LINZ JOURNAL
kulturveranstaltung

Ars Electronica 2026: Linz als Kunstlabor

Von 9. bis 13. September 2026 verwandelt das Ars Electronica Festival die Linzer Innenstadt in eine Bühne für Kunst, Technologie und Gesellschaft - unter dem Doppelmotto "Future Begins" und "Negotiating Humanity".

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Linz, 10. September 2026. Fünf Tage lang steht die Linzer Innenstadt im Zeichen von Medienkunst, Wissenschaft und gesellschaftlichem Diskurs. Wie Ars Electronica auf seiner Festivalwebsite mitteilt, läuft das Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft vom 9. bis 13. September 2026 an zahlreichen Standorten in der Linzer Innenstadt. Das Doppelmotto lautet "Future Begins" und "Negotiating Humanity" - auf Deutsch: "Zukunft beginnt" und "Das Menschsein verhandeln".

Das Festival steht 2026 unter einem doppelten Vorzeichen: Es ist die 47. Ausgabe des weltweit ältesten Medienkunstfestivals - und zugleich das Jubiläumsjahr des Ars Electronica Center, das vor genau 30 Jahren, am 2. September 1996, seine Türen öffnete. Damit verbindet das diesjährige Programm Rückblick und Neuerfindung in besonderer Weise.

Raus aus der Postcity - rein in die Stadt

Das Besondere an der Ausgabe 2026 ist ein grundlegender Formatwechsel. Nach Jahren in der Postcity beim Linzer Hauptbahnhof und nach drei Gastspielen auf dem Campus der Johannes Kepler Universität Linz bespielt das Festival nun wieder die Linzer Innenstadt als Hauptschauplatz. Statt einer zentralen Festivalanlage wird die gesamte Innenstadt zur Bühne.

Die Veranstaltungsorte gliedern sich in drei Festivalbezirke: das OK Quarter, das Med Campus und das Danube Triangle. Jeder dieser Bereiche verfügt über einen eigenen Festivalhub mit Kasse, Information, Gastronomie und Vernetzungsmöglichkeiten. Dazu kommen weitere Einzellocations, an denen an bestimmten Tagen Sonderprogramme stattfinden.

Das OK Quarter fungiert als zentraler Festivalhub: Hier sind die Hauptausstellungen und Symposien untergebracht, der Ticketschalter befindet sich am OK-Platz, und die Führungen durch die Themenschwerpunkt-Ausstellung starten und enden hier ebenfalls.

Kirchen, Schulen und Spitäler als Ausstellungsräume

Die Hauptthemenausstellung wird als kuratierter Stadtrundgang erlebbar: vom OK-Platz über die Ursulinenkirche und die Krypta der Karmeliterkirche bis zum Priesterseminar, den Elisabethinen, der BRG Fadingerstraße und dem Francisco Carolinum. Kirchen, Schulen und Krankenhäuser werden damit zu Ausstellungsorten im urbanen Raum.

Im Ursulinenhof zeigt die S+T+ARTS-Initiative der Europäischen Kommission die preisgekrönten Projekte des STARTS Prize 2026, realisiert von einem Netzwerk europäischer Partnerinstitutionen. Jede Einreichung beim Prix Ars Electronica konnte zusätzlich für den S+T+ARTS Prize angemeldet werden - die beiden Preisträger erhalten dabei jeweils 20.000 Euro.

Der zweite große Festivalbezirk, das Med Campus, ist ganz der Synergie von Kunst und Wissenschaft gewidmet. Dort findet auch "create your world" statt - ein Programm, das sich speziell an Kinder und Jugendliche richtet und innovative Ideen junger Medienkünstlerinnen und -künstler mit Art-and-Science-Projekten verbindet.

Eröffnung im Mariendom - Bruckner Orchester spielt

Die offizielle Festivaleröffnung findet am 9. September um 19:30 Uhr im Mariendom Linz statt - und der Eintritt ist frei. Den Auftakt bestreiten die Wiener DJ und Produzentin Seba Kayan sowie der syrische Oud-Spieler Orwa Saleh mit dem gemeinsamen Projekt "Hadra Rave". Danach liest ein Sprecherchor aus Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Communities Auszüge aus der Menschenrechtserklärung.

Im Anschluss treten das Bruckner Orchester Linz unter Chefdirigent Markus Poschner sowie die japanischen Künstlerinnen evala und Ayako Tanaka auf. Das Programm verknüpft damit fünf Jahrhunderte künstlerischer Auseinandersetzung mit existenziellen Fragen in einem einzigen Festivalabend. Die Eröffnungsfeier passt programmatisch zum Leitthema: Was bedeutet es heute, Mensch zu sein?

Flood the Zone - Demokratie auf dem Hauptplatz

Ein zentrales Projekt des Festivals ist "Flood the Zone with Courage" auf dem Linzer Hauptplatz. Es entsteht in Zusammenarbeit mit Attac Austria, der Kunstuniversität Linz und dem Zirkus des Wissens der Johannes Kepler Universität Linz. Das Format versteht sich als Infrastruktur des demokratischen Verhandelns - als Ort, an dem Dissens und produktive Uneindeutigkeit aktiv erprobt werden.

Während der gesamten fünf Festivaltage entsteht dort ein dichtes Programm aus performativen Aktionen, offenen Workshops, Engagement-Zones und partizipativen Interventionen im Stadtraum. Die Universitätspartnerschaften gehen 2026 besonders weit: Im Rahmen der Campus Exhibition bringen 45 Universitäten aus aller Welt ihre jeweiligen Perspektiven nach Linz.

Prix Ars Electronica 2026: 4.329 Einreichungen aus 106 Ländern

Parallel zum Festival wird der Prix Ars Electronica verliehen - der traditionsreichste Medienkunstwettbewerb der Welt, gegründet 1987. Die Auszeichnungszeremonie findet im Design Center Linz statt. Für die Ausgabe 2026 gingen insgesamt 4.329 Einreichungen aus 106 Ländern ein - ein Beleg für die globale Strahlkraft des Preises.

2026 werden Golden Nicas in vier Kategorien vergeben: Digital Humanity, Interactive Art+, New Animation Art und u19 - create your world. Jede Goldene Nica ist mit bis zu 10.000 Euro Preisgeld dotiert. Neu in diesem Jahr: Die Kategorie "Digital Humanity" wird erstmals in Kooperation mit dem österreichischen Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten als eigenständige Hauptkategorie ausgeschrieben.

30 Jahre Ars Electronica Center: Jubiläum mit neuer Ausstellung

Bereits am 8. September, einen Tag vor Festivalbeginn, feiert das Ars Electronica Center ab 19:30 Uhr seine Geburtstagsparty. Die Stadt Linz und Ars Electronica laden gemeinsam zu einem Abendprogramm, das neue Ausstellungen, Klangperformances und eine Rückschau auf drei Jahrzehnte Medienkunst vereint. Als Gäste werden Bürgermeister Dietmar Prammer (SPÖ) und Kulturstadträtin Doris Lang-Mayerhofer (ÖVP) das Wort ergreifen, ebenso Artistic Director Gerfried Stocker.

Im Deep Space 8K präsentiert das Duo Maki Namekawa und Dennis Russell Davies das Stück "Pianographique" - ein Konzert für Klavier zu vier Händen mit Visuals von Cori O'Lan. Die neue Dauerausstellung "Hello Worlds!", ein gemeinsames Projekt des Ars Electronica Futurelab und der Advanced R&D-Abteilung von Toyota Motor Corporation, fragt, wie wir das Menschsein in einer von ökologischem Wandel, globaler Unsicherheit und Künstlicher Intelligenz geprägten Zukunft definieren werden.

Das Festival wird von der Stadt Linz, dem Land Oberösterreich und dem österreichischen Bundesministerium für Kunst, Kultur, öffentlichen Dienst und Sport getragen - und findet wie in den Vorjahren in Kooperation mit dem ORF Oberösterreich statt. Kulturstadträtin Lang-Mayerhofer brachte die Bedeutung des Festivals für die Stadt auf den Punkt: "Future Begins" sei "Ausdruck eines Selbstverständnisses, das Linz seit drei Jahrzehnten mitprägt."

Stand: 10. September 2026