LINZ JOURNAL

Linz im Zweiten Weltkrieg: Bombardements, Opfer, Zerstörung

Erster Luftangriff am 25. Juli 1944 mit 420 US-Bombern und 176 Toten, insgesamt 22 Bombardements bis 25. April 1945, rund 20.000 Bomben abgeworfen, 1.679 Linzer Todesopfer, 602 Häuser komplett zerstört, zwei Drittel des Wohnraums beschädigt - der Luftkrieg über Linz und seine Folgen.

· 10 Min. Lesezeit · Von
Linz im Zweiten Weltkrieg: Bombardements, Opfer, Zerstörung

Linz im Bombenkrieg: 22 Luftangriffe zwischen 1944 und 1945

Linz war 1944/45 eines der am stärksten bombardierten österreichischen Industriezentren. Linz wurde im Winter 1944/45 als Zentrum der Rüstungsindustrie schwer angegriffen - mit 22 Luftangriffen vom 25. Juli 1944 bis 25. April 1945, rund 20.000 abgeworfenen Bomben und 1.679 Todesopfern. Der Grund für die Bedeutung der Stadt lag in Hitlers Planungen: Linz sollte als „Führerstadt" ausgebaut werden, was den Industrieaufbau und damit die spätere Bombardierung erst nach sich zog.

Der erste Luftangriff: 25. Juli 1944

Der erste Luftangriff auf Linz erfolgte am 25. Juli 1944 - mit 420 US-Bombern einer der schwersten Angriffe der gesamten Linzer Kriegs-Chronik. Hauptziele: die Rüstungsindustrie im Osten der Stadt, insbesondere die Reichswerke Hermann Göring (später VÖEST/voestalpine). Opfer-Zahlen: 176 Tote, fast 200 Verletzte. Vor diesem Datum galt Linz als „relativ sicher" vor alliierten Angriffen - weit entfernt von den Kernzielen in Deutschland und Italien. Mit der Eroberung Süditaliens durch die Alliierten kamen die US-Bomber-Basen in Foggia in Reichweite der österreichischen Industriezentren. Linz war ab Juli 1944 regelmäßig Ziel.

Die Hauptziele: Industrie, Bahnhöfe, Hafen

Die alliierten Luftangriffe auf Linz zielten strategisch auf:

  • Reichswerke Hermann Göring als Rüstungs-Großanlage (Stahl-Produktion für die Wehrmacht)
  • Linzer Hauptbahnhof als zentraler Eisenbahn-Knoten der Westbahn-Achse
  • Hafenanlagen als Donauumschlag-Punkt
  • Stickstoffwerke Ostmark, 1939 von der IG Farben gegründet - später Chemie Linz, heute Borealis
  • Militärische Einrichtungen der Wehrmacht

Die Angriffe trafen auch zivile Wohnviertel, die in der Nähe der Industrie- und Bahnanlagen lagen. Vor allem die Stadtteile Bindermichl-Keferfeld, Kleinmünchen-Auwiesen, Franckviertel erlitten schwere Schäden. Mehr zu diesen Stadtteilen im Stadtteile-Linz-Überblick.

Die Bilanz: Zerstörung und Opfer

Die Gesamt-Bilanz der Linzer Bombardierungen:

  • 22 Luftangriffe zwischen 25. Juli 1944 und 25. April 1945
  • Rund 20.000 Bomben abgeworfen; Schätzungen gehen von bis zu 700 Blindgängern aus, die bis heute im Linzer Boden liegen
  • 1.679 Todesopfer unter der Linzer Zivilbevölkerung
  • 602 Häuser komplett zerstört
  • 2.940 Wohnungen zerstört
  • Zwei Drittel des städtischen Wohnraums beschädigt oder zerstört

Die Linzer Bomben-Bilanz liegt damit deutlich über dem österreichischen Durchschnitt - vergleichbar mit Wien, das als Hauptstadt und Industriezentrum ähnlich schwer getroffen wurde. Linz zählte damit zu den am schwersten zerstörten Städten Österreichs.

Der letzte Luftangriff: 25. April 1945

Die letzten schweren Luftangriffe auf Linz erfolgten am 25. April 1945 - nur zehn Tage vor der US-Befreiung und zwei Wochen vor der offiziellen Kapitulation. Hauptziele: die Bahnhöfe in Linz und Wels. Dieser Angriff forderte mit 360 Toten die meisten Opfer aller Linzer Bombardierungen. Für die Linzer Zivilbevölkerung bedeutete der späte Angriff zusätzliche Todesopfer kurz vor Kriegsende. Mehr zur Befreiung am 5. Mai 1945 im Linz-nach-1945-Artikel.

Die Luftschutz-Anlagen

Für den Linzer Luftschutz wurden zahlreiche Bunker und Schutzräume angelegt. Die Befestigungsanlage Am Winterhafen wurde als Luftschutzanlage der Donauflottille in den Damm gebaut. Die großen Stollen entstanden im Freinberg und im Bauernberg - der Limonistollen ist bis heute begehbar. Bis Februar 1944 gab es 19 bombensichere Fels- und Sandstollen mit rund 14 Kilometern unterirdischer Gänge. Getrieben wurden sie ab 1942 von KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern in den Sandstein - der Schutz, den Tausende Linzerinnen und Linzer bei den Angriffen suchten, war unter Zwang und unter tödlichen Bedingungen gegraben worden.

Das Schicksal der Linzer Jüdinnen und Juden

Die Linzer jüdische Gemeinde zählte bis 1938 rund 800 Mitglieder, im März 1938 noch 671. Sie wurde ausgelöscht: Bereits 1938/39 wurden die Linzer Jüdinnen und Juden nach Wien vertrieben und die Kultusgemeinde aufgelöst; die Deportationen in die Ghettos und Vernichtungslager erfolgten anschließend von Wien aus. Die Linzer Synagoge in der Bethlehemstraße wurde in der Novemberpogromnacht 1938 zerstört. Nach Kriegsende kehrten nur wenige Linzer Jüdinnen und Juden zurück - die Gemeinde besteht heute in reduziertem Umfang weiter. Eine Gedenkstätte erinnert am ehemaligen Synagogen-Standort. Mehr zur Linzer Geschichte nach 1945 im Linz-nach-1945-Artikel.

Zwangsarbeit in den Linzer Industrieanlagen

Die Reichswerke Hermann Göring und andere Linzer Rüstungsbetriebe beschäftigten bis 1945 zehntausende Zwangsarbeiter - überwiegend aus den besetzten osteuropäischen Gebieten (Polen, Ukraine, Russland), dazu KZ-Häftlinge aus dem nahen KZ Mauthausen und seinen Außenlagern. In Linz selbst bestanden drei Außenlager des KZ Mauthausen: Linz I von Jänner 1943 bis August 1944 mit über 1.700 Häftlingen und über 120 Toten sowie Linz II und Linz III, letzteres von Mai 1944 bis Mai 1945 mit rund 6.800 Häftlingen und mindestens 700 Toten - beide auf dem Gelände der Reichswerke. Allein an den Hermann-Göring-Werken in Linz arbeiteten zwischen 1938 und 1945 rund 38.000 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter. Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen (rund 25 km östlich Linz) ist der zentrale Erinnerungsort - über den Donauradweg per Rad erreichbar, mehr im Radfahren-Linz-Guide.

Was Sie über Linz im Zweiten Weltkrieg wissen sollten

Kriegsspuren in der Linzer Bausubstanz heute

In der Linzer Innenstadt sind Kriegsspuren heute kaum mehr direkt sichtbar - die zerstörten Bereiche wurden in den 1950er und 1960er Jahren wieder aufgebaut, oft mit moderneren Fassaden und Strukturen. Wer genauer hinschaut, findet dennoch Spuren: Einschuss-Löcher an einzelnen historischen Fassaden, neuere Bauten zwischen historischen Häusern als Indiz für Bombenschäden, Gedenktafeln an einzelnen Orten. Die Linzer Altstadt rund um den Hauptplatz blieb vergleichsweise intakt - die Hauptangriffs-Ziele waren die Industriegebiete, nicht das historische Zentrum. Die Industriezeile und der östliche Hafen-Bereich wurden nach 1945 weitgehend neu errichtet.

Gedenkstätten und Erinnerungs-Orte in Linz

Die Linzer NS- und Kriegs-Erinnerungs-Landschaft umfasst mehrere Institutionen. KZ-Gedenkstätte Mauthausen (25 km östlich Linz) als zentraler Erinnerungsort. Mahnmal am ehemaligen jüdischen Bethaus am Bethlehemstraße-Standort. Stadtarchiv Linz mit umfassender Dokumentation der NS-Zeit 1938-1945 online auf stadtgeschichte.linz.at. Nordico Stadtmuseum mit wechselnden Ausstellungen zur NS-Zeit. Das Zeitgeschichte MUSEUM der voestalpine in der voestalpine-Straße 1, dessen Dauerausstellung seit 31. Oktober 2014 den NS-Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus rund 35 Ländern gewidmet ist. Mehr in unserem Galerien-Linz-Guide.

Die 80-Jahre-Gedenkfeier 2025

Im Mai 2025 beging Linz - wie ganz Österreich - das 80-Jahr-Jubiläum des Kriegsendes. Die Stadt Linz organisierte zu diesem Anlass Veranstaltungen, Ausstellungen und Gedenkfeiern zur Aufarbeitung der NS-Zeit und der Nachkriegsjahre. Mehr auf linz.at/medienservice. Die Jubiläums-Arbeit hat zu neuen wissenschaftlichen Publikationen und Ausstellungen geführt, die die Linzer Kriegs- und NS-Geschichte weiter erschließen - auch in den kommenden Jahren werden diese Themen Teil des Linzer Kulturkalenders bleiben.

Wissenschaftliche Quellen

Wer die Linzer Kriegs- und NS-Geschichte wissenschaftlich vertiefen möchte, findet zentrale Quellen. Stadtarchiv Linz mit Online-Zeittafel und Archiv-Recherche-Möglichkeiten. Oberösterreichisches Landesarchiv mit umfassenden Beständen. Institut für Zeitgeschichte der JKU als akademische Forschungs-Institution. Forum OÖ Geschichte (ooegeschichte.at) als Online-Portal zur oberösterreichischen Geschichte. OÖ Landesbibliothek am Schillerplatz 2 mit umfassender Literatur - mehr im Bibliotheken-Linz-Guide. Für Linzer Geschichts-Interessierte ein gut erschlossenes Quellenfeld, das eine fundierte Auseinandersetzung ermöglicht.

Mehr aus Geschichte
Die Habsburger in Linz: 460 Jahre Dynastie-Geschichte
Geschichte · · 10 Min.

Von 1458, als Linz mit Erzherzog Albrecht VI. erstmals Sitz eines eigenen Landesfürsten wurde, bis 1918: der Aufstieg zur Kaiserresidenz unter Friedrich III., die Landstände-Politik, die Rekatholisierung und der Bauernkrieg 1626, die 1723 fertiggestellte Dreifaltigkeitssäule, die Reformen Josephs II., die Industrialisierung unter Franz Joseph - wie die Habsburger-Jahrhunderte die Linzer Stadt-Identität formten.