LINZ JOURNAL

Posthof Linz: Säle, Programm und Anreise ins Hafenviertel

Ein Gutshof aus dem 13. Jahrhundert, der 1750 zur Poststallmeisterei umgebaut wurde und seit 1984 bis zu 250 Veranstaltungen im Jahr trägt. Vier Bühnen von 100 bis 2.000 Plätzen, dazu ein Detail, das kaum jemand kennt: Die Eintrittskarte gilt als Öffi-Ticket.

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Posthof Linz: Säle, Programm und Anreise ins Hafenviertel

Ein Gutshof, der 700 Jahre lang etwas anderes war

Der Posthof heißt Posthof, weil er einmal einem Postverwalter gehörte - und das war erst seine sechste oder siebte Rolle. Das Anwesen an der heutigen Posthofstraße lässt sich als Lehen bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen und trug im Lauf der Jahrhunderte den Namen des jeweiligen Besitzers: im 15. Jahrhundert Ordaech, im 16. Erapaur, vor 1685 dann Heimlhof nach Michael Franz Heiml. Über den Linzer Bürgermeister Georg Payrhuber kam es an Josef Ignaz Gross von Ehrenstein, den Linzer Postverwalter. Seither trägt es dessen Amtsbezeichnung im Namen.

Der bauliche Einschnitt kam um 1750: Das Gebäude wurde zur Poststallmeisterei umgebaut und diente bis 1790 in dieser Funktion. Danach ging es bergab. 1849 kaufte die Stadt Linz das Anwesen und betrieb dort bis 1895 eine städtische Versorgungsanstalt - also ein Armenhaus. Anschließend wurde es zu Wohnungen und Gastgewerbe umgenutzt, was in einem Areal, das inzwischen vom Hafen und der Schwerindustrie eingerahmt war, eine eher unauffällige Existenz bedeutete. Die Denkmaldatenbank der Stadt Linz führt das Gebäude heute als unbewegliches Denkmal unter Denkmalschutz. Eine Gedenktafel von 1996 erinnert an die Triestiner Zivilinternierten, die im Ersten Weltkrieg in unmittelbarer Nähe im Lager Katzenau festgehalten wurden.

1984: zwei Jahre Umbau, dann zwei Tage Eröffnung

Die Umwandlung in ein Kulturzentrum besorgten die Architekten Siegfried Jell und Bernhard Schremmer. Nach rund zwei Jahren Adaptierung und Sanierung wurde der Posthof am 1. und 2. September 1984 als Haus für zeitgenössische Kultur eröffnet. Das Jahr ist in der Linzer Kulturgeschichte kein Zufall: 1984 entstand auch die KAPU, fünf Jahre zuvor waren Ars Electronica und Stadtwerkstatt gegründet worden. Die Stadt, die bis in die Siebzigerjahre vor allem als Stahlstandort galt, baute sich innerhalb eines Jahrzehnts eine zweite Identität.

1990 folgte der Zubau, im Haus schlicht Posthof II genannt, wieder vom Büro Schremmer Jell. Er setzt Glas, Stahl und Sichtbeton bewusst als Material gegen den verputzten Altbau - in einem Industrieviertel eine naheliegende Sprache. Das Ergebnis sind zwei eigenständig bespielbare Gebäudeteile, die auch parallel laufen können: Im einen ein Konzert, im anderen eine Lesung.

Vier Bühnen, von 100 bis 2.000 Plätzen

Wer eine Karte kauft, sollte auf den Saal achten, denn die Größenunterschiede sind erheblich. Der Kleine Saal fasst rund 200 Personen stehend oder 100 sitzend und ist die Bühne für Lesungen, Kabarett-Vorpremieren und junge Bands. Der Mittlere Saal nimmt 900 stehend oder 400 sitzend auf. Der Große Saal ist mit 1.200 stehend oder 630 sitzend der größte Innenraum - und damit einer der wenigen Linzer Säle in dieser Kategorie zwischen dem Brucknerhaus und den kleinen Clubs.

Dazu kommt die jüngste Bühne: die FrischLuft an der nordöstlichen Rückseite des Hauptgebäudes, eine Freiluftbühne für bis zu 2.000 Stehplätze oder 900 Sitzplätze. Entstanden ist sie 2020 als Notlösung, um während der Corona-Einschränkungen überhaupt spielen zu können - und ist geblieben. Sie läuft als Linz AG FrischLuft-Bühne von Mai bis September und macht den Posthof im Sommer zu einem Open-Air-Standort, ohne dass das Publikum die Stadt verlassen muss. Sitzpläne für alle vier Bühnen stehen im Service-Bereich des Hauses. Eine Übersicht über die anderen Linzer Bühnen finden Sie in unserem Überblick zu den Veranstaltungsorten in Linz.

250 Abende im Jahr, fünf Sparten

Der Posthof bezeichnet sich selbst als spartenübergreifendes Kulturhaus und meint damit Musik, Tanz, Theater, Kabarett und Literatur - fünf Bereiche, die sonst meist auf fünf verschiedene Häuser verteilt sind. Nach eigenen Angaben in der Hausbeschreibung kommen so bis zu 250 Veranstaltungen pro Jahr und rund 120.000 Besucherinnen und Besucher pro Saison zusammen. Das sind im Schnitt fünf Abende pro Woche, das ganze Jahr über.

Betrieben wird das Haus von der LIVA, der Linzer Veranstaltungsgesellschaft, die auch das Brucknerhaus führt. Diese gemeinsame Trägerschaft erklärt einige Praktikalitäten - etwa dass Posthof-Karten auch am LIVA Service Center im Brucknerhaus erhältlich sind und dass beide Häuser im selben Kulturabo auftauchen. Zum Programm des Schwesterhauses siehe unseren Artikel zum Brucknerfest.

Die Reihen, an denen sich das Jahr orientiert

Das Programm ist über sieben wiederkehrende Reihen strukturiert, deren Termine sich Jahr für Jahr wiederholen. Wer den Posthof regelmäßig besucht, plant an diesen Fixpunkten entlang:

  • Heimspiel - Plattform für die junge österreichische Szene in Musik, Tanz, Theater und Literatur. Jährlich im Februar.
  • postdancingdays - Tanzfestival, für das das ganze Haus zu Spielflächen für unterschiedliche Tanzformen umgebaut wird. April.
  • Linz AG FrischLuft-Bühne - Open-Air-Programm auf der Freiluftbühne, Mai bis September.
  • Ahoi! Pop Sommer - das XXL-Format der Popreihe, jährlich im Juli und nicht am Haus, sondern im Donaupark zwischen Lentos und Brucknerhaus.
  • Ahoi! Pop - das Linzer Popfestival im Herbst, zurück im Haus.
  • Linzer Kleinkunstfestival - das älteste Kabarettfestival der Stadt, jährlich im November. In der 41. Ausgabe lief es über gut fünf Wochen mit rund vierzehn Abenden.
  • Österreichische Theatersport-Meisterschaften - vier Improvisationsabende im Dezember.

Dazu kommen Abo-Modelle: das OÖN Kulturabo, das der Posthof gemeinsam mit Brucknerhaus, Landestheater und Theater Phoenix anbietet, ein Konzert-Abo in kleiner und großer Variante, ein flexibles Abo zum Selbstzusammenstellen aus Tanz, Theater, Kabarett und Literatur sowie AK-POP, eine vergünstigte Konzertreihe mit der Arbeiterkammer Oberösterreich. Alle Reihen und Abos listet das Haus unter Reihen & Abos. Wer sich für die Linzer Bandlandschaft dahinter interessiert, findet mehr in unserem Text zur Linzer Musikszene.

Karten: drei Preisstufen, und die günstigste ist zeitkritisch

Der Posthof arbeitet mit einem Dreistufen-System, das ungewöhnlich, aber logisch ist. Preis 1 ist der ermäßigte Vorverkaufspreis, Preis 2 der volle Vorverkaufspreis - der gleichzeitig dem ermäßigten Abendkassenpreis entspricht -, Preis 3 der volle Abendkassenpreis. Entscheidend ist die Frist: Vorverkaufspreise gelten bis 19 Uhr des Werktags vor der Veranstaltung. Wer am Konzerttag selbst kauft, zahlt in jedem Fall Abendkasse, auch online.

Der Kreis der Ermäßigungsberechtigten ist breit gefasst und umfasst laut Karten & Preise unter anderem Ö1-Club-Mitglieder, Inhaberinnen und Inhaber einer Linz-AG-Jahreskarte oder eines Semestertickets, Arbeitslose, Menschen mit Behinderung, Lehrlinge, Pensionistinnen und Pensionisten, Schülerinnen, Schüler und Studierende unter 27, Präsenz- und Zivildiener sowie Aktivpass-Inhaber. Schulgruppen ab zehn Personen bekommen zusätzlich zehn Prozent. Auch OÖNcard und Radio-FRO-Card berechtigen zu ausgewählten Ermäßigungen. Ein Nachweis ist immer vorzuzeigen.

Gekauft wird an der Posthof-Kassa, im LIVA Service Center im Brucknerhaus, bei Thalia Linz oder online im hauseigenen Ticketshop, wo eine Systemgebühr von 1,50 Euro anfällt. Über oeticket und angeschlossene Vorverkaufsstellen kommen mindestens zehn Prozent Gebühr dazu - der Direktkauf ist also spürbar günstiger. Reservierte Karten müssen bis 30 Minuten vor Beginn abgeholt werden, bei Kreditkartenbestellungen bis 15 Minuten vorher.

Das Ticket ist gleichzeitig der Fahrschein

Diese Regelung kennen selbst regelmäßige Besucher oft nicht: Die Posthof-Eintrittskarte gilt als Fahrschein für die Linzer Öffis, und zwar ab fünf Stunden vor Veranstaltungsbeginn bis zwei Stunden danach, bis zur Kernzonengrenze. Damit ist die Hin- und Rückfahrt mit dem Kartenpreis abgegolten.

Ein Detail entscheidet allerdings darüber, ob es funktioniert: Ausgedruckte Online-Bestätigungen gelten nicht. Erforderlich ist ein echtes Ticket - also entweder die Variante Ticket-Zusendung oder Print@home. Wer beim Kauf die falsche Option wählt, steht mit einem Papier da, das die Kontrolle nicht anerkennt.

Anreise: Bus 27, Bus 46 und der Nachtbus

Der Posthof liegt in der Posthofstraße 43 im Stadtteil Kaplanhof, mitten im Hafen- und Industrieviertel - also nicht dort, wo Ortsunkundige eine Kulturadresse vermuten. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln führen laut Anreise-Information des Hauses drei Linien hin: Bus 27 bis Haltestelle Posthofstraße, Bus 46 bis Hafenportal und nach Betriebsschluss der Nachtbus N83, ebenfalls über Hafenportal. Straßenbahnen fahren nicht direkt zum Haus.

Für die späte Rückfahrt gibt es zusätzlich das Anrufsammeltaxi (AST) unter 0732 66 12 66, das von 20 bis 5 Uhr im Halbstundentakt verkehrt; der Standplatz liegt neben dem Haupteingang. Wer mit dem Auto kommt, fährt über die A1 auf die A7 und dann über die Prinz-Eugen-Straße Richtung Hafen. Parkplätze gibt es im Umfeld, zusätzlich die kostenpflichtige APCOA-Garage in der Industriezeile 35. Angesichts der Öffi-Regelung beim Ticket ist das Auto allerdings die teurere Variante.

Das Posthof Beisl

Zum Haus gehört das Posthof Beisl samt Gastgarten, betrieben von Manfred Trappmaier Gastronomie e.U. Es ist keine reine Veranstaltungsgastronomie, sondern hat auch unter der Woche mittags offen: Montag bis Donnerstag von 11:30 bis 14 Uhr, an Veranstaltungstagen zusätzlich ab 17 Uhr. Die Küche ist klassische Wirtshausküche mit vegetarischen Optionen und gilt unter Studierenden als eine der besseren Preis-Leistungs-Adressen der Stadt.

Eine Einschränkung gilt aktuell: Wegen Renovierungsarbeiten der LIVA lief über die Sommermonate 2026 kein Restaurantbetrieb, die Wiedereröffnung war laut Beisl-Website für September angekündigt. An Veranstaltungsabenden waren die Getränkebars im Haus davon nicht betroffen. Wer vor einem Konzert essen möchte, sollte vorab kurz prüfen, ob der Betrieb wieder läuft (Stand September 2026).

Was Sie zum Posthof wissen sollten

Wie groß ist der Große Saal wirklich?

1.200 Stehplätze oder 630 Sitzplätze - je nach Bestuhlung. Bei bestuhlten Abenden halbiert sich die Kapazität also fast. Das ist bei ausverkauft gemeldeten Konzerten relevant: Ein ausverkaufter bestuhlter Abend ist ein deutlich kleinerer Abend als ein ausverkaufter Stehplatzabend.

Gibt es im Posthof nummerierte Plätze?

Das hängt von der Veranstaltung ab, nicht vom Saal. Kabarett und Literatur laufen in der Regel bestuhlt, Konzerte häufig als Stehplatzveranstaltung. Der jeweilige Sitzplan ist bei der einzelnen Veranstaltung hinterlegt.

Wann lohnt sich das Abo?

Ab etwa vier bis fünf Besuchen pro Saison, weil dann der Rabatt gegenüber Einzelkarten die Bindung aufwiegt. Wer sparten-übergreifend interessiert ist, fährt mit dem flexiblen Abo besser als mit dem reinen Konzert-Abo, weil sich die Auswahl aus Tanz, Theater, Kabarett und Literatur zusammenstellen lässt.

Wann ist die Kassa erreichbar?

Telefonisch unter 0732 78 18 00 oder per E-Mail an [email protected]. Die Öffnungszeiten wechseln mit der Saison - im Sommer 2026 etwa Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 13 Uhr, dazu an Veranstaltungstagen ab einer Stunde vor Beginn. Fragen zu Rollstuhlplätzen, Begleitpersonen oder Sonderkontingenten klären Sie am schnellsten dort, weil diese Plätze nicht über den regulären Online-Shop laufen.

Was unterscheidet den Posthof von den anderen Linzer Bühnen?

Die Kombination aus Größe und Bandbreite. Kleinere Clubs wie KAPU oder Stadtwerkstatt sind musikalisch schärfer profiliert, das Brucknerhaus ist auf Klassik ausgerichtet, das Landestheater auf Sprech- und Musiktheater. Der Posthof deckt mit vier Bühnen zwischen 100 und 2.000 Plätzen jene Größen ab, für die es in Linz sonst kaum Häuser gibt - und mischt dabei fünf Sparten unter einem Dach. Weitere Adressen für Konzerte finden Sie in unserem Livemusik-Guide, zur zweiten großen Umnutzung eines Linzer Industriebaus siehe die Tabakfabrik.

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