LINZ JOURNAL

Das Linzer Schloss: Von der mittelalterlichen Festung zum Schlossmuseum

Das Linzer Schloss wurde 799 erstmals urkundlich erwähnt, 1477 unter Friedrich III. von der Festung zum Schloss umgebaut (Residenz 1489-1493), durch den Stadtbrand 1800 schwer beschädigt, seit 1966 als Schlossmuseum genutzt, 2009 mit einem modernen Stahl-Glas-Südtrakt erweitert - ein Hauptwerk des österreichischen Manierismus.

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Das Linzer Schloss: Von der mittelalterlichen Festung zum Schlossmuseum

Das Linzer Schloss: 1200 Jahre Geschichte

Ein Bauwerk, an dem sich 1.200 Jahre Stadtgeschichte ablesen lassen: 799 erstmals urkundlich erwähnt, 1477 von Friedrich III. zur Kaiserresidenz ausgebaut, um 1600 unter Rudolf II. neu errichtet, 1800 vom Stadtbrand verwüstet, danach Strafhaus und Kaserne. Erst 1966 wurde daraus vollständig ein Museum - und der 1800 zerstörte Südflügel blieb zwei Jahrhunderte lang Ruine, bis er 2009 als Stahl-Glas-Bau zurückkehrte.

Erste urkundliche Erwähnung: 799

Das Linzer Schloss wurde 799 erstmals urkundlich erwähnt - im gleichen Dokument, das auch die Martinskirche und das „castrum" beim locus Linze nennt (mehr im Geschichts-Überblick). Das ursprüngliche Schloss war eine frühmittelalterliche Wehranlage auf dem Schlossberg - strategisch günstig gelegen über der Donau, auf einem Felsvorsprung mit natürlichen Verteidigungs-Vorteilen. Im Mittelalter entwickelte sich das Schloss zur landesfürstlichen Burg - Sitz der Habsburger-Verwalter für das Land ob der Enns (heutiges Oberösterreich). Die Bausubstanz wurde über die Jahrhunderte immer wieder erweitert und umgebaut.

Friedrich III. und der Umbau 1477

Der entscheidende Umbau erfolgte unter Kaiser Friedrich III.. 1477 wurde das Schloss von einer Festung zu einem Residenzschloss umgestaltet - mit repräsentativen Wohntrakten, Empfangsräumen und einer aufwendigeren Architektur. Von 1489 bis zu Friedrichs Tod 1493 diente das Schloss als Kaiser-Residenz - damit war es für diese vier Jahre eines der zentralsten Bauwerke des Heiligen Römischen Reichs. Aus dieser Periode ist das Friedrichstor erhalten - das Hauptportal trägt das AEIOU-Wahrzeichen Friedrichs (mehr zu AEIOU im Friedrich-III.-Artikel). Das Friedrichstor ist eines der wenigen erhaltenen Elemente aus der Zeit des Kaisers.

Manierismus und Renaissance: 16.-17. Jahrhundert

Die heutige Gestalt geht auf den Neubau unter Kaiser Rudolf II. zurück, begonnen 1599/1604 nach Plänen des Flamen Anton de Moys und im Kern 1614 fertig; aus dieser Zeit stammt auch das Rudolfstor von 1604. Damals erhielt das Schloss seine manieristische Formensprache - eine Sonderform der späten Renaissance mit ausgeprägter Formenvielfalt. Die Vier-stöckige-Festungsstruktur mit zwei Innenhöfen entstand in dieser Zeit. Das Schloss gilt heute als Hauptwerk des österreichischen Manierismus - vergleichbar mit dem Schloss Ambras in Tirol oder dem Linzer Landhaus (mehr im Landhaus-Renaissance-Artikel). Die manieristische Raumgestaltung des Schlosses ist allerdings heute nur noch teilweise erhalten - der Stadtbrand 1800 zerstörte wichtige Bereiche.

Der Stadtbrand 1800: Zerstörung des Südtrakts

Am Abend des 15. August 1800 brach im Linzer Schloss ein Feuer aus - das Feuer ging vom Lazarett aus, das damals im Schloss untergebracht war. Das Feuer breitete sich schnell aus und zerstörte nicht nur Teile des Schlosses, sondern verursachte auch einen schweren Stadtbrand, der mehrere Linzer Innenstadt-Quartiere in Mitleidenschaft zog. Im Schloss fielen der Südflügel und die Gangolfkapelle den Flammen zum Opfer, dazu Teile des Querbaus, wie die Denkmaldatenbank der Stadt Linz festhält. Die Reste wurden teilweise abgerissen - das Schloss verlor seine monumentale Geschlossenheit und stand bis ins späte 20. Jahrhundert als Fragment da. Der Brand 1800 markiert einen scharfen Schnitt in der Linzer Schloss-Geschichte: von der Residenz-Architektur zu einem halben Ruinen-Zustand.

19. Jahrhundert: Nutzung als Verwaltungsgebäude

Im 19. Jahrhundert wurde das Schloss nur teilweise wiederaufgebaut und zunächst als Provinzialstrafhaus genutzt, ab 1811 mit Häftlingen in der Textilproduktion; 1851 wurde es in das Stift Garsten verlegt, danach diente das Schloss als Kaserne, zeitweise als Spital und nach dem Zweiten Weltkrieg als Flüchtlingslager. Die Bausubstanz verfiel teilweise, Renovierungen erfolgten punktuell. Das Schloss war im 19. und frühen 20. Jahrhundert keine prominente Linzer Sehenswürdigkeit - die Wiederentdeckung als kulturelle Adresse erfolgte erst in der Nachkriegszeit.

Schlossmuseum seit 1966

Die Grundlage reicht weiter zurück: 1833 gründete sich der Verein zur Errichtung eines vaterländischen Museums für Österreich ob der Enns und Salzburg. 1959 wurde das Schloss zur ausschließlichen Nutzung durch das Oberösterreichische Landesmuseum bestimmt, 1963 folgte die Teileröffnung, 1966 die Gesamteröffnung - zunächst mit historischen und volkskundlichen Sammlungen, wie die OÖ Landes-Kultur GmbH ihre Geschichte darstellt. Heute ist das Schlossmuseum Linz das größte Universalmuseum Österreichs mit über 10.000 m² Ausstellungsfläche. Schwerpunkte: Geschichte, Natur, Kultur, Kunst und Technik Oberösterreichs - von archäologischen römischen Funden (mehr zu Lentia im Geschichts-Überblick) über mittelalterliche Sakralkunst bis zu Stahlstadt-Industriegeschichte und zeitgenössischer Kunst. Mehr im Galerien-Linz-Guide.

Der neue Südtrakt 2009: Stahl-Glas-Architektur

Der wichtigste jüngere Eingriff: der Wiederaufbau des Südtrakts 2009. 2006 wurde ein Architektur-Wettbewerb ausgeschrieben - aus 109 eingereichten Projekten gewann der Entwurf des Grazer Architekturbüros HoG architektur (Martin Emmerer, Clemens Luser, Hansjörg Luser). Der neue Südtrakt wurde Juli 2009 eröffnet - zeitlich passend zum Linz-Kulturhauptstadt-Europas-Jahr. Der Südtrakt ist in moderner Stahl-Glas-Architektur ausgeführt - ein bewusster Kontrast zum historischen Bestand. Die klare Formensprache akzentuiert die historische Schloss-Architektur, statt sie zu imitieren. Für manche Besucher:innen ist der neue Südtrakt eine gelungene Moderne-Setzung, für andere ein Bruch mit der historischen Geschlossenheit - die Diskussion über die Angemessenheit der Lösung hält an. Im neuen Südtrakt sind heute die technisch-historischen und naturwissenschaftlichen Sammlungen des Schlossmuseums untergebracht.

Schloss-Funktionen heute

Das Linzer Schloss erfüllt heute mehrere Funktionen:

  • Schlossmuseum als Hauptteil (10.000 m² Ausstellungsfläche, größtes österreichisches Universalmuseum)
  • Aussichtsplattform auf der Schlossberg-Terrasse mit Blick über Donau und Altstadt
  • Schloss-Café im Innenhof-Bereich
  • Veranstaltungsräume für Konferenzen, Präsentationen, Hochzeiten
  • Gelegentliche Konzerte und kulturelle Sonderveranstaltungen

Für Linz-Besucher:innen ist das Schloss eine der zentralen Sehenswürdigkeiten - mit der Linz-Card (18 Euro Tageskarte) ist der Schlossmuseum-Eintritt inkludiert. Mehr in unserem Gratis-Linz-Guide.

Was Sie über das Linzer Schloss wissen sollten

Schloss-Besuch und Führungen

Ein Linzer Schloss-Besuch sollte 3-5 Stunden einplanen für eine komplette Besichtigung. Das Schlossmuseum ist in mehrere Themen-Bereiche gegliedert: Archäologie, Mittelalter, Renaissance, Industrialisierung, Natur, zeitgenössische Kunst. Für Interessierte an Details sind die geführten Themen-Touren empfehlenswert - über die Website ooemuseen.at buchbar. Öffnungszeiten Di-So 10-18 Uhr, Montag geschlossen. An LINZ-AG-Sonntagen 1+1 gratis bei Öffi-Anreise. Mehr im Sonntag-Linz-Guide.

Schloss-Aussicht und Spaziergang

Unabhängig vom Museumsbesuch ist das Schloss-Plateau frei zugänglich - mit Aussicht über Donau, Nibelungenbrücke, Urfahr und den Pöstlingberg im Hintergrund. Der Aufstieg zum Schloss erfolgt über die Tummelplatztreppe vom Hauptplatz aus (5-10 Minuten Fußweg) oder über die Schlossbergauffahrt von der Hofgasse. Die Aussichtsterrasse ist ein klassischer Linzer Fotopunkt und lohnender Spaziergang, auch ohne Museumsbesuch. Mehr im Romantisches-Linz-Guide (Schlossberg als Sonnenuntergangs-Punkt).

Schloss und Linzer Stadt-Identität

Das Linzer Schloss ist eines der zentralen Wahrzeichen der Stadt - neben Mariendom, Ars Electronica Center und Pöstlingberg. Seine Silhouette auf dem Schlossberg ist auf zahlreichen Stadtbildern und Tourismus-Materialien präsent. Der moderne Südtrakt-Einschnitt hat das Erscheinungsbild verändert - für manche Linzer:innen vertrauter, für andere irritierend. In der Linzer Stadt-Identität bleibt das Schloss ein Fixpunkt: historischer Anker, kultureller Standort, Ausflugsziel und Aussichtsterrasse in einem. Mehr im Stadtbefestigungs-Artikel zur ehemaligen Rolle im Linzer Befestigungs-System.

Anreise zum Linzer Schloss

Anreise-Optionen zum Linzer Schloss. Zu Fuß vom Hauptplatz: über die Tummelplatztreppe in 5-10 Minuten. Per Öffi: Linien 1, 2, 3, 4 bis Hauptplatz, dann Fußweg. Mit dem Auto: Parkhaus Hauptplatz (mehr im Parken-Linz-Guide), dann Fußweg. Das Schloss ist barrierefrei zugänglich über einen Aufzug vom Tummelplatz (Details bei den Museum-Information-Schaltern). Für Rollstuhlfahrer:innen und Familien mit Kinderwagen eine der besser zugänglichen Linzer Sehenswürdigkeiten. Mehr Informationen auf der offiziellen Museumsseite.

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