LINZ JOURNAL

Der Südbahnhofmarkt in Linz

28 Kojen, rund 45 Betriebe, dreimal pro Woche zusätzlich Bauernmarkt im Freigelände: Der größte Grünmarkt Oberösterreichs steht seit 1949 auf dem Gelände des alten Südbahnhofs. Markttage, Geschichte, Anfahrt - und was ein Standplatz kostet.

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Der Südbahnhofmarkt in Linz

28 Kojen, rund 45 Betriebe, sechs Tage die Woche

Der Südbahnhofmarkt liegt am Marktplatz 1 an der Khevenhüllerstraße in der Inneren Stadt und ist der größte Grünmarkt Oberösterreichs. Die Struktur ist seit über 75 Jahren dieselbe: 28 fixe Marktkioske, im Linzer Sprachgebrauch Kojen, in denen jeweils bis zu vier Geschäfte Platz finden. Derzeit teilen sich rund 45 Betriebe diese Flächen auf.

Für Besucherinnen und Besucher sind zwei Zeitschienen wichtig. Die Kojen haben von Montag bis Samstag geöffnet, jede mit eigenen Zeiten. Das Freigelände läuft nur an drei Tagen: Dienstag, Freitag und Samstag von 8 bis 12 Uhr. Genau dann findet auch der große Bauernmarkt statt, bei dem regionale Produzenten und Händler zusätzlich aufbauen. Wer das volle Bild sehen will, muss an einem dieser drei Vormittage kommen - an einem Mittwochnachmittag ist der Markt ein anderer Ort.

Vom Hessenplatz auf das Bahnhofsgelände

Der Name führt in die Verkehrsgeschichte: Das Gelände gehörte zum Südbahnhof, dem Linzer Endpunkt der Pferdeeisenbahn, der zwischen 1859 und 1872 in Betrieb stand. Der Markt selbst stand ursprünglich am Hessenplatz und wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.

Der Neubau war eine Nachkriegsleistung mit Tempo: In nur zehn Monaten Bauzeit entstanden 1949 die 28 festen Marktkioske, eröffnet wurde am 14. Dezember 1949. Die neuen Bauten ersetzten hölzerne Buden und Standln, die den steigenden Anforderungen an Kühlung und Hygiene nicht mehr genügten - der Markt wurde damit vom Provisorium zur festen Infrastruktur. Die charakteristische Anlage hat sich bis heute erhalten und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. 2024 feierte der Markt sein 75-jähriges Bestehen.

Zwei Umbauten in 35 Jahren

Modernisiert wurde zweimal grundlegend. Unter dem Titel „Südbahnhofmarkt Neu" wurde die Anlage Anfang der 1990er-Jahre erneuert und um eine Parkgarage ergänzt; die Wiedereröffnung fand am 30. September 1991 statt.

Die zweite Runde begann im Herbst 2020 und lief in Etappen bis 2022. Rund 2,5 Millionen Euro flossen in die Sanierung, mit dem erklärten Ziel, die Rolle des Marktes in der Nahversorgung zu sichern. Diese Investition ist der Grund, warum der Markt heute nicht wie ein Denkmal wirkt, sondern wie ein Betrieb - trotz der 75 Jahre alten Bausubstanz.

Mittagessen, Feierabendbier, Nachbarschaft

Was den Südbahnhofmarkt von einem reinen Einkaufsort unterscheidet, sind die Betriebe, die sich zwischen die Lebensmittelhändler geschoben haben. Zu den Standln kamen im Lauf der Jahre Imbisse und kleine Gaststätten, die vor allem mittags stark frequentiert sind - von Beschäftigten aus der Umgebung ebenso wie von Marktkundschaft. Am späteren Nachmittag verschiebt sich das Publikum noch einmal: Dann wird der Markt zum Treffpunkt.

Diese Mischung ist auch der Grund für den Generationenwechsel, der seit einigen Jahren läuft. Langjährige Standlerinnen und Standler geben ab, jüngere Betreiber kommen mit neuen Konzepten und anderen Öffnungszeiten nach. Neben Lebensmitteln und Spezialitäten gibt es inzwischen ein breites Dienstleistungsangebot in den Kojen. Wer wissen will, wer gerade wo steht, findet die aktuelle Betriebsliste bei der Stadt Linz - das ändert sich schneller als jede gedruckte Übersicht.

Was ein Standplatz kostet

Ein Blick auf die Zahlen hinter dem Markt: Als die Stadt Anfang 2025 eine freie Fläche ausschrieb, ging es um eine halbe Koje mit 38 Quadratmetern zu 19,10 Euro netto pro Quadratmeter und Monat - also rund 725 Euro netto monatlich für einen zentral gelegenen Verkaufsraum mit hoher Frequenz. Bemerkenswert war die Begleitinformation der Stadt Linz: Es war die einzige freie Koje, alle übrigen der 28 Bauten waren zu diesem Zeitpunkt an 44 Mieterinnen und Mieter vergeben.

Die Stadt vergibt solche Flächen nicht allein nach Angebot, sondern nach Sortiment - gesucht wird jeweils, was den bestehenden Branchenmix ergänzt. Für das Freigelände gilt eine eigene Marktgebührenverordnung, deren aktuelle Fassung seit 21. März 2026 in Kraft ist. Anfragen laufen über das Marktmanagement des Magistrats ([email protected]).

Diese Zahlen erklären, warum der Markt trotz Supermarktdichte im Umfeld funktioniert. Ein Standplatz kostet deutlich weniger als eine vergleichbare Geschäftsfläche an der Landstraße, bringt aber eine Frequenz mit, die keine Nebenlage bietet. Für kleine Betriebe - Direktvermarkter, Spezialitätenhändler, Imbisse - ist das eine der wenigen leistbaren Möglichkeiten, in der Innenstadt sichtbar zu sein. Die Stadt begleitet das mit eigenen Aktionen wie dem Marktfrühling und investiert in Aufenthaltsqualität, etwa in zusätzliche Sitzgelegenheiten für Familien.

Samstagvormittag: Radio und der „Südi"

Zwei Eigenheiten kennt man in Linz, außerhalb aber kaum. Die erste: Jeden Samstag von 10 bis 12 Uhr sendet ORF Radio Oberösterreich die Sendung „Arcimboldo" live vom Südbahnhofmarkt. Wer samstags einkauft, geht also an einer laufenden Radioproduktion vorbei.

Die zweite: Seit 2011 gibt es mit dem „Südi" eine eigene Geschenkmünze, die in den Betrieben des Marktes eingelöst werden kann. Der Spitzname hat sich verselbstständigt - inzwischen heißt der ganze Markt im Alltag so.

Die anderen Märkte der Stadt

Der Südbahnhofmarkt ist der größte, aber nicht der einzige. Drei weitere Adressen lohnen sich, je nach Wohnlage sogar mehr:

  • Markt Bindermichl, Teuflstraße 4: Dienstag, Freitag und Samstag von 6:30 bis 12 Uhr, mit regionalem Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, Milchprodukten, Brot, Käse, Wein und Säften sowie kleineren Produzenten mit hausgemachten Spezialitäten
  • Grünmarkt Urfahr an der Mühlkreisbahnstraße im Zentrum von Alt-Urfahr-West: fixe Stände die ganze Woche, Freigelände nur Freitag und Samstag von 6 bis 12 Uhr. Seit Mai 2021 steht dort zusätzlich ein Glashaus mit Bio-Produkten von Bio-Austria-Betrieben
  • Stadtmarkt am Hauptplatz: zweimal pro Woche, mit 40 bis 50 Bäuerinnen und Bauern aus der Region - der sichtbarste, weil er auf dem zentralen Platz der Stadt stattfindet

Der Unterschied liegt weniger im Sortiment als in der Struktur. Bindermichl und Urfahr sind Nahversorgungsmärkte für das jeweilige Grätzl, der Stadtmarkt am Hauptplatz ist ein reiner Bauernmarkt ohne feste Bauten. Nur der Südbahnhofmarkt verbindet beides: fixe Geschäfte mit Wochenöffnung und ein Freigelände, das dreimal pro Woche dazukommt. Deshalb funktioniert er auch am Montag, wenn anderswo nichts los ist.

Dazu kommt der Urfahranermarkt, der aber in einer anderen Kategorie spielt: Er findet zweimal jährlich statt und ist Volksfest samt Vergnügungspark, kein Einkaufsmarkt. Wer Lebensmittel sucht, ist dort falsch.

Anreise und Parken

Öffentlich erreichen Sie den Markt über die Haltestellen Gruberstraße und Europaplatz, die von zahlreichen Linien der Linz AG angefahren werden, darunter die Linien 12, 17, 19, 25 und 45. Vom Hauptbahnhof sind es wenige Minuten.

Mit dem Auto ist die Sache ungewöhnlich komfortabel: Direkt am Markt liegt die Tiefgarage Südbahnhofmarkt mit 575 Stellplätzen, rund um die Uhr geöffnet, Einfahrt über die Khevenhüllerstraße. Dazu kommt eine Regel, die den Markt gegenüber Supermärkten konkurrenzfähig hält: An regulären Tagen dürfen Sie 30 Minuten gratis direkt am Marktplatz parken. Für längere Einkäufe lohnt der Blick in die Übersicht zum Parken in Linz.

Was wann Saison hat

Der Unterschied zwischen Markt und Supermarkt zeigt sich am Kalender. Beim Bauernmarkt bekommen Sie das, was gerade reif ist, und zwar aus einem Umkreis, der sich in Kilometern messen lässt:

  • April bis Juni: Spargel, Rhabarber, erster Blattsalat, ab Mai Erdbeeren
  • Juni bis August: Kirschen, Ribisel, Marillen, Zucchini, Paradeiser, Fisolen
  • September bis November: Äpfel und Birnen aus dem Mostviertel, Zwetschken, Kürbis, Kraut, Kastanien
  • Dezember bis März: Lagerware - Wurzelgemüse, Erdäpfel, Kraut, dazu Eingelegtes, Fleisch, Käse und Brot aus den fixen Kojen

Im Winter schrumpft das Freigelände spürbar, die Kojen laufen aber weiter. Wer regionale Küche über das Jahr plant, findet die passenden Produzenten und Direktvermarkter auch im Beitrag zur Mostviertler Küche in Linz.

Wann Sie kommen sollten

Die dichteste Zeit ist der Samstagvormittag - volles Freigelände, volle Kojen, volle Gänge. Wer in Ruhe einkaufen will, kommt am Dienstag oder Freitag zwischen 8 und 10 Uhr: Dann ist die Auswahl beim Bauernmarkt komplett und der Andrang überschaubar. Für ein Mittagessen zwischen den Kojen ist jeder Werktag geeignet, für den ersten Besuch überhaupt sollten Sie einen der drei Freigelände-Tage wählen.

Für den Einkauf selbst zahlt sich eine eigene Tasche aus, ebenso Bargeld: Nicht jeder Standplatz im Freigelände nimmt Karte, und an den Bauernmarkttagen geht es an den gefragten Ständen zügig zu. Wer größere Mengen einkauft - Kartoffeln, Kraut, Äpfel im Herbst -, parkt besser gleich in der Tiefgarage, statt die 30 Gratisminuten am Marktplatz auszureizen.

Ein praktischer Hinweis: Frische Ware ist am Vormittag am besten sortiert, und viele Betriebe schließen das Freigelände pünktlich um 12 Uhr. Wer erst um Viertel vor zwölf kommt, kauft ein, was übrig ist. Was Linz sonst an regionalen Produkten und Direktvermarktern bietet, steht im Beitrag zu regionalen Produkten in Linz; Adressen für einen Marktbesuch mit anschließendem Frühstück im Frühstücks-Überblick. Alle Angaben: Stand August 2026.

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