Der Linzer Stadtteil nördlich der Donau

Urfahr: Der Linzer Stadtteil mit eigener Identität

Am 1. Juni 1919 wurden 15.000 Urfahraner zu Linzern - bis dahin war Urfahr eine eigene Stadtgemeinde, seit 1882 mit eigenem Wappen. Über hundert Jahre später ist die Trennlinie noch spürbar: Wer nördlich der Donau wohnt, sagt selten, er wohne „in Linz", sondern „in Urfahr". Du kennst eine Urfahr-Episode, die hier fehlt? Schreib an [email protected].

Der Name Urfahr: Die Donau-Überfahrt

Der Name „Urfahr" leitet sich vom Wort „Überfahrt" ab. In mittelalterlichen Zeiten war die Überquerung der Donau mit einer Fähre nötig, um zum Nordufer zu gelangen. Eine Hauptfunktion war der Transport des Linzer Salzes von den südlichen Ladestätten über die Donau nach Norden - von dort weiter ins Mühlviertel und nach Böhmen. 1360 erscheint Urfahr erstmals als Bezeichnung für die Ortschaft am linken Donauufer. Die Siedlung entwickelte sich an der Überfahrtsstelle als eigenständige Gemeinde - mit eigenem Rathaus, eigener Kirche, eigener Bürgerschaft. Vor dem Bau der Brücken war die Fähre die einzige Verbindung nach Linz.

Urfahr bis 1919: Eigene Gemeinde

Urfahr wuchs im 18. und 19. Jahrhundert zu einer eigenständigen Stadtgemeinde. Wichtige Entwicklungen:

  • Markt-Tradition: der Urfahraner Jahrmarkt ist ein Linzer Kultur-Klassiker (seit Jahrhunderten)
  • Industrie-Entwicklung: einzelne Industriebetriebe an der Donau
  • Wohnqualität: die ländlichere Atmosphäre am linken Donauufer
  • Pöstlingberg: Der Hausberg kam 1919 gemeinsam mit Urfahr zu Linz

Die Urfahrer Bürgerschaft war in vielen Bereichen eigenständiger und liberaler als die Linzer Innere-Stadt-Bürgerschaft. Die Urfahrer Identität prägt bis heute die Stadt-Wahrnehmung. Mehr in unserem Stadtteile-Geschichte-Artikel.

Die Eingemeindung 1919: 15.000 neue Linzer:innen

Am 1. Juni 1919 waren die rund 15.000 Urfahranerinnen und Urfahraner Linzer - nach einem Anlauf, der sich über 70 Jahre gezogen hatte. Bereits 1849 war Linz zum ersten Mal mit dem Ansinnen an die Nachbargemeinde herangetreten. Urfahr war damals die drittgrößte Stadt Oberösterreichs, Linz mit 79.000 Einwohnern die größte; zusammen kamen sie auf 94.000 Menschen und 14 Quadratkilometer zusätzliches Stadtgebiet.

Der eigentliche Streitpunkt war jahrzehntelang ein steuerlicher: Die Linzer Verzehrungssteuer auf Lebensmittel hätte Urfahrs Rolle als Umschlagplatz für Waren aus dem Mühlviertel und seinen Viehmarkt beschädigt. Dass es am Ende doch klappte, lag auch an der Abhängigkeit bei Gas und Strom - eine eigene Wasserversorgung hatte Urfahr zwar, die Energie kam aber aus Linz. Den Vertrag schlossen die beiden Bürgermeister Franz Dinghofer für Linz und Heinrich Hinsenkamp für Urfahr im Sommer 1918 im böhmischen Karlsbad, wie die OÖN zum hundertsten Jahrestag nachzeichneten.

Dazu kamen der schlechte Zustand beider Städte nach den Kriegsjahren und die wirtschaftliche Notwendigkeit einer gemeinsamen Verwaltung. Mit der Eingemeindung von Urfahr (einschließlich des zuvor Urfahr zugeschlagenen Pöstlingbergs) erreichte Linz eine Fläche von 42 Quadratkilometern - eine erhebliche Erweiterung. Die Urfahrer Identität ging aber nicht unter - viele Urfahrer:innen sprechen bis heute von „nach Linz fahren", wenn sie in die Innenstadt wollen. Mehr im Stadtteile-Überblick.

Die Nibelungenbrücke: Die zentrale Verbindung

Die wichtigste Verbindung zwischen Urfahr und Innerer Stadt ist die Nibelungenbrücke. Sie ist ein Monumentalbau der nationalsozialistischen Ära: Nach dem sogenannten Anschluss im März 1938 übernahm Hitler die Patenschaft über die Stadt und erklärte Linz zu einer der „Führerstädte". Noch im Juli 1938 begannen die Planungen, gebaut wurde von 1939 bis 1940 nach Entwürfen von Friedrich Tamms und Karl Schaechterle, die Bauleitung hatte das Brückenamt Linz. Die Brücke misst 250 Meter in der Länge und 30 Meter in der Breite und ruht auf zwei gemauerten Strompfeilern; die ältere Eisenbrücke wurde nach der Fertigstellung abgetragen. Den Namen gab Hitler selbst. Die Denkmaldatenbank der Stadt Linz führt sie mit ihren gewölbten Durchfahrten als charakteristisches Bauwerk dieser Jahre. Nach Kriegsende (vom 27. Juli 1945 bis zum 8. Juni 1953) war die Nibelungenbrücke Grenzübergang zwischen amerikanischer (südlich der Donau) und sowjetischer (nördlich der Donau) Besatzungszone. Mehr zu diesem Thema in unseren Linz-nach-1945-Artikel. Heute ist die Nibelungenbrücke eine Haupt-Verkehrsachse mit Straßenbahnen, Bussen, Pkw, Fußgängern und Radfahrern. Die Brückenkopfgebäude am Süd-Ende (Kunstuniversität) und am Nord-Ende sind architektonisch markant.

Die Hauptstraße: Urfahrs Geschäftsstraße

Die Hauptstraße ist die zentrale Geschäftsstraße Urfahrs - verläuft von der Nibelungenbrücke bis zur Freistädter Straße. Die Straße bietet:

  • Einzelhandel mit Kleidungs-, Lebensmittel-, Elektronik-Geschäften
  • Gastronomie mit Cafés, Restaurants, Bars wie Bady's Chill (mehr im Karaoke-Linz-Guide)
  • Dienstleistungen mit Banken, Arztpraxen, Friseursalons
  • Club-Adressen wie Sirup am ehemaligen Grand-Filou-Standort (mehr im Clubs-Guide)

Die Hauptstraße ist Urfahrs zentrale Achse - weniger dicht bebaut als die Linzer Landstraße, aber mit eigenem Charakter und Atmosphäre. Anreise per Linien 1, 2, 3 in wenigen Minuten vom Linzer Hauptplatz.

Wichtige Urfahrer Adressen

Urfahr beherbergt mehrere wichtige Linzer Kultur- und Bildungs-Institutionen:

  • Ars Electronica Center (AEC) an der Ars-Electronica-Straße 1 - das Museum der Zukunft direkt an der Nibelungenbrücke
  • Anton Bruckner Privatuniversität in der Hagenstraße 57 - Linz' Musik-Hochschule (mehr in unserem Universitäten-Überblick)
  • Stadtwerkstatt (STWST) in der Kirchengasse 4 - autonomes Kulturzentrum seit 1979, unter einem Dach mit dem Cafe Strom, dem freien Radio FRO und der Netzkultur-Initiative servus.at (mehr im Clubs-Guide)
  • Sirup am ehemaligen Grand-Filou-Standort - neuerer Club-Kultur-Verein
  • Club Cube an der Hauptstraße 4 - in Ars-Electronica-Nähe
  • Pöstlingbergbahn-Bergstation in Urfahr-Nord - eine der steilsten Adhäsionsbahnen Europas

Mehr im Clubs-und-Techno-Guide, Galerien-Guide und Familien-Guide (Pöstlingbergbahn, Zoo Linz).

Der Pöstlingberg und Urfahr-Nord

Urfahr umfasst auch den Pöstlingberg-Hang - den 539 Meter hohen Linzer Hausberg. Der Pöstlingberg bietet:

  • Wallfahrtsbasilika Sieben Schmerzen Mariens - barocke Wallfahrtskirche
  • Pöstlingbergbahn - historische Adhäsionsbahn seit 1898
  • Zoo Linz - am Pöstlingberg-Hang mit 600 Tieren
  • Grottenbahn - historische Märchenbahn
  • Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt
  • Bergrestaurants - Pöstlingberg Schlössl und weitere

Mehr in unseren Linz-mit-Kindern-Guide und Romantisches-Linz-Guide.

Was Sie über Urfahr wissen sollten

Urfahr-Identität im 21. Jahrhundert

Auch über 100 Jahre nach der Eingemeindung behält Urfahr eine eigene Identität. Urfahrer:innen unterscheiden zwischen „in Linz" (Innenstadt südlich der Donau) und „in Urfahr" (ihrer eigenen Hälfte). Die Urfahrer Sprache hat teilweise eigene Dialekt-Varianten. Urfahrer Traditionen wie der Urfahraner Markt (jährlich zweimal, Frühjahr und Herbst) werden bewusst gepflegt. Für Linzer Identitäts-Forschung ist Urfahr ein interessantes Fallbeispiel - ein Stadtteil, der seine historische Eigenständigkeit nicht vollständig aufgegeben hat, aber in die Linzer Stadtgesellschaft integriert ist.

Anreise und Verkehr

Urfahr ist über verschiedene Achsen erreichbar. Nibelungenbrücke als Haupt-Verkehrsader - mit Straßenbahnen 1, 2, 3 und Bus-Verbindungen. Eisenbahnbrücke (restauriert als Pöstlingbergbahn-Verbindung) als zweite Brücken-Verbindung. Mühlkreisautobahn A7 als Pkw-Zufahrt aus dem Norden. Innerhalb Urfahrs Verbindungen mit Bus und Straßenbahn. Der Mühlkreisbahnhof in Urfahr ist Endpunkt der Mühlkreisbahn ins Mühlviertel. Für Linz-Besucher:innen ohne Auto: Linien 1, 2, 3 fahren alle über die Nibelungenbrücke, kein zusätzliches Ticket nötig. Mehr im Linz-Linien-Guide.

Wohnen in Urfahr

Urfahr gilt als attraktives Wohngebiet - grüner, ruhiger als die Innenstadt, mit Nähe zur Donau und zum Pöstlingberg. Wohnungen entlang der Hauptstraße sind eher urban, Pöstlingberg-Hang-Wohnungen haben höhere Preise wegen der Aussicht. Mietpreise in Urfahr liegen 2026 zwischen 12-17 Euro pro m² warm - mittleres Linzer Niveau, deutlich über Bindermichl-Keferfeld (9-13 Euro) und unter Innenstadt-Spitzenlagen (18-22 Euro). Für Studierende der JKU und der Anton Bruckner Privatuniversität ist Urfahr die nahegelegene Wohn-Option (mehr im Wohnen-Linz-Guide).

Urfahr-Tour durch den Stadtteil

Ein selbst geführter Urfahr-Spaziergang in 3 Stunden. Start am Hauptplatz in der Innenstadt. Nibelungenbrücke überqueren - Brückenkopfgebäude mit Kunstuniversität beachten. Ars Electronica Center am Nord-Ende der Brücke. Spaziergang entlang der Donauufer-Promenade in Urfahr. Hauptstraße als Geschäftsstraße - Stadtwerkstatt in der Kirchengasse besuchen. Pöstlingbergbahn ab Hauptplatz Urfahr zum Pöstlingberg. Mehr in unseren Gratis-Linz-Guide und Familien-Guide.

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