Brucknerhaus Linz: Der finnische Konzertsaal an der Donau
1962 gewannen zwei Architekten aus Helsinki den Wettbewerb, 1974 dirigierte Karajan die Eröffnung. Heute: 1,7 Sekunden Nachhallzeit, eine 200 Quadratmeter große Bühne, Rollstuhlplätze um zehn Euro - und der Ort, an dem die Klangwolke erfunden wurde.
Zwei Architekten aus Helsinki und ein Wettbewerb von 1962
Dass Linz seinen Konzertsaal von finnischen Architekten bekam, war das Ergebnis eines Wettbewerbs, den Kaija und Heikki Sirén aus Helsinki 1962 mit dem ersten Preis gewannen. Bis zur Umsetzung vergingen weitere sieben Jahre: Die Grundsteinlegung erfolgte am 16. Mai 1969, samt eingemauerter Zeitkapsel. Eröffnet wurde das Haus dann am 23. März 1974, und zwar mit einem Programm, das die Ansprüche ziemlich deutlich formulierte: Herbert von Karajan dirigierte die Wiener Philharmoniker mit Anton Bruckners 7. Sinfonie. Karajan beschrieb den Abend später als Begegnung von berauschender Schönheit.
Der Bau war bei seiner Eröffnung der größte Konzertsaal außerhalb Wiens. Er steht direkt am rechten Donauufer und öffnet sich über eine große Glasfassade zum Fluss und zur gegenüberliegenden Urfahrer Stadtseite; das Gebäude nimmt den Fluss also in den Saalzugang hinein, statt sich von ihm abzuwenden. Zur Geschichte des Hauses siehe die Chronik des Brucknerhauses, das Gebäude selbst führt die Denkmaldatenbank der Stadt Linz. Der Nachbar 300 Meter flussabwärts ist das Lentos Kunstmuseum.
Der Große Saal und seine 1,7 Sekunden
Die entscheidende Zahl eines Konzertsaals ist nicht die Platzzahl, sondern die Nachhallzeit. Im Großen Saal des Brucknerhauses liegt sie bei 1,7 Sekunden - ein Wert im oberen Bereich dessen, was für sinfonische Musik als ideal gilt, und der Grund, warum das Haus international beachtet wird. Die Holzverkleidung von Wänden und Decke ist dabei kein Dekor, sondern akustisches Bauteil.
Das Haus selbst nennt für den Großen Saal bis zu 1.470 Plätze: bis zu 22 Sitzreihen im Parkett plus mögliche Zusatzreihen und fünf Galeriereihen. Die Bühne misst 200 Quadratmeter und fasst bis zu 220 Mitwirkende - genug für die großen Chorsinfonien, die anderswo Platzprobleme machen. Technisch stehen laut der Raumübersicht des Hauses unter anderem 66 Punktzüge mit je 250 Kilogramm Tragkraft, vier ausfahrbare Stufenpodien und zwei Bühnenlifte zur Verfügung; der Orchesterlift misst 29 Quadratmeter bei vier Tonnen Tragkraft, der Klavierlift 19,5 Quadratmeter bei zwei Tonnen.
Im Saal steht eine Rieger-Orgel. Sie ist nicht die ursprüngliche: 2018 wurde das Instrument komplett getauscht, der originale Prospekt - also die sichtbare Pfeifenfront - blieb dabei erhalten.
Mittlerer Saal, Kleiner Saal und die Barrierefreiheit
Neben dem Großen Saal gibt es zwei kleinere Räume. Der Mittlere Saal fasst bis zu 304 Personen auf maximal 15 Sesselreihen und lässt sich flexibel bestuhlen. Der Kleine Saal nimmt bis zu 100 Personen auf und kann in drei Abschnitte geteilt werden - dort finden Kammerkonzerte, Vorträge und Empfänge statt.
Für Besucherinnen und Besucher mit Einschränkungen ist das Haus vergleichsweise konkret aufgestellt: Es bietet bis zu zehn Rollstuhlplätze und verfügt in Großem und Mittlerem Saal über eine induktive Höranlage für Hörgeräte. Rollstuhlplätze im Großen Saal kosten zehn Euro, bei einem Behinderungsgrad ab 60 Prozent gibt es 50 Prozent Ermäßigung.
Was in diesem Haus zuerst passiert ist
Das Brucknerhaus war nie ein reines Klassikhaus, und zwar von Anfang an nicht. Vier Daten aus der Hauschronik zeigen das:
- 1978 - Uraufführung der Rockmesse der oberösterreichischen Band Eela Craig, die dem Haus internationale Aufmerksamkeit brachte.
- 1979 - die erste Klangwolke, damals mit 100.000 Besucherinnen und Besuchern im Donaupark davor. Aus diesem Abend wurde eine Linzer Institution.
- 2023 - erstes Festival, das ausschließlich Komponistinnen des 19. und 20. Jahrhunderts spielte.
- 2024 - Doppeljubiläum: 50 Jahre Haus und 200. Geburtstag Anton Bruckners.
Die Klangwolke ist bis heute der Abend, an dem die Donaulände am vollsten ist - mehr dazu in unserem Artikel zur Linzer Klangwolke. Programmatisch deckt das Haus Klassik, Jazz und Weltmusik ab und ist Hauptspielort des Brucknerfests.
Ein Betreiber, zwei Häuser
Das Brucknerhaus wird von der LIVA geführt, der Linzer Veranstaltungsgesellschaft, die auch den Posthof betreibt. Praktisch heißt das: Der Kartenverkauf läuft über dieselbe Stelle, das LIVA Service Center im Brucknerhaus, und beide Häuser tauchen in denselben Abo-Modellen auf. Das Bruckner Orchester Linz ist zwar im Musiktheater beheimatet, spielt aber regelmäßig hier - die beiden großen Linzer Konzertadressen sind also enger verzahnt, als die Adressen vermuten lassen.
Das Restaurant öffnet nur, wenn der Große Saal spielt
Im Haus gibt es das Restaurant BRUCKNER'S, betrieben von DoN. Die Öffnungsregel ist ungewöhnlich streng und sorgt regelmäßig für vergebliche Anfahrten: Geöffnet ist nur an Abenden mit Veranstaltung im Großen Saal, dann von 17 bis 23 Uhr. An Abenden, an denen nur der Mittlere oder Kleine Saal bespielt wird, bleibt die Küche kalt. Die Karte verbindet oberösterreichische Küche mit modernen Gerichten, reserviert wird telefonisch unter 0664 881 63 615 oder über die Restaurantseite des Hauses.
Eine Ausnahme gibt es im Sommer: Die Terrasse direkt an der Donau läuft unabhängig vom Konzertbetrieb, zuletzt von 16. Juli bis 29. August, Donnerstag bis Samstag von 16 bis 24 Uhr, mit Getränken und Tapas; die Küche schließt dort um 21.30 Uhr. Das ist einer der wenigen Plätze in Linz, an denen man abends direkt am Wasser sitzt - weitere Adressen dieser Art finden Sie in unserem Gastgarten-Guide.
Karten: Junges Ticket, Abos und die Kassa-Zeiten
Der Kartenverkauf ist im Service-Bereich des Hauses geregelt. Wichtig sind vor allem die Öffnungszeiten des Service Centers, weil sie saisonal wechseln: September bis Juni Montag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr, Juli und August nur Montag bis Donnerstag von 10 bis 13 Uhr. Telefonisch erreichbar unter 0732 77 52 30. Die Abendkasse öffnet eine Stunde vor Beginn und verkauft nur noch Restkarten - wer einen bestimmten Platz will, kauft vorher.
Die wichtigsten Ermäßigungen: Das Junge Ticket gilt für Schülerinnen und Schüler, Studierende, Lehrlinge sowie Präsenz- und Zivildiener unter 27 gegen Ausweis. Gruppen ab zehn Karten bekommen zehn Prozent, ebenso Mitglieder qualifizierender Clubkarten. Abonnements sparen bis zu 40 Prozent und sind damit die deutlich größte Hebelwirkung für regelmäßige Besucher. Ermäßigungen lassen sich allerdings nicht kombinieren - es gilt immer nur eine pro Kauf.
Online geht es rund um die Uhr mit Print@home, per Post kostet der Versand 1,45 Euro im Inland und 2,18 Euro international. Bezahlt wird bar, mit Kredit- oder Bankomatkarte, online zusätzlich per PayPal oder Überweisung. Bei Veranstaltungen fremder Veranstalter im Haus läuft eine Rückgabe nicht über die LIVA, sondern über den jeweiligen Veranstalter.
Anreise: Der Bus hält direkt vor dem Haus
Das Brucknerhaus steht an der Unteren Donaulände 7, 4010 Linz. Die bequemste Verbindung ist der Bus der Linie 26: Die Haltestelle heißt schlicht Brucknerhaus und liegt zwei Gehminuten entfernt. Alle vier Straßenbahnlinien - 1, 2, 3 und 4 - halten am Hauptplatz, von dort sind es rund 13 Minuten zu Fuß die Donaulände entlang.
Für Autofahrer gibt es laut Anreise- und Parkinformation in mehreren Garagen einen Kulturtarif zwischen 18 und 1 Uhr ab 4,50 Euro. Die Parkbad-Garage verrechnet untertags 2 Euro pro halbe Stunde, nachts 1 Euro. Für ausgewählte Konzertreihen - die Zyklen „Große Orchester" und die „Sonntagsmatineen" - fährt zusätzlich ein kostenloser Shuttlebus aus der Innenstadt zum Haus, für Kartenbesitzer. Anders als beim Posthof gilt die Konzertkarte hier allerdings nicht als Öffi-Fahrschein.
Was Sie zum Brucknerhaus wissen sollten
Wie viele Plätze hat der Große Saal wirklich?
Das Haus gibt bis zu 1.470 an, wobei diese Zahl Zusatzreihen einschließt. Ohne sie liegt die reguläre Bestuhlung darunter. Für die Frage, wie weit hinten ein Platz liegt, ist die Reihennummer aussagekräftiger: Das Parkett hat bis zu 22 Reihen, dazu kommen fünf Galeriereihen.
Ist die Akustik überall gleich gut?
Die Nachhallzeit von 1,7 Sekunden beschreibt den Saal, nicht den einzelnen Platz. Wie ein bestimmter Sitz klingt, hängt von der Position zur Bühne und zur Galerie ab - eine Frage, die der Sitzplan allein nicht beantwortet. Wer sich unsicher ist, fragt das Service Center; dort ist bekannt, welche Bereiche für welche Besetzung empfohlen werden.
Lohnt sich ein Abo?
Bei bis zu 40 Prozent Ersparnis rechnet es sich schon ab wenigen Konzerten pro Saison - deutlich früher als bei den meisten Häusern. Da Ermäßigungen nicht kombinierbar sind, ist das Abo für Besucher ohne Anspruch auf das Junge Ticket der klar günstigere Weg.
Was ist der Unterschied zwischen Brucknerhaus und Brucknerfest?
Das Brucknerhaus ist der Konzertsaal, das Brucknerfest das Festival, das jeden Herbst dort stattfindet. Das Haus bespielt das ganze Jahr über, das Festival belegt einen Ausschnitt davon - und eröffnet traditionell mit der Klangwolke im Donaupark davor.
Kann man dort essen, ohne ins Konzert zu gehen?
Regulär nicht - das Restaurant BRUCKNER'S öffnet nur an Abenden mit Veranstaltung im Großen Saal. Die einzige Ausnahme ist die Sommerterrasse an der Donau, die im Juli und August unabhängig vom Konzertbetrieb läuft.