LINZ JOURNAL

Musiktheater Linz: Das Haus, das die Oberösterreicher abgelehnt haben

2000 stimmten 59,7 Prozent der Oberösterreicher gegen den Bau. Dreizehn Jahre später stand es trotzdem da: fünf Spielstätten, 970 Plätze im Großen Saal, ein Luster mit 24.000 LEDs - und ein Stehplatz für drei Euro.

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Musiktheater Linz: Das Haus, das die Oberösterreicher abgelehnt haben

Die Volksbefragung von 2000 und ihr Nachspiel

Kaum ein österreichisches Kulturhaus hat eine so unangenehme Vorgeschichte wie das Linzer Musiktheater. Nach jahrelangem Streit erzwang die FPÖ mit 39.232 gültigen Unterschriften eine landesweite Volksbefragung. Am 26. November 2000 gingen über 50 Prozent der Wahlberechtigten hin - eine für eine Befragung außergewöhnlich hohe Beteiligung. Das Ergebnis war eindeutig: 291.739 Nein-Stimmen (59,7 Prozent) standen 196.940 Ja-Stimmen (40,3 Prozent) gegenüber. Abgestimmt wurde über ein anderes Projekt als das heutige: „Theater im Berg", ein Opernhaus im Hang zwischen Linzer Schloss und Donau, das Otto Häuselmayer in einem Wettbewerb zwischen 1996 und 1998 gewonnen hatte. Vorgesehen waren 1.100 Plätze bei veranschlagten 1,2 Milliarden Schilling, also rund 87 Millionen Euro. Nach der Abstimmung wurde es fallen gelassen.

Vier Jahre später begann das Land neu - mit einem anderen Standort und einem zweistufigen internationalen Architekturwettbewerb. Ihn gewann 2006 der Londoner Architekt Terry Pawson mit dem Entwurf „Theater am Park", der laut der Baugeschichte des Landestheaters vor allem wegen seiner städtebaulichen Einordnung am Standort Blumau überzeugte. Gebaut wurde also nicht am Berg, sondern am Volksgarten, auf dem Areal des früheren Unfallkrankenhauses. Der Spatenstich erfolgte am 15. April 2009, die Gleichenfeier im November 2010, die Eröffnungspremiere am 12. April 2013 mit Philip Glass' „Spuren der Verirrten".

Zu den Kosten: Veranschlagt waren rund 143 Millionen Euro. Der oberösterreichische Landesrechnungshof rechnete 2014 in seinem Prüfbericht mit voraussichtlich 186,4 Millionen Euro - knapp unter dem genehmigten Finanzrahmen von 186,61 Millionen. In dieser Summe steckten damals noch offene Risiken von 1,44 Millionen für strittige Auftragnehmeransprüche.

Fünf Spielstätten unter einem Dach

Das Haus ist kein Ein-Saal-Theater, sondern beherbergt fünf Bühnen unterschiedlicher Größe. Das ist der praktische Grund, warum in einer Woche ein Wagner, ein Kinderstück und ein Kammerkonzert nebeneinander laufen können:

  • Großer Saal - 970 fix montierte Sitzplätze, erweiterbar auf 1.130, wenn Orchestergraben und die Seitenbereiche der Ränge bestuhlt werden. Das Haus selbst nennt bis zu 1.200 Plätze. Hier laufen Oper, Operette, Musical und Ballett.
  • BlackBox - bis zu 270 Plätze, variabel bespielbarer Studioraum.
  • BlackBoxLounge - bis zu 150 Plätze.
  • Orchestersaal - bis zu 200 Plätze, Probenraum des Bruckner Orchesters und zugleich Konzertsaal.
  • FoyerBühne - variable Bestuhlung, für kleine Formate im Eingangsbereich.

Hausherr ist das Landestheater Linz, das zusätzlich das Schauspielhaus an der Promenade 39 bespielt. Im Musiktheater ist auch das Bruckner Orchester Linz beheimatet. Die Spielzeit 2026/27 steht unter dem Motto „Zeichen und Wunder" und umfasst rund 40 Neuproduktionen, darunter Wagners Lohengrin, Matilda the Musical und Donizettis Don Pasquale. Einen Überblick über die anderen Linzer Bühnen bietet unser Artikel zu den Theatern in Linz.

Der Luster mit 24.000 LEDs und die versenkbare Bühne

Die technischen Details des Hauses sind ungewöhnlich konkret dokumentiert. Der Luster im Großen Saal enthält 24.000 LEDs und kann rund 350 Farbmischungen erzeugen - er ist damit weniger Beleuchtungskörper als Bühnenelement, das je nach Inszenierung die Farbstimmung des Saals mitträgt.

Konstruktiv bemerkenswerter sind die Spielpodien: Sie lassen sich für szenische Zwecke rund vier Meter in die Tiefe absenken. Das erlaubt Bühnenbilder, die mit einer starren Bühne nicht funktionieren würden - Ebenen, aus denen Darsteller auftauchen, Schrägen, die sich während der Vorstellung verändern. Zusammen mit der Größe des Bühnenturms ist das der Grund, warum das Haus regelmäßig als eines der modernsten Opernhäuser Europas bezeichnet wird.

Dazu kommt eine Linzer Eigenheit: das KlangFoyer, eine interaktive Klanginstallation, die gemeinsam mit dem Ars Electronica Futurelab entwickelt wurde. Sie führt spielerisch an das jeweilige Stück heran und ist auch ohne Vorstellungsbesuch zugänglich. Zur Institution dahinter siehe unseren Artikel über Ars Electronica.

Das Hausorchester und seine Doppelrolle

Im Graben des Großen Saals sitzt das Bruckner Orchester Linz, und zwar in einer Doppelfunktion, die in Österreich selten ist: Es ist gleichzeitig Opernorchester des Landestheaters und Sinfonieorchester des Landes Oberösterreich. An einem Abend begleitet es also eine Musical-Produktion, am nächsten spielt es einen eigenen Konzertzyklus - unter anderem im Brucknerhaus, im Wiener Musikverein und beim Ars-Electronica-Festival.

Den Namen des Komponisten trägt das Orchester seit der Saison 1966/67, seine Geschichte reicht jedoch mehr als zwei Jahrhunderte zurück. Chefdirigent ist derzeit Markus Poschner; ab der Saison 2027/28 übernimmt Christoph Koncz. Das aufwendigste Projekt der jüngeren Zeit war die 2024 abgeschlossene weltweit erste Gesamteinspielung aller Bruckner-Sinfonien in sämtlichen Fassungen, für die das Orchester laut eigener Darstellung den ICMA Special Achievement Award erhielt. 2020 war es beim Musiktheaterpreis als Orchester des Jahres ausgezeichnet worden. Wer den Komponisten dahinter sucht: mehr dazu im Artikel zum Brucknerfest.

Der Stehplatz kostet drei Euro

Die Preisspanne im Musiktheater ist die größte, die man in Linz für ein und dieselbe Vorstellung findet. Laut den Sitzplänen und Preisen für 2026/27 reicht sie im Großen Saal von 3 Euro für den Stehplatz bis 111 Euro in Kategorie 1 - über 21 Preiskategorien (A bis U), die sich nach dem Vorstellungstermin richten. Ein Freitagabend mit einer Wagner-Premiere kostet also deutlich mehr als ein Mittwoch im Repertoire.

Für den Stehplatz gilt eine feste Regel: Er ist erst eineinhalb Stunden vor Vorstellungsbeginn erhältlich, und auf ihn gibt es keine Ermäßigung - was bei drei Euro nachvollziehbar ist. Wer flexibel ist und in der Stadt wohnt, kommt damit für den Preis eines Kaffees in eine Opernvorstellung.

Die kleineren Spielstätten - BlackBox und Studiobühne - liegen mit 10 bis 46 Euro bei Pauschalpreisen je Produktionskategorie. Im Schauspielhaus und in den Kammerspielen reicht die Spanne von 5 Euro Stehplatz bis 64 Euro, Kinderproduktionen kosten einheitlich 13 Euro. Alle Preise verstehen sich inklusive zehn Prozent Umsatzsteuer und Garderobengebühr. Ermäßigungen gibt es unter anderem für Rollstuhlfahrerinnen und Rollstuhlfahrer samt Begleitperson, für Seniorinnen und Senioren sowie für Studierende.

Backstage: 90 Minuten für elf Euro

Das Haus führt regelmäßig hinter die Bühne, und zwar zu einem Preis, der eher nach Museum als nach Oper klingt. Die öffentliche Backstage-Führung läuft samstags um 16 Uhr, dauert rund 90 Minuten und kostet 11 Euro, für Kinder unter 14 Jahren 3,50 Euro. Maximal 20 Personen kommen mit. Gezeigt werden Großer Saal, Foyers, BlackBox, der Orchesterbereich und Teile der Werkstätten.

Für Gruppen gibt es einen eigenen Modus: Montag bis Freitag von 14 bis 18 Uhr um 110 Euro pro Gruppe, mit Vorstellungsbesuch am selben Tag um 85 Euro. Schulklassen zahlen 3,50 Euro pro Schülerin und Schüler, mit Vorstellung 1,75 Euro; eine Begleitperson pro zehn Kindern ist frei. An ausgewählten Mittwochen läuft zusätzlich eine Fundus-Führung, bei der auf 45 Minuten Haus weitere 45 Minuten im Requisitenlager folgen - 145 Euro pro Gruppe, mit Vorstellung 115 Euro. Alle Varianten listet die Führungsseite des Landestheaters, gebucht wird telefonisch unter 0732 76 11-400.

Anreise: Goethekreuzung, zwei Minuten zu Fuß

Das Musiktheater steht Am Volksgarten 1, 4020 Linz, unmittelbar südöstlich der Innenstadt und in Gehweite zum Hauptbahnhof. Die Straßenbahnlinien 1, 2, 3 und 4 halten an der Goethekreuzung, von dort sind es rund zwei Minuten zu Fuß. Damit ist das Haus eine der am einfachsten erreichbaren Kulturadressen der Stadt - anders etwa als der Posthof im Hafenviertel.

Wer mit dem Auto kommt, findet unter dem Gebäude eine Tiefgarage mit 300 Stellplätzen. Die Einfahrt liegt an der Südseite des Hauses und ist über die Bahnhofstraße oder die Wiener Straße erreichbar. Bei ausverkauften Abenden im Großen Saal ist die Garage allerdings schnell voll; die Straßenbahn ist dann die verlässlichere Variante.

Die Kassa im Musiktheater hat ganzjährig geöffnet, Montag bis Freitag von 9 bis 18 Uhr und Samstag von 9 bis 12.30 Uhr (Stand September 2026). Sie ist damit auch die Anlaufstelle für Karten des Schauspielhauses, dessen eigene Kassa im Sommer geschlossen bleibt.

Was Sie zum Musiktheater wissen sollten

Was ist der Unterschied zwischen Musiktheater und Landestheater?

Das Landestheater Linz ist der Betrieb, das Musiktheater eines seiner beiden Häuser. Gespielt wird an zwei Standorten: im Musiktheater am Volksgarten vor allem Oper, Operette, Musical und Ballett, im Schauspielhaus an der Promenade 39 überwiegend Sprechtheater. Karten für beide Häuser laufen über dieselbe Kassa.

Lohnt sich der Stehplatz?

Für drei Euro und mit dem Wissen, dass er erst 90 Minuten vor Beginn verkauft wird: ja, wenn Sie in der Stadt wohnen und der Abend nicht fix eingeplant sein muss. Für Anreisende von weiter weg ist das Risiko zu hoch, weil ein ausverkaufter Abend auch die Stehplätze betrifft.

Welche Preiskategorie ist die vernünftigste?

Bei 21 Kategorien im Großen Saal hängt das stärker vom Termin als vom Platz ab. Dieselbe Sitzreihe kostet an einem Repertoire-Abend unter der Woche einen Bruchteil dessen, was sie an einem Premieren-Wochenende kostet. Wer preisbewusst plant, sucht deshalb zuerst den Termin und dann den Platz.

Kann man das Haus ohne Vorstellung anschauen?

Ja - über die Backstage-Führung am Samstag um 16 Uhr für 11 Euro. Das KlangFoyer ist ebenfalls zugänglich, ohne dass man eine Karte für den Abend braucht.

Warum steht es am Volksgarten und nicht am ursprünglich geplanten Ort?

Weil der ursprüngliche Plan 2000 an der Volksbefragung scheiterte. Der Neustart ab 2004 setzte auf einen anderen Standort - das Areal des ehemaligen Unfallkrankenhauses in der Blumau - und auf einen offenen internationalen Wettbewerb. Der Standort am Volksgarten war ein wesentlicher Grund, warum Pawsons Entwurf gewann. Wie sich das Linzer Kulturangebot in den Jahrzehnten davor entwickelt hat, zeigt unser Rückblick auf die Kulturhauptstadt 2009.

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