LINZ JOURNAL

Ars Electronica: Linz als Welthauptstadt der Medienkunst

Ars Electronica ist seit 1979 das wichtigste weltweite Festival für digitale Kunst und Technologie. Gegründet von Hannes Leopoldseder, Hubert Bognermayr, Herbert W. Franke und Ulrich Rützel am 18. September 1979. Drei Säulen: Festival (September), Prix Ars Electronica (seit 1987, Golden Nica als Oscar der Medienkunst), Ars Electronica Center (1996 eröffnet, 2009 neu gebaut, 3.000 m² Ausstellung). Futurelab mit rund 35 Forscher:innen.

· 10 Min. Lesezeit · Von
Ars Electronica: Linz als Welthauptstadt der Medienkunst

Ars Electronica: Vom ORF-Regionalexperiment zur Weltmarke

Wir haben Ars Electronica zusammengestellt - das kulturelle Alleinstellungsmerkmal von Linz und eine der weltweit wichtigsten Medienkunst-Institutionen. Seit 18. September 1979 findet das Festival jährlich statt, 1987 kam der Prix Ars Electronica mit der „Golden Nica" dazu, 1996 das Ars Electronica Center, das 2009 zur Kulturhauptstadt neu gebaut wurde. Gemeinsam bilden Festival, Preis, Center und das Futurelab ein Ökosystem, das Linz zur UNESCO City of Media Arts machte (seit 2014). Du hast eine Ars-Electronica-Geschichte, die hier fehlt? Schreib an [email protected].

Die Gründung 1979: Vier Männer und ein Festival

Die Geburtsstunde war 9. Februar 1979 - erste Treffen der Gründer:

  • Hannes Leopoldseder - damals 39 Jahre alt, Direktor des ORF-Regionalstudios Oberösterreich, später Intendant. Leopoldseder war der politische und organisatorische Kopf. Er starb 2021, wurde in Linz vielfach geehrt.
  • Hubert Bognermayr - Musiker und Medienpionier aus Linz, Kopf der elektronischen Musik-Szene
  • Herbert W. Franke - deutscher Computerkunst-Pionier und Science-Fiction-Autor
  • Ulrich Rützel - Musikproduzent und Konzeptentwickler

Das erste Festival fand vom 18. bis 21. September 1979 statt, zeitgleich mit der ersten Linzer Klangwolke - einer elektronisch verstärkten Anton-Bruckner-Aufführung im Donaupark. Der Kontext: Linz suchte nach dem Ende der Stahlboomjahre eine neue kulturelle Identität jenseits der VOEST-Industriestadt. Leopoldseder setzte auf Informationstechnologie und Medienkunst - ein Konzept, das zu dieser Zeit international noch unbekannt war. Heute ist das Festival die weltweit wichtigste Medienkunst-Veranstaltung. Das Festival 2026 findet vom 9. bis 13. September unter dem Titel „Future Begins" statt - mehr auf ars.electronica.art.

Der Prix Ars Electronica: Golden Nica seit 1987

1987 rief die Ars Electronica den Prix Ars Electronica aus - den ersten internationalen Wettbewerb für digitale Medienkunst. Der Hauptpreis, die Golden Nica (eine vergoldete Reproduktion der Nike von Samothrake), gilt seither als „Oscar der Medienkunst". Die aktuellen Preiskategorien:

  • Computer Animation
  • Interactive Art +
  • Artificial Intelligence & Life Art
  • Digital Musics & Sound Art
  • u19 - create your world (österreichische Jugend-Kategorie)
  • STARTS Prize (EU-Kooperation Kunst + Technik + Wissenschaft)

Die Einreichungen erreichten 2014 rund 2.703 Einreichungen aus 77 Ländern, inzwischen sind es mehr. Die prämierten Arbeiten werden bei der jährlichen CyberArts-Ausstellung im Lentos Kunstmuseum gezeigt. Viele Golden-Nica-Preisträger:innen sind später zu internationalen Stars geworden - die frühen Prix-Einreichungen umfassten Namen wie John Lasseter (Pixar-Mitgründer), Karl Sims, Masaki Fujihata und viele andere.

Das Ars Electronica Center: 1996 und 2009

Das Ars Electronica Center (AEC) eröffnete 1996 als „Museum der Zukunft" in einem umgebauten Gebäude in Urfahr am linken Donauufer - direkt an der Nibelungenbrücke. Für Linz09 - Kulturhauptstadt Europas 2009 erhielt das AEC einen kompletten Neubau mit 3.000 m² Ausstellungsfläche. Das markante Äußere besteht aus einer 5.000 m² großen Glasfassade mit 1.100 LED-bestückten Panels, die nachts als gigantisches Display funktionieren. Adresse: Ars-Electronica-Straße 1, 4040 Linz. Die Hauptattraktionen:

  • Deep Space 8K - 16-mal-9-Meter-Projektionsfläche plus 16-mal-9-Meter-Bodenfläche, 8K-Auflösung, 3D-Projektion. Einmalig in Österreich, selten in Europa.
  • Neue Ausstellungsbereiche zu künstlicher Intelligenz, Biotechnologie, Neurowissenschaften, Mensch-Maschine-Interaktion
  • AI Lab - Lab-Atmosphäre mit KI-Forschungsdemos
  • BioLab - biotechnologische Experimente und Exponate
  • RoboLab - Robotik, Automation, autonome Systeme
  • Understanding AI - zentrale Ausstellung zur KI

Das AEC ist täglich außer Montag geöffnet, Besucherzahlen liegen bei rund 180.000-200.000 jährlich. Eintritt: Erwachsene 12,50 Euro, ermäßigt 7,50 Euro, Familien 25 Euro, Kinder unter 6 gratis (Stand April 2026). Für Linz-Besucher:innen mit einem Tag Zeit ist das AEC eine der wichtigsten Museumsadressen Österreichs. Mehr auf ars.electronica.art/center.

Das Futurelab: Forschung und Entwicklung

Das Ars Electronica Futurelab ist die Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Organisation - gegründet 1996 parallel zum Center. Rund 35 Mitarbeiter:innen arbeiten an neuen Medienkunst-Technologien, Kunst-Wissenschafts-Kooperationen und internationalen Projekten. Die berühmteste Futurelab-Erfindung sind die Spaxels (Space Pixels) - LED-bestückte Drohnen, die in Formation fliegen und dreidimensionale Luft-Displays erzeugen. Diese kamen erstmals 2012 zum Einsatz und sind seither bei internationalen Großveranstaltungen (Olympische Spiele, Weltausstellungen) präsent. Das Futurelab arbeitet für öffentliche Auftraggeber, Forschungsinstitutionen und international führende Unternehmen. Das Lab ist nicht für das Publikum zugänglich, stellt seine Ergebnisse aber regelmäßig im Festival und AEC aus.

Ars Electronica und UNESCO City of Media Arts

2014 wurde Linz von der UNESCO als City of Media Arts ausgezeichnet - als eine der ersten Städte weltweit im UNESCO Creative Cities Network. Der Grund: die einzigartige Kombination von Ars Electronica, Kunstuniversität (Time-based Media, Interface Cultures), Medienkunst-Szene und städtischer Förderstruktur. Linz ist die einzige österreichische Stadt im UNESCO-Creative-Cities-Netzwerk für Medienkunst. Für die Stadt bedeutet der Titel internationale Sichtbarkeit, Kooperationsmöglichkeiten und eine kulturelle Positionierung jenseits von Wien. Mehr im UNESCO-Artikel. Die Verbindung zur Kunstuniversität Linz ist eng - viele Lehrende und Studierende der Kunstuni sind Teil des Ars-Electronica-Netzwerks. Mehr im Kunstuni-Artikel.

Was Sie über Ars Electronica wissen sollten

Festival-Besuch: Tickets, Termine, Programm

Das Ars Electronica Festival findet jährlich Anfang bis Mitte September statt - das Datum wechselt, üblich ist Mittwoch bis Sonntag. Das Festival 2026: 9. bis 13. September. Der Festival-Pass kostet für Erwachsene 89 Euro (Stand April 2026), ermäßigt 69 Euro, Tages-Pass 49 Euro. Über 500 Veranstaltungen an rund 20 Locations in der Linzer Innenstadt, auf der Tabakfabrik, im AEC, Lentos, POSTCITY und weiteren Orten. Das Festival zieht jährlich 85.000 bis 100.000 Besucher:innen an, darunter viele internationale Fachleute. Die Festival-Hotels sind in den September-Festival-Tagen oft ausverkauft - rechtzeitige Buchung empfohlen.

Deep Space 8K: Das einzigartige Erlebnis

Wer nur einen Aspekt des AEC erleben kann, sollte den Deep Space 8K wählen. Der Raum zeigt Projektionen auf Wänden und Boden gleichzeitig - die Besucher:innen stehen oder liegen mitten in einem 16-mal-9-Meter-Bild. Programme: Reisen durch den Kosmos (Sternenkataloge), Kunst-Animationen, interaktive Spiele, wissenschaftliche Visualisierungen. Die Sessions dauern rund 25-30 Minuten, Termine gibt es mehrmals täglich. Anmeldung direkt am AEC-Ticketschalter oder online.

Ars Electronica Linz als Arbeitgeber und Vernetzer

Die Ars Electronica Linz GmbH ist eine Tochter der Stadt Linz. Rund 200 Menschen arbeiten in den verschiedenen Bereichen (Festival, Center, Futurelab, Archiv, Administration). Für die Linzer Medienkunst-Szene ist Ars Electronica der zentrale Arbeitgeber und Vernetzer - viele Künstler:innen, Forscher:innen und Technolog:innen haben Teil-Berufskarrieren innerhalb der Organisation. Finanzierung: Stadt Linz (etwa 40%), Land Oberösterreich, Bund, plus Eigeneinnahmen aus Ticketverkäufen, Sponsoring und Auftragsarbeiten.

Anreise zum AEC und Festival

Das Ars Electronica Center liegt in Urfahr direkt an der Nibelungenbrücke. Anreise: Straßenbahnlinien 1, 2, 3 bis Haltestelle Rudolfstraße, dann 3 Minuten Fußweg. Vom Linzer Hauptplatz über die Nibelungenbrücke rund 10 Minuten zu Fuß. Auto: Parkgarage Urfahranerkai oder Urfahrmarkt-Parkplatz in der Nähe. Während des Festivals laufen Sonder-Bus-Verbindungen zwischen den Locations. Mehr zur Urfahr-Seite im Urfahr-Artikel. Für Linz-Besucher:innen, die Zeit für nur einen Kultur-Stopp haben: Das AEC vereint Kunst, Technologie, Wissenschaft und Linz-Identität wie kein anderer Ort der Stadt.

Mehr aus Kultur
Der Linzer Mariendom: Größter Dom Österreichs
Kultur · · 10 Min.

Grundsteinlegung 1. Mai 1862, Weihe 29. April 1924 nach 62 Jahren Bauzeit, Entwurf von Vincenz Statz (Kölner Dom-Bauhütte), 134 Meter Turmhöhe, 5.851 m² Grundfläche, Kapazität für 20.000 Gläubige als größte Kirche Österreichs - der Linzer Mariendom (Mariä-Empfängnis-Dom) und seine Geschichte.