LINZ JOURNAL

Geschichte der Linzer Stadtteile: Urfahr 1919, Kleinmünchen 1923, Ebelsberg 1938

Urfahr als eigenständige Gemeinde bis 31. Mai 1919 (mit 15.000 Einwohnern), Pöstlingberg als zuvor eigene Gemeinde, Kleinmünchen-Eingemeindung 1923, Ebelsberg, St. Magdalena und Teile von Steyregg 1938, Keferfeld 1939, plus die Entwicklung von Bindermichl, Franckviertel und den Nachkriegs-Stadtteilen - die Geschichte der Linzer Stadterweiterungen.

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Geschichte der Linzer Stadtteile: Urfahr 1919, Kleinmünchen 1923, Ebelsberg 1938

Wie Linz zu seinen 16 Stadtteilen kam

Am 1. Juni 1919 wurden 15.000 Urfahraner über Nacht zu Linzern. Es war die erste der großen Eingemeindungen, die aus der kleinen Stadt am Hauptplatz das heutige Linz machten: Kleinmünchen folgte 1923, Ebelsberg, St. Magdalena und Teile von Steyregg 1938, das Keferfeld 1939. Allein in diesen beiden Jahren wuchs das Stadtgebiet von rund 56 auf rund 96 Quadratkilometer.

Die Eingemeindungen im Überblick

Linz ist in mehreren Schüben gewachsen. 1873 kamen Lustenau und Waldegg dazu, 1915 St. Peter, 1919 Urfahr samt Pöstlingberg, 1923 Kleinmünchen, 1938 schließlich Ebelsberg und St. Magdalena. Die heutige Einteilung ist deutlich jünger: 1957 gliederte die Stadt ihr Gebiet in 36 Statistische Bezirke, seit dem 1. Jänner 2014 sind es nach einem Beschluss des Stadtsenats vom September 2013 nur noch 16. Ihre Namen folgen weitgehend dem, was die Linzerinnen und Linzer ohnehin sagen.

Urfahr: Die wichtigste Eingemeindung 1919

Das Hauptereignis der Linzer Stadterweiterungs-Geschichte: die Eingemeindung Urfahrs mit 1. Juni 1919. Urfahr war bis dahin eine eigenständige Gemeinde mit rund 15.000 Einwohnern - gegenüber von Linz am linken Donauufer. Die Verhandlungen zwischen Linz und Urfahr zur Zusammenlegung liefen schon vor dem Ersten Weltkrieg, wurden aber erst nach Kriegsende abgeschlossen. Am Sonntag, 1. Juni 1919 wurden die 15.000 Urfahraner zu Linzern. Wichtig: Urfahr hatte kurz zuvor noch die Gemeinde Pöstlingberg eingemeindet - diese Eingemeindung wurde mit übernommen, sodass der Pöstlingberg ebenfalls Teil Linz' wurde. Nach der Eingemeindung hatte Linz eine Fläche von 42 Quadratkilometern. Die Gründe für die Eingemeindung waren pragmatisch: der schlechte Zustand beider Städte nach den Kriegsjahren, die wirtschaftliche Notwendigkeit gemeinsamer Verwaltung, die schon längst gewachsene tatsächliche Zusammengehörigkeit. Mehr im Stadtteile-Überblick mit aktueller Bezirks-Struktur.

Kleinmünchen: Industrieort wird Stadtteil 1923

1923 wurde der damals südlich an Linz angrenzende Industrieort Kleinmünchen eingemeindet - mit einer Fläche von 13 Quadratkilometern. Kleinmünchen war im 19. Jahrhundert durch Textilindustrie, Maschinenbau und Nahrungsmittelverarbeitung zu einem der wichtigsten oberösterreichischen Industrie-Dörfer gewachsen. Die Eingemeindung war im Kern wirtschaftlich motiviert - die enge Verflechtung zwischen Linzer Wirtschaft und Kleinmünchener Industrie machte die administrative Trennung obsolet. Die Kleinmünchener Industrie-Tradition ist bis heute im Stadtbild sichtbar - mehr im Stadtteile-Überblick.

Ebelsberg: Die NS-Eingemeindung 1938

1938 - nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich - wurde Ebelsberg eingemeindet. Ebelsberg war bis dahin eine eigenständige Gemeinde südöstlich von Linz, an der Mündung der Traun in die Donau. Die Eingemeindung erfolgte unter NS-Kommunalverwaltung im Rahmen einer Reihe von Verwaltungsreformen. Mit den Eingemeindungen von 1938/39 wuchs das Stadtgebiet von rund 56 auf rund 96 Quadratkilometer und zur wichtigsten oberösterreichischen Metropole. Die Ebelsberg-Identität als eigenständiger Ort blieb jedoch kulturell erhalten - Ebelsberg gehört bis heute zu den „gefühlt eigenständigen" Linzer Stadtteilen. 2014 wurde der Bezirk Ebelsberg mit der Bezirks-Neugliederung geteilt - der östliche Teil wurde zum neuen Bezirk Pichling. Mehr im Stadtteile-Überblick.

Die Entwicklung der Arbeiter-Stadtteile

Mit der Industrialisierung und den Stadterweiterungen entstanden die Linzer Arbeiter-Stadtteile. Bindermichl-Keferfeld südlich der Innenstadt ist stark von den Wohnbauten der 1930er- und 1940er-Jahre geprägt; das Keferfeld kam erst 1939 von Leonding zu Linz. Franckviertel südöstlich der Innenstadt, benannt nach dem Unternehmer Karl Heinrich Franck, entstand ebenfalls im Zusammenhang mit der Industrialisierung. Die Neue Heimat trägt den Namen der 1939 gegründeten Wohnbaugesellschaft. Diese Arbeiter-Stadtteile prägten die Linzer Sozialgeschichte und die sozialdemokratische Prägung der Stadt. Mehr in unserem Alte-Linzer-Berufe-Artikel.

Dornach-Auhof: Das Univiertel wächst

Der Bezirk Dornach-Auhof nördlich der Donau entwickelte sich mit der Gründung der Johannes Kepler Universität 1966 zur Universitäts-Stadt im Kleinen. Die Universität, dazu die Studentenheime, die Infrastruktur (Mensa, Bibliothek, Sportanlagen) und die gewerblichen Anschlüsse (Research-Parks) machten das Gebiet zum akademischen Linzer Zentrum. Die JKU (rund 27.000 Studierende) ist heute einer der wichtigsten Linzer Standorte neben voestalpine und Kepler Universitätsklinikum. Mehr in unserem Universitäten-Linz-Überblick.

Pichling und solarCity: Die jüngsten Stadtteile

Die jüngste Linzer Stadtteil-Entwicklung ist die solarCity in Pichling - ein Öko-Wohnviertel, das Anfang der 2000er Jahre als nachhaltiges Stadt-Experiment errichtet wurde. solarCity mit Solar-Architektur, niedrig-energetischer Bauweise und integriertem Freizeit-Konzept gehört zu den beachteten europäischen Stadt-Entwicklungs-Projekten seiner Zeit. Der Bezirk Pichling wurde bei der Bezirks-Neugliederung am 1. Januar 2014 aus dem bisherigen Bezirk Ebelsberg ausgegliedert - als jüngster der 16 Linzer statistischen Bezirke. Mehr in unserem Stadtteile-Überblick und Spielplätze-Guide (Aquapark Pichling, Wasserspielplatz Weikerlsee).

Was Sie über die Linzer Stadtteile-Geschichte wissen sollten

Die Linzer Eingemeindungs-Chronologie

Die wichtigsten Linzer Stadterweiterungen in chronologischer Reihenfolge:

  • 1919 (31. Mai): Urfahr inklusive Pöstlingberg (15.000 Einwohner)
  • 1923: Kleinmünchen (13 km² Industrieort)
  • 1938: Ebelsberg (unter NS-Kommunalverwaltung)
  • 2014 (1. Januar): statistische Neugliederung zu 16 Bezirken, Pichling als neuer Bezirk aus Ebelsberg ausgegliedert

Weitere kleinere Grenzkorrekturen im 20. Jahrhundert, aber keine großen Eingemeindungen mehr nach 1938. Linz' Stadtgebiet umfasst heute rund 96 km² mit rund 215.000 Einwohnerinnen und Einwohnern und weiteren 60.000-70.000 im Ballungsraum.

Urfahr-Identität nach 100 Jahren

Obwohl Urfahr 1919 in Linz eingemeindet wurde, hat sich die Urfahrer Identität teilweise erhalten. Der Stadtteil nördlich der Donau hat eigenen Charakter: stärker ländlich geprägt, mit Hauptstraße als eigener Einkaufsstraße, mit eigenen Vereinen und Traditionen (Urfahrmarkt, Urfahraner Markt als traditioneller Jahrmarkt). Viele Urfahrer:innen sprechen noch heute von „nach Linz fahren" wenn sie in die Innenstadt wollen - ein Sprachgebrauch, der die 1919er Eingemeindung subtil weiter betont. 2019 feierte Urfahr sein 100-jähriges Eingemeindungs-Jubiläum mit Veranstaltungen, Ausstellungen und historischer Aufarbeitung. Mehr im Stadtteile-Überblick.

Die statistischen Bezirke von 2014

Die Linzer Bezirks-Neugliederung am 1. Januar 2014 etablierte die heutige Struktur mit 16 statistischen Bezirken: Innere Stadt, Urfahr, Pöstlingberg, Dornach-Auhof, St. Magdalena, Ebelsberg, Pichling, Bindermichl-Keferfeld, Kleinmünchen-Auwiesen, Spallerhof, Froschberg, Neue Heimat, Industriegebiet-Hafen, Kaplanhof, Bulgariplatz, Franckviertel. Diese Neugliederung folgte teilweise nicht mehr den historischen Gemeindegrenzen - neue Bezirke wurden nach statistisch-praktischen Kriterien geschnitten. Wer die historische Stadtgliederung verstehen möchte, muss die Schnitt-Linien vor und nach 2014 kennen.

Quellen zur Linzer Stadtteile-Geschichte

Wichtige Quellen zur Vertiefung. Stadtarchiv Linz mit Online-Portal stadtgeschichte.linz.at mit Zeittafeln zu allen Eingemeindungs-Perioden. Linzwiki (linzwiki.at) mit Einzelartikeln zu allen Stadtteilen. OÖ Landesbibliothek am Schillerplatz 2 mit historischer Kartografie - mehr im Bibliotheken-Linz-Guide. Nordico Stadtmuseum mit regelmäßigen Ausstellungen zur Linzer Stadtgeschichte - mehr im Galerien-Linz-Guide. Für Linzer mit Interesse an der eigenen Stadtteil-Geschichte ein gut erschlossenes Quellenfeld.

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