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Hitzeschutz Linz 2026: Grüne fordern Zehn-Punkte-Plan

Nach Rekordtemperaturen von bis zu 39,7 Grad am Domplatz und 40 Hitzetagen fordert Klimastadträtin Eva Schobesberger einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Hitzeschutz in Linz. Bürgermeister Prammer weist die Kritik zurück.

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Linz, 19. August 2026. Der Sommer 2026 hält Linz in einem historischen Ausnahmezustand: 40 Hitzetage, davon zehn Wüstentage mit Temperaturen ab 35 Grad sowie 29 Tropennächte wurden bis zum 10. August im Stadtgebiet registriert. Am 31. Juli kletterte das Thermometer am Domplatz auf 39,7 Grad - ein neuer Rekordwert für Linz. Klimastadträtin Eva Schobesberger (Grüne) reagiert mit einem umfassenden Forderungskatalog und kritisiert das Tempo der Stadtverwaltung als unzureichend.

Zehn-Punkte-Plan als Antwort auf den Extremsommer

Am 12. August präsentierten die Grünen Linz einen Zehn-Punkte-Plan für mehr Hitzeschutz in der Stadt. Dieser umfasst unter anderem besseren Schutz für Seniorenheime, Krabbelstuben, Kindergärten und Schulen sowie kostenlose Freibadeintritte für Kinder und Jugendliche in den Ferien - nach dem Vorbild der deutschen Stadt Augsburg.

Darüber hinaus sollen besonders gefährdete und allein lebende Menschen in einem Verzeichnis erfasst werden, damit Sozialdienste oder Briefträger sie während einer Hitzewelle gezielt aufsuchen können. Für Obdachlose fordert Schobesberger ein Gegenstück zum Kältetelefon im Winter sowie klimatisierte Schutzräume.

Stadtplanung als zentraler Hebel

Ein weiterer Schwerpunkt des Grünen-Plans liegt auf der Stadtplanung. Schobesberger bezeichnet diese als "großen Hebel" für Verbesserungen - konkret soll die bestehende Checkliste für Hochhäuser überarbeitet werden. Außerdem fordert die Stadträtin mehr Bäume und Schatten, weniger versiegelte Flächen sowie strengere Klimavorgaben bei Großprojekten, etwa in Form von Dachgärten und Fassadenbegrünung.

Auf finanzieller Ebene verlangen die Grünen die Wiedereinführung des städtischen Klimafonds sowie eine Klimamilliarde von Bund und Land, damit Gemeinden Hitzeschutzmaßnahmen finanzieren können. Als organisatorische Konsequenz aus dem Extremsommer soll im Herbst eine Klimasondersitzung des Stadtsenats einberufen werden.

Messdaten belegen massive Hitzebelastung

Die Datenlage untermauert den Handlungsbedarf: Seit Ende 2025 betreibt die Stadt Linz ein Temperaturmessnetz mit 56 Messstationen. Die Auswertungen zeigen, dass dicht verbaute Stadtteile und das Industriegebiet auch nachts deutlich wärmer bleiben als der Stadtrand - die Differenz beträgt laut Messdaten im Schnitt mehr als sechs Grad.

Stadtklimatologe Johannes Horak hält fest, dass Durchlüftung, Grünräume und gezielte Verschattung messbar wirken und künftig noch stärker in Bau- und Planungsverfahren einfließen sollen. Gut durchgrünte Stadtteile wie jene mit Haselgrabenwind oder Auhofwind kühlen auch während Hitzewellen in den Nächten deutlich stärker aus als versiegelte Innenstadtbereiche.

SPÖ weist Kritik zurück

Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) reagierte auf den Grünen-Plan mit Gegenkritik: "Wir beginnen beim Hitzeschutz nicht bei null, sondern bauen auf zahlreichen bestehenden Maßnahmen auf", erklärte er. Ein beträchtlicher Teil der Grünen-Forderungen existiere in Linz bereits - darunter kostenlose Kinderfreibäder, über 90 städtische Trinkwasserbrunnen und rund 31 sogenannte "Coole Orte" in klimatisierten Innenräumen, die bis Ende August allen Linzerinnen und Linzern offen stehen.

Vizebürgermeisterin Merima Zukan (SPÖ) verwies zudem auf Standards für klimaresiliente städtische Gebäude, die derzeit finalisiert und im Herbst präsentiert werden sollen. Die Stadt hatte überdies in den vergangenen Jahren ein Klimaneutralitäts- und ein Klimaanpassungskonzept erarbeitet, das ein Aktionsprogramm mit 30 konkreten Maßnahmen umfasst.

Hintergrund: Rekordwerte seit Jahrzehnten

Der bisherige Linzer Hitzerekord stammte aus dem Jahr 1957 und lag bei 37,6 Grad. Dieser wurde im Sommer 2026 gleich mehrfach gebrochen: Am 28. Juni maß die GeoSphere Austria an der Innenstadt-Messstation 38,2 Grad, am 31. Juli wurden dort 38,4 Grad registriert. Das städtische Messnetz, das auch stark versiegelte Standorte erfasst, zeigte am Domplatz sogar 39,7 Grad.

Österreichweit war der Juni 2026 laut Meteorologen der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen. An 94 Wetterstationen wurden in einer einzigen Nacht Tropennächte mit über 20 Grad gemessen. Experten sehen darin ein weiteres Zeichen dafür, dass extreme Hitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger und intensiver werden.

Stand: 19. August 2026