voestalpine in Linz: Über 80 Jahre Stahl an der Donau
Die voestalpine AG ist Linz' größter Arbeitgeber und einer der bedeutendsten Stahlkonzerne Europas. Gegründet 1938 als Rüstungswerk, 1945 in VÖEST umbenannt, 1952/53 Entwicklung des weltweit revolutionären LD-Verfahrens zur Stahlerzeugung. Heute rund 49.700 Mitarbeiter:innen weltweit, 15,7 Mrd. Euro Umsatz (2024/25), über 500 Konzerngesellschaften. Seit 2019 H2FUTURE-Pilotanlage für CO2-freie Stahlproduktion in Linz.
voestalpine: Linz' größter Arbeitgeber und Stahl-Weltmarktführer
Wir haben die voestalpine-Geschichte zusammengestellt - Linz' größter Arbeitgeber und einer der bedeutendsten europäischen Stahlkonzerne. Das Unternehmen blickt auf eine über 80-jährige Geschichte zurück: vom Werksbau 1938 über die Verstaatlichung 1946, die revolutionäre Entwicklung des LD-Stahlerzeugungsverfahrens 1952/53, die Privatisierung ab 1995 und den Börsengang 2003 zur heutigen voestalpine AG mit weltweit rund 49.700 Mitarbeiter:innen, 15,7 Milliarden Euro Umsatz (2024/25) und über 500 Konzerngesellschaften in mehr als 50 Ländern. Linz bleibt der Hauptstandort - das Werksgelände prägt das Linzer Stadtbild und die Identität als „Stahlstadt" bis heute. Du kennst eine voestalpine-Geschichte, die hier fehlt? Schreib an [email protected].
Die Gründung 1938: Rüstungswerk im Dritten Reich
Der Spatenstich erfolgte am 13. Mai 1938 in Linz-St. Peter, wenige Wochen nach dem „Anschluss" Österreichs ans Deutsche Reich. Gründer waren die „Reichswerke Aktiengesellschaft für Erzbergbau und Eisenhütten", eine Tochter des 1937 gegründeten Berliner Industriekonzerns Reichswerke AG. Die Linzer Anlagen waren von Beginn an Teil der deutschen Rüstungsindustrie und wurden ab 1941 schrittweise in Betrieb genommen. Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus den Mauthausen-Außenlagern wurden ab 1940/41 zur Arbeit gezwungen - ein Kapitel, das voestalpine heute im Zeitgeschichte-Museum auf dem Werksgelände umfassend aufarbeitet. Die historische Ausstellung „1938-1945 in der voestalpine" ist öffentlich zugänglich und dokumentiert die Verstrickung des Werks in NS-Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit. Mehr zum Linzer Umgang mit der NS-Zeit im Zweiter-Weltkrieg-Artikel und auf voestalpine.com/historie.
1945-1946: Verstaatlichung und Umbenennung zur VÖEST
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Werk 1945 in VÖEST (Vereinigte Österreichische Eisen- und Stahlwerke AG) umbenannt. Die Verstaatlichung erfolgte 1946 im Rahmen der österreichischen Nachkriegs-Wirtschaftspolitik - das Unternehmen wurde Teil der Österreichischen Industrieverwaltungs-AG (ÖIAG) und somit staatliches Eigentum. Linz lag in der US-amerikanischen Besatzungszone, das Werk wurde von US-Behörden zunächst kontrolliert, dann in die österreichische Staatsverantwortung übergeben. Die VÖEST war ab Ende der 1940er-Jahre der Motor der österreichischen Industrie-Wiederaufbau - mit schneller Produktionssteigerung, technologischer Erneuerung und wachsender Belegschaft.
Das LD-Verfahren: Linzer Erfindung erobert die Welt
Die wichtigste technologische Innovation der VÖEST und eine der bedeutendsten Erfindungen der österreichischen Industriegeschichte: das LD-Verfahren (Linz-Donawitz-Verfahren) - ein revolutionäres Verfahren zur Stahlerzeugung. Die Entwicklung begann ab 1949, am 27. November 1952 ging der erste Konverter im LD-Stahlwerk 1 in Linz in Betrieb. Die offizielle Eröffnung des weltweit ersten LD-Stahlwerks erfolgte am 5. Januar 1953 durch Bundespräsident Theodor Körner. Das Verfahren verdrängte international innerhalb weniger Jahrzehnte die älteren Siemens-Martin- und Thomas-Verfahren und wurde zur Standardtechnologie der globalen Stahlindustrie. Die Grundidee: reiner Sauerstoff wird von oben auf flüssiges Roheisen geblasen, die Kohlenstoff-Verbrennung erzeugt die nötige Temperatur - ohne externe Energiezufuhr. Die Konverter wurden über die Jahre von 30 Tonnen auf bis zu 400 Tonnen Kapazität vergrößert. Das LD-Verfahren ist eine der wenigen echten Linzer Weltneuheiten - und machte die Stadt zum weltweiten Referenzort der Stahltechnologie. Mehr im LD-Verfahren-Dossier.
1973: Fusion mit Alpine Montan zur VÖEST-Alpine
In den Nachkriegsjahrzehnten gab es zwei große österreichische Stahl-Verstaatlichten-Gruppen: die VÖEST Linz (Oberösterreich) und die Alpine Montan AG Donawitz (Steiermark). 1973 wurden beide Unternehmen zur VÖEST-Alpine AG fusioniert - einer der größten Industrie-Zusammenschlüsse der österreichischen Geschichte. Der Konzern war in den 1970er- und 1980er-Jahren der größte industrielle Arbeitgeber Österreichs mit bis zu 80.000 Mitarbeiter:innen. In den 1980er-Jahren geriet das Unternehmen jedoch in eine schwere Krise - veraltete Strukturen, internationale Wettbewerbsverluste, politische Einflussnahme. Die „VÖEST-Krise" 1985/86 wurde zu einem zentralen österreichischen Wirtschaftsereignis und führte zur Umstrukturierung des gesamten verstaatlichten Sektors.
1995-2003: Privatisierung und Börsengang
Die Privatisierung begann 1995 mit dem Teilverkauf von Staatsanteilen. Das Unternehmen wurde neu strukturiert, nichtzentrale Geschäftsbereiche verkauft, die Kernstahlproduktion fokussiert. 2003 erfolgte der vollständige Börsengang der voestalpine AG an der Wiener Börse - einer der erfolgreichsten Börsengänge der österreichischen Geschichte. Die neue Schreibweise „voestalpine" (ohne Bindestrich, klein geschrieben) wurde als modernes Corporate Design etabliert. 2007 erfolgte die Übernahme der BÖHLER-UDDEHOLM AG - eine der großen Akquisitionen, die voestalpine zum weltweit führenden Spezialstahl-Hersteller machte. Der Konzern gliederte sich in vier Divisionen: Steel Division, High Performance Metals, Metal Engineering, Metal Forming.
voestalpine heute: Konzern-Struktur und Zahlen
Die voestalpine AG ist heute ein börsennotierter Stahl- und Technologiekonzern mit Hauptsitz in Linz. Die wichtigsten Zahlen (Stand 2024/25):
- 49.700 Mitarbeiter:innen weltweit
- 15,7 Milliarden Euro Umsatz
- 1,3 Milliarden Euro EBITDA
- Über 500 Konzerngesellschaften in mehr als 50 Ländern
- Linzer Standort mit rund 11.000 Mitarbeiter:innen - größter Arbeitgeber der Stadt
- Steel Division mit rund 10.703 Vollzeit-Äquivalenten
Die Produktpalette reicht von klassischen Stahlblechen für Auto-, Haushaltsgeräte- und Bauindustrie über Schienen für Eisenbahnen, Drähte, Spezialstähle (Werkzeugstahl, Edelstahl), Bahnweichen bis zu High-Tech-Produkten wie Stähle für Windkraftanlagen und Luft- und Raumfahrt. Kunden sind die weltweit größten Automobilhersteller, Eisenbahn-Betriebe, Bau- und Maschinenbaukonzerne.
H2FUTURE und greentec steel: Die CO2-freie Stahlzukunft
voestalpine hat sich in den letzten Jahren als Pionier der grünen Stahlproduktion positioniert. 2019 eröffnete in Linz die H2FUTURE-Pilotanlage - damals die weltweit größte Pilotanlage für CO2-freie Stahlproduktion mit grünem Wasserstoff. Die Technologie ersetzt den klassischen Hochofen-Prozess (mit Koks als Reduktionsmittel) durch Wasserstoff-Reduktion von Eisenerz - das Nebenprodukt ist Wasser statt CO2. Das greentec-steel-Programm investiert 1,5 Milliarden Euro in elektrische Lichtbogenöfen, die ab 2027 die Stahlproduktion in Linz und Donawitz schrittweise dekarbonisieren sollen. Das Ziel: Reduktion der österreichischen CO2-Emissionen um rund 5 Prozent. Für Linz ist die grüne Stahltransformation ein Jahrhundert-Projekt - vergleichbar mit der LD-Verfahren-Einführung der 1950er. Mehr auf greentecsteel.
Was Sie über voestalpine wissen sollten
Das Werksgelände: Größe, Lage, Infrastruktur
Das voestalpine-Werksgelände in Linz erstreckt sich über rund 5 Quadratkilometer im Linzer Hafen- und Industriegebiet, zwischen Ebelsberg und St. Peter. Das Werk hat eigene Bahnstrecken, Hafenanlagen und Straßennetze. Die sichtbaren Landmarken aus der Linzer Innenstadt: hohe Schornsteine, Hochöfen, der Stahlwerks-Komplex. Bei klarer Sicht sind die voestalpine-Anlagen vom Pöstlingberg aus hervorragend zu sehen - mehr im Pöstlingbergbahn-Artikel. Das Werk produziert 24 Stunden, 7 Tage die Woche mit Schichtbetrieb - Linz ist eine der wenigen österreichischen Städte mit durchgehend erleuchteten Industrie-Anlagen.
Zeitgeschichte-Museum auf dem Werksgelände
Das Zeitgeschichte-Museum der voestalpine auf dem Werksgelände ist einer der wichtigsten österreichischen Erinnerungsorte zur NS-Industrie-Geschichte. Die Ausstellung „1938-1945 in der voestalpine" dokumentiert die Werksgründung, die Zwangsarbeit, die KZ-Außenlager und die Nachkriegs-Entnazifizierung. Führungen sind für Schulklassen, Gruppen und Einzelpersonen nach Anmeldung möglich. Das Museum ist Teil des unternehmenseigenen Engagements für historische Aufarbeitung und Erinnerungsarbeit.
voestalpine als Linzer Kulturfaktor
Über die reine Industrie hinaus ist voestalpine einer der wichtigsten Kultur-Sponsoren in Linz und Oberösterreich. Der Brucknerfest-Sponsor, Ars-Electronica-Partner, Kunstuniversitäts-Förderer. Die „voestalpine Stahlwelt" - das unternehmenseigene Besucher-Zentrum auf dem Werksgelände - zieht jährlich rund 80.000 Besucher:innen an und ist eines der besten Industrie-Museen Österreichs. Adresse: voestalpine-Straße 4, 4020 Linz. Dort gibt es Werksführungen durch das Stahlwerk mit Bus-Tour durch die Produktionsanlagen, Vorführung der LD-Konverter und Ausstellung der voestalpine-Produkte. Eintritt: Erwachsene 8,50 Euro, Familien 14 Euro, Kinder ab 6 Jahren 4,50 Euro (Stand April 2026).
voestalpine im Linzer Alltag
Die voestalpine prägt Linz als größter lokaler Arbeitgeber, als Wirtschaftsmotor der Region und als Identitätsmerkmal der Stadt. Linzer:innen sprechen oft einfach von „dem Werk" - gemeint ist immer die voestalpine. Die Schichtzeiten prägen den Verkehr zu bestimmten Zeiten (Pendler-Spitzen morgens und abends), die Werkskantine und die voestalpine-Werkswohnungen sind bis heute Teil des Linzer Stadtbilds. Trotz der Automatisierung der letzten Jahrzehnte bleibt Linz die „Stahlstadt" Österreichs - ein Status, der auch im internationalen Marketing von „Linz an der Donau" nachwirkt. Mehr zur Linzer Industriegeschichte im Alte-Linzer-Berufe-Artikel.