Edison-Preis 2026: Zwei Linzer Startups ausgezeichnet
Beim Edison-Preis 2026 in Linz wurden zwei Linzer Startups ausgezeichnet: Flatwise erhielt den HighTech-Preis für eine KI-Plattform zur Immobilienverwaltung, Diamens den ChangeMaker-Preis für einen nicht-invasiven Endometriose-Test.
Zwei Startups aus Linz haben beim renommierten Innovationswettbewerb Edison 2026 die Jury überzeugt: Das KI-Startup Flatwise gewann in der Kategorie HighTech, das FemTech-Unternehmen Diamens erhielt den Sonderpreis Edison ChangeMaker. Die Verleihung fand am 17. September 2026 im Power Tower der Energie AG in Linz statt - einem der sichtbarsten Abende der oberösterreichischen Startup-Szene.
Insgesamt vergab der Linzer Startup-Inkubator tech2b bei der diesjährigen Preisverleihung Preisgelder und Leistungen im Wert von rund 50.000 Euro an Gründungsprojekte aus den Bereichen MedTech, GreenTech, HighTech und Social Innovation. Neben Preisgeld profitieren die Gewinner auch von zusätzlicher Sichtbarkeit, wertvollen Kontakten und gezielter Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Ideen.
Flatwise: KI macht Schluss mit der Zettelwirtschaft
Flatwise entwickelt eine vollständig KI-native Plattform für die Verwaltung von Immobilien. Die Lösung automatisiert zentrale Prozesse wie Dokumentenmanagement, Fristenkontrolle, Finanzverwaltung und die Kommunikation mit Mietern - und unterstützt Vermieter dabei, ihre Objekte eigenständig und kosteneffizient zu verwalten.
Hinter Flatwise stehen die drei Linzer Gründer Johannes Reichl, Edwin Schneider und Marc Lindorfer. Das Besondere: KI ist bei Flatwise nicht nur ein nachträgliches Add-on, sondern bildet den Kern der gesamten Plattform. KI-Agenten sollen wiederkehrende Aufgaben wie Mietanpassungen, Betriebskostenabrechnungen und die Aufbereitung von Steuerunterlagen eigenständig bearbeiten.
Noch vor dem offiziellen Marktstart hatten Vermieter mit insgesamt mehr als 3.000 Wohnungen in Österreich die Plattform bereits in der Pilotphase genutzt. Das Gründerteam wird zudem im Inkubatorprogramm von tech2b durch ein Advisory Board aus Immobilienexperten und erfahrenen Unternehmern begleitet. Für den Sieg in der Kategorie HighTech erhielt Flatwise 5.000 Euro Preisgeld.
Diamens: Endometriose-Diagnose ohne Operation
Den Edison ChangeMaker 2026 holte sich das Linzer FemTech-Startup Diamens - und das zu Recht: Das Unternehmen entwickelt einen nicht-invasiven Test zur frühzeitigen Erkennung von Endometriose auf Basis von Menstruationsblut. Die Lösung soll eine einfachere Diagnose ermöglichen und dazu beitragen, die oft jahrelange Zeit bis zur Feststellung der Erkrankung deutlich zu verkürzen.
Endometriose betrifft weltweit rund 190 Millionen Frauen, also etwa jede zehnte. Im Schnitt dauert es derzeit sieben Jahre, bis Betroffene eine gesicherte Diagnose erhalten. Bisher gilt die Laparoskopie - ein chirurgischer Eingriff - als Goldstandard für die Diagnose. Der Test von Diamens soll diesen invasiven Weg ersetzen.
Diamens wurde im November 2024 gegründet und geht auf Forschungen am Kepler Universitätsklinikum Linz zurück. Das interdisziplinäre Team rund um CEO Marlene Rezk-Füreder vereint Expertise aus Biomedizin, Bioinformatik, Regulatorik und Business. CMO ist Univ.-Prof. Dr. Peter Oppelt, Leiter des Endometriosezentrums am Kepler Universitätsklinikum in Linz. Der Test verwendet molekulare Biomarker, die in Menstruationsblut nachgewiesen und per PCR im Labor analysiert werden. Für den ChangeMaker-Preis erhielt Diamens ein PR-Paket im Wert von rund 15.000 Euro, Unicorn-Sponsor war die Wirtschaftskammer Oberösterreich.
Das Startup hatte bereits im März 2026 eine sechsstellige Finanzierungsrunde abgeschlossen, angeführt vom Investor eQventure, und war zuvor als "Spin-off of the Year" beim EY Scale-up Award 2025 ausgezeichnet worden.
Weitere Preisträger aus Oberösterreich
Neben den beiden Linzer Gewinnern wurden weitere oberösterreichische Startups prämiert. In der Kategorie MedTech überzeugte Wholomics aus Ried im Innkreis mit einem Bluttest zur Früherkennung mehrerer Krebsarten, der Metabolomik mit Künstlicher Intelligenz kombiniert. Die GreenTech-Auszeichnung ging an PrintReClaim aus Gmunden, das eine kompakte Recyclinganlage entwickelt hat, die Kunststoffabfälle direkt vor Ort zu hochwertigem 3D-Druck-Filament verarbeitet.
In der Kategorie Pionier setzte sich bloomnow aus dem Bezirk Urfahr-Umgebung durch: Die digitale Plattform verbindet Familien mit neurodivergenten Kindern mit wissenschaftlich fundierten Informationen und passenden Experten. Den Sonderpreis Edison Alva für herausragende Kooperationen zwischen Startups und Leitbetrieben erhielten der Fensterhersteller Internorm International GmbH und das KI-Startup Quomatic.AI GmbH, beide aus Traun. Gemeinsam entwickeln sie KI-Lösungen für intelligente Kundenberatung, Vertriebsunterstützung und Prognosemodelle.
tech2b als Motor der OÖ-Gründerszene
tech2b ist der Startup-Inkubator des Landes Oberösterreich und organisiert den Edison-Wettbewerb seit Jahren. Der Wettbewerb richtet sich an Gründerinnen und Gründer, die innovative Geschäftsmodelle entwickeln und den Schritt in eine erfolgreiche Unternehmensgründung wagen wollen - von der frühen Idee bis zum marktreifen Produkt. Einreichungen waren bis 15. Juni 2026 in vier Hauptkategorien - HighTech, GreenTech, MedTech und Pionier - sowie zwei Sonderkategorien möglich.
Laut der offiziellen Wettbewerbsbeschreibung zählt der Edison zu den renommiertesten Ideenwettbewerben für technologieorientierte Innovationen in Oberösterreich. Lukas Keplinger, Geschäftsführer von tech2b, betonte: "Der Edison ist ein Sprungbrett für Gründerinnen und Gründer und ein wichtiger Baustein im oberösterreichischen Innovationsökosystem." Sponsoren wie die Sparkasse OÖ, Siemens, GE HealthCare, die Wirtschaftskammer Oberösterreich und das PIER 4-Netzwerk unterstützen die Durchführung.
Wirtschaftspolitisches Signal aus Linz
Wirtschafts- und Forschungslandesrat Markus Achleitner (ÖVP) nutzte die Preisverleihung für ein klares wirtschaftspolitisches Bekenntnis: Aus guten Ideen entstünden neue Unternehmen, neue Arbeitsplätze und neue Chancen für die Menschen in Oberösterreich. Der Edison-Preis sei ein Instrument, um den Unternehmergeist im Land gezielt zu stärken.
Für Linz als Standort sind die beiden Auszeichnungen ein Signal mit Gewicht: Beide Projekte sind tief in der regionalen Forschungs- und Startup-Infrastruktur verwurzelt - Diamens etwa direkt im Umfeld des Kepler Universitätsklinikums und der Johannes-Kepler-Universität. Die Stadt Linz fördert Gründerinnen und Gründer zudem über eigene Programme, von denen auch Diamens profitiert hat.
Die Preisverleihung im Power Tower zog Vertreter aus Wirtschaft, Forschung und Politik an und bot den ausgezeichneten Startups eine Bühne für Vernetzung und Sichtbarkeit weit über die Grenzen Oberösterreichs hinaus. Beide Linzer Gewinner stehen damit exemplarisch für eine Gründerszene, die auf technologische Tiefe und echten gesellschaftlichen Mehrwert setzt - von der Vereinfachung der Hausverwaltung bis zur Verbesserung der Frauengesundheit. Stand: 19. September 2026