LINZ JOURNAL

Linzer Wissenschaftler:innen: Von Kepler bis zur modernen JKU-Forschung

Johannes Kepler als wichtigster historischer Linzer Wissenschaftler (14 Jahre in Linz, 1612-1626), die JKU seit 1966 als Forschungs-Zentrum mit Wittgenstein-Preisträgern, Konrad Lorenz und die Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau, Mathematiker Bruno Buchberger (Gröbner-Basen), und die Linzer Wissenschaftler:innen-Tradition ohne echte Nobelpreisträger, aber mit internationalen Auszeichnungen.

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Linzer Wissenschaftler:innen: Von Kepler bis zur modernen JKU-Forschung

Linzer Wissenschaftler:innen im Überblick

Einen Nobelpreis hat Linz nie hervorgebracht - dafür zwei Dinge, die weltweit in Gebrauch sind: das LD-Verfahren, mit dem heute rund zwei Drittel des globalen Stahls erzeugt werden, und die Gröbner-Basen, die Bruno Buchberger 1965 in seiner Dissertation entwickelte und die in jedem größeren Computeralgebra-System stecken. Die längste Linie reicht zurück zu Johannes Kepler, der von 1612 bis 1626 in Linz rechnete.

Johannes Kepler (1571-1630): Der wichtigste historische Wissenschaftler

Johannes Kepler ist ohne Zweifel der wichtigste Wissenschaftler, der in Linz gewirkt hat. Von 1612 bis 1626 war er Landschaftsmathematiker der oberösterreichischen Landstände und schrieb in Linz seine Hauptwerke: Harmonice Mundi (1619) mit dem dritten Planetengesetz, die Rudolfinischen Tafeln (1627) und wichtige Teile seiner Epitome Astronomiae Copernicanae. Die Johannes Kepler Universität (JKU) wurde am 1. Oktober 1975 nach ihm benannt - ein bewusster Verweis auf Keplers wissenschaftsgeschichtliche Bedeutung und den Linzer Wirkungsort. Mehr in unserem Kepler-Linz-Artikel.

Bruno Buchberger (geb. 1942): Gröbner-Basen und Mathematik

Bruno Buchberger - geboren 1942 in Innsbruck - ist einer der international bedeutendsten österreichischen Mathematiker und eng mit der JKU und Linz verbunden. In seiner Dissertation von 1965 entwickelte er die Gröbner-Basen samt zugehörigem Algorithmus - ein zentrales Werkzeug der Computeralgebra, benannt nach seinem Doktorvater Wolfgang Gröbner, der ihm die Aufgabe gestellt hatte. Angewandt wird die Methode heute in Robotik, CAD, Codierungstheorie und automatischem Beweisen. 1987 initiierte Buchberger im Auftrag des Landes Oberösterreich den Softwarepark Hagenberg - begonnen mit 15 Mitarbeitenden seines Forschungsinstituts. Die Methode ist heute Standard in Computeralgebra-Systemen (Mathematica, Maple) und hat Anwendungen in Robotik, Kodierungstheorie, Kryptografie. Buchberger gründete 1987 das RISC (Research Institute for Symbolic Computation) an der JKU; 1989 zog es ins Schloss Hagenberg im Mühlviertel. Er lehrte über Jahrzehnte an der JKU und hat den Linzer Wissenschafts-Standort international positioniert. Ausgezeichnet unter anderem mit dem ACM Paris Kanellakis Award 2007 und als Österreicher des Jahres 2010, Mitglied der Academia Europaea. Für die JKU und das österreichische Mathematik-Wesen ist Buchberger eine zentrale Bezugsfigur.

Konrad Lorenz (1903-1989): Nobelpreis-Bezug zu Linz

Der österreichische Verhaltensforscher Konrad Lorenz (1903-1989) erhielt 1973 den Nobelpreis für Medizin, gemeinsam mit Nikolaas Tinbergen und Karl von Frisch. Mit Linz hat er nichts zu tun - mit Oberösterreich sehr wohl: Im selben Jahr 1973 kehrte er mit 70 aus Seewiesen nach Österreich zurück und übernahm die Abteilung für Tiersoziologie am Institut für Vergleichende Verhaltensforschung. Herzog Ernst August lud ihn nach Grünau im Almtal ein, wo Teiche angelegt und Gebäude adaptiert wurden; dorthin übersiedelte Lorenz seine Graugansschar. Die daraus entstandene Konrad-Lorenz-Forschungsstelle gehört seit 2012 zur Universität Wien. Die tatsächliche Forschungsarbeit fand außerhalb Linz statt. Wer die Linzer Lorenz-Verbindung stark betonen möchte, trifft auf begrenzte dokumentarische Grundlagen - ein echter „Linzer Nobelpreisträger" ist Lorenz nicht, aber einer mit Linzer Bezug.

Die JKU-Forschungsschwerpunkte: Technik und Informatik

Die Johannes Kepler Universität Linz hat seit ihrer Gründung 1966 (als Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften) eine eigene wissenschaftliche Tradition aufgebaut. Schwerpunkt-Bereiche mit internationaler Sichtbarkeit:

  • Computeralgebra - durch Buchberger und das RISC in Hagenberg
  • Mechatronik - als JKU-Alleinstellungs-Merkmal
  • Wirtschaftsinformatik - einer der frühen JKU-Schwerpunkte
  • Polymerwissenschaften - in enger Kooperation mit voestalpine und Borealis
  • Wirtschaft seit der Gründung 1966, Recht seit 1975
  • Medizin - seit Gründung der Medizinischen Fakultät 2014

Die JKU zählt rund 27.000 Studierende und etwa 180 Professorinnen und Professoren an über 145 Instituten und Universitätskliniken; mehr als 21 Prozent der Studierenden kommen aus über 120 Ländern. Die Wissenschaftspreise Wittgenstein-Preis (höchste österreichische Wissenschafts-Auszeichnung) wurden mehrfach an JKU-Wissenschaftler:innen vergeben. Mehr in unserem Universitäten-Überblick.

Linzer Wissenschaftler:innen in der Wirtschaft

Linz hat als Industrie-Stadt mehrere bedeutende angewandte Wissenschaftler:innen hervorgebracht, die in der Wirtschaft wirkten. Bedeutendstes Beispiel: die Ingenieure hinter dem Linz-Donawitz-Verfahren (LD-Verfahren) zur Stahlerzeugung - eine der einflussreichsten industriellen Innovationen des 20. Jahrhunderts. Hauptverantwortliche: Dr. Herbert Trenkler und sein Team bei der VÖEST, die das Verfahren Anfang der 1950er Jahre entwickelten. Das LD-Verfahren ist heute Grundlage von rund zwei Drittel der weltweiten Stahlproduktion. Mehr in unserem Linz-nach-1945-Artikel zur voestalpine-Geschichte. Für die Linzer Wissenschaftsgeschichte ist das LD-Verfahren ein zentraler Beitrag zur internationalen Industriegeschichte.

Medizinische Fakultät: Jüngste Linzer Wissenschafts-Entwicklung

Die Medizinische Fakultät der JKU wurde 2014 gegründet - die erste Linzer Medizinuniversität. In wenigen Jahren hat sich die Linzer Medizin-Forschung international positioniert - mit Schwerpunkten Krebsforschung, Kardiologie, Neurologie. Die Kooperation mit dem Kepler Universitätsklinikum ermöglicht den Transfer zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung. Für die Linzer Wissenschafts-Landschaft ist die Medizinische Fakultät eine wichtige Erweiterung - Linz ist damit auch medizinisch-akademisch aufgewertet. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob die Medizin-Fakultät internationale Wissenschaftler:innen hervorbringt, die in die Nobelpreis-Liga vorstoßen können.

Frauen in der Linzer Wissenschaft

Die Linzer Wissenschaftsgeschichte war bis Ende des 20. Jahrhunderts überwiegend männlich dominiert - wie in den meisten österreichischen und europäischen Universitäten. Seit den 1990er Jahren sind deutlich mehr Frauen in den JKU-Forschungsprogrammen aktiv. Die Anzahl der Professorinnen und weiblichen Forschungsgruppen-Leiterinnen hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich erhöht. Mehr zur Linzer Frauengeschichte im Frauen-Linz-Artikel.

Was Sie über Linzer Wissenschaft wissen sollten

Der Linzer Nobelpreis-Mangel

Linz hat - im Gegensatz zu Wien, Graz oder Innsbruck - keinen klaren Nobelpreisträger mit dauerhafter Linzer Verankerung. Konrad Lorenz forschte in Oberösterreich, aber nicht in Linz. Die Linzer Wissenschafts-Tradition ist also weniger Nobelpreis-orientiert, sondern stärker anwendungs- und industrieorientiert - mit Fokus auf Wirtschaft, Recht, Mechatronik und Polymerwissenschaften. Für die JKU und Linz-Tourismus ist das ein weniger auffälliges, aber wissenschaftlich nicht weniger bedeutsames Profil.

Die Linzer Wissenschafts-Institutionen

Die wichtigsten Linzer Wissenschafts-Adressen:

  • Johannes Kepler Universität (JKU) - Hauptuniversität, 24.000 Studierende, 4 Fakultäten, darunter die Medizinische, dazu 6 Schools
  • Kunstuniversität Linz - rund 1.760 Studierende laut Wissensbilanz 2025, Schwerpunkte Time-Based Media, Industrial Design
  • Anton Bruckner Privatuniversität - Musik-Forschung
  • KU Linz - Theologie, Philosophie, Pädagogik
  • FH Oberösterreich Campus Linz - anwendungsorientierte Forschung
  • RISC in Hagenberg (Mühlviertel) - Computeralgebra-Forschung
  • Ars Electronica Futurelab - Medien- und Digitalkunst-Forschung
  • Kepler Universitätsklinikum - klinische Medizin-Forschung

Mehr im Universitäten-Linz-Überblick mit Details zu den einzelnen Institutionen.

Linzer Wissenschafts-Veranstaltungen

Für wissenschaftlich interessierte Linzer:innen gibt es regelmäßige öffentliche Formate. Kepler Salon in der Innenstadt - öffentliche Diskussions-Reihe der JKU. Die Lange Nacht der Forschung, das OPEN LAB und die Science Holidays der JKU. Ars Electronica Festival mit Wissenschafts-Vermittlungs-Programm (mehr im September-Events-Guide). Lange Nacht der Forschung jährlich mit Öffnung aller JKU-Labore. RISC-Vortragsreihen in Hagenberg. Für Schüler:innen und Studierende ergibt sich damit ein dichtes Angebot zur Wissenschafts-Vermittlung.

Linzer Forschungs-Transfer

Eine Linzer Besonderheit ist der enge Transfer zwischen Universität und Industrie. Die Mechatronik der JKU - angesiedelt in der Fakultät für Technik und Naturwissenschaften - arbeitet mit voestalpine, KEBA und BMW Steyr und weiteren oberösterreichischen Industrie-Betrieben zusammen. Das RISC arbeitet mit der FH Hagenberg, dem Softwarepark Hagenberg und dem Software Competence Center zusammen. Die Polymerwissenschaften haben enge Verbindungen zu Borealis und anderen Kunststoff-Herstellern. Für junge Wissenschaftler:innen ergeben sich daraus attraktive Perspektiven - die Linzer Forschung ist stärker angewandt und industrienäher als etwa die Grundlagenforschung in Wien oder Graz. Mehr in unserem Jobs-Linz-Guide zu Werkstudenten-Stellen.

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