Wohnprojekt Am Teich: Linz gibt grünes Licht
Der Gestaltungsbeirat der Stadt Linz hat dem umstrittenen Wohnbauprojekt in der Straße "Am Teich" am Urfahraner Auberg zugestimmt. Trotz Anrainerprotesten und 330 Unterschriften gegen das Vorhaben kann nun der Bau eines dreigeschossigen Wohnblocks beginnen.
Am Montag, dem 21. September 2026, tagte der Gestaltungsbeirat der Stadt Linz - und erteilte dem seit Monaten umstrittenen Wohnbauprojekt in der Straße Am Teich am Urfahraner Auberg das ersehnte grüne Licht. Das Investorenprojekt kann damit in die Bauphase eintreten. Der Weg dahin war alles andere als reibungslos: Anrainerinitiativen, politische Debatten und eine Bebauungsplanänderung haben das Vorhaben seit Anfang 2026 begleitet.
Konkret soll auf einem rund 1.205 Quadratmeter großen Grundstück, auf dem sich derzeit Garagen befinden, ein dreigeschossiger Wohnblock mit Tiefgarage errichtet werden. Das Grundstück befindet sich am Ende der Prandtauerstraße im Stadtteil Urfahr. Bemerkenswert: In ursprünglichen Planungen des Investors waren sogar fünf Geschosse vorgesehen, was nach starkem Widerstand auf drei reduziert wurde.
Was der Gestaltungsbeirat entschieden hat
Der Gestaltungsbeirat der Stadt Linz befasste sich in seiner September-Sitzung mit mehreren Bauprojekten gleichzeitig. Während ein anderes Vorhaben - jenes der OÖ Versicherung in der Gruberstraße - wegen einer laufenden Denkmalschutzprüfung durch das Bundesdenkmalamt auf Eis gelegt wurde, erhielt das Projekt auf dem Auberg die Zustimmung des Expertengremiums.
Mit dem positiven Votum des Gestaltungsbeirats ist nun der Weg für die Baubewilligung frei. Der Investor kann die Einreichunterlagen vorbereiten und den formalen Baubewilligungsprozess anstoßen. Für die Anrainer, die monatelang gegen das Projekt gekämpft haben, bedeutet die Entscheidung eine herbe Niederlage.
Bebauungsplanänderung im Gemeinderat beschlossen
Einen entscheidenden Schritt hatte das Projekt bereits im April 2026 genommen: Am 23. April 2026 stand die Änderung des Bebauungsplans "Am Teich - Nißlstraße" auf der Tagesordnung des Linzer Gemeinderats. Mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP wurde die notwendige Umwidmung beschlossen - gegen den Widerstand von LinzPlus und Teilen der Opposition.
Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) verteidigte das Vorhaben als "maßvolle Nachverdichtung" auf bereits versiegelten Flächen: Die Fläche sei bereits versiegelt, es würden also keine neuen Flächen verbraucht. Kritiker sahen das fundamental anders.
Anrainer kämpften monatelang gegen das Projekt
Dass das Projekt überhaupt in die öffentliche Debatte gelangte, verdankt sich einem Zufallsfund: Die direkt betroffenen Anrainerinnen und Anrainer erfuhren im November 2025 nicht offiziell von der Stadt Linz von dem Bauansuchen - sie fanden es zufällig heraus. Familie Hirnschrodt etwa berichtete, dadurch nicht die Möglichkeit gehabt zu haben, rechtzeitig Einwände zur Bebauungsplanänderung zu erheben.
Anwohnerin Andrea Schrenk startete daraufhin eine Petition und sammelte binnen drei Tagen 200 Unterschriften - auf Papier, nicht online. Insgesamt wuchs der Widerstand auf 330 Unterschriften an. Nachbar Klaus Schmitt begründete die Petition damit, dass das Viertel mehr Grünflächen, Entsiegelung und Kühlung brauche, nicht weitere Verdichtung. Darüber hinaus warnten Anrainer, dass für das Bauprojekt auch mehrere alte Bäume gefällt werden müssten.
Die Beschwerden der Anrainer richteten sich nicht nur gegen das Bauvorhaben selbst, sondern auch gegen das Verfahren: Die Bewohner fühlten sich übergangen, das Projekt sei auf Wunsch eines einzigen Investors betrieben worden, ohne das öffentliche Interesse ausreichend zu berücksichtigen.
Politischer Streit um Transparenz und Stadtplanung
Lorenz Potocnik, Fraktionsobmann von LinzPlus und Stadtentwickler, übte scharfe Kritik am Vorgehen. Er bemängelte, dass die Bebauungsplanänderung nicht im öffentlichen Interesse, sondern nur für ein einziges Investorenprojekt betrieben werde. Auf dem schmalen Grundstück, wo Entsiegelung und Erweiterung von Grünflächen angebracht wären, solle stattdessen ein dreigeschossiges Gebäude entstehen.
Die ÖVP hatte im Vorfeld zwar gefordert, den Gestaltungsbeirat in das Verfahren einzubeziehen und für Transparenz zu sorgen. Für Potocnik war das aber "eine rein symbolische Maßnahme": Es gehe nicht um Fassadendetails, sondern um die grundsätzliche Frage, ob und wie dicht an diesem Ort überhaupt gebaut werden dürfe. Dennoch stimmte die ÖVP der Bebauungsplanänderung zu - gemeinsam mit der SPÖ bildeten die beiden Parteien die Mehrheit im Gemeinderat.
Das Projekt steht exemplarisch für eine breitere Debatte in Linz: Während die Stadtpolitik auf innerstädtisches Wachstum statt Zersiedelung setzt, warnen Kritikerinnen und Kritiker vor zunehmendem Bodenverbrauch, dem Verlust von Grünflächen und einer Stadtentwicklung, die primär Investoreninteressen diene.
Historischer Hintergrund: Der verschwundene Teich
Die Straße Am Teich ist rund 240 Meter lang und erhielt ihren Namen im Jahr 1941 - und das aus gutem Grund: An dieser Stelle am Auberg lagen tatsächlich mehrere Teiche. Bis nach dem Ersten Weltkrieg befand sich dort eine Ziegelei, deren intensiver Lehmabbau einen bis zu 12 Meter hohen, steilen Abhang und tiefe Gruben hinterließ. Diese füllten sich mit Wasser und bildeten die namensgebenden Fischteiche - die bis auf ein kleines Biotop längst verschwunden sind.
Kritiker des Bauprojekts hatten genau darauf hingewiesen: Statt das Grundstück weiter zu verbauen, wäre eine Entsiegelung und Renaturierung möglich gewesen - die historische Teichlandschaft hätte zurückkehren können. Solche Projekte fehlen in Linz bislang vollständig, obwohl Entsiegelung in anderen österreichischen Städten bereits umgesetzt wird.
Nachverdichtung als stadtplanerische Herausforderung
Das Projekt Am Teich ist nicht das erste Mal, dass am Urfahraner Auberg Widerstand gegen Verdichtungsvorhaben aufgekeimt ist. Bereits in der Aubergstraße hatten Anrainerinnen und Anrainer gegen Neubauprojekte protestiert, die sie als überdimensioniert und dem gewachsenen Ortsbild nicht angemessen empfanden. Der Auberg gilt als begehrte Wohnlage in Linz-Urfahr - mit entsprechendem Druck durch Investoren.
Die Frage, wie stark verdichtet werden darf und soll, wird in Linz zunehmend kontrovers diskutiert. Einerseits braucht die wachsende Stadt mehr Wohnraum innerhalb bestehender Siedlungsgrenzen. Andererseits führt die Nachverdichtung in etablierten Wohngebieten regelmäßig zu Konflikten zwischen Investoreninteressen und dem Schutz gewachsener Strukturen. Mit dem grünen Licht des Gestaltungsbeirats ist das Projekt Am Teich nun einen entscheidenden Schritt weiter - auch wenn der Unmut vieler Anrainerinnen und Anrainer damit nicht verstummen dürfte.
Stand: 22. September 2026