Frauen in der Linzer Geschichte: VALIE EXPORT bis Franziska Starhemberg
VALIE EXPORT (1940-2026) als feministische Medienkunst-Ikone, Franziska Starhemberg als zentrale Figur der katholischen Frauen-Organisation OÖ, Linzer Tabakarbeiterinnen als frühe weibliche Industrie-Arbeiterinnen, Franziska Jägerstätter und ihre Erinnerungs-Rolle, plus Anna von Böhmen und Ungarn am Linzer Schloss - Frauen, die Linz geprägt haben.
Linzer Frauen-Geschichte im Überblick
Von der Königin, für die Ferdinand I. das Linzer Schloss ausbauen ließ, bis zur Medienkünstlerin, deren Archiv die Stadt 2015 ankaufte: Die Spannweite der Linzer Frauenbiografien reicht über fünf Jahrhunderte. Dazwischen liegen die Tabakarbeiterinnen, die über hundert Jahre lang die größte weibliche Berufsgruppe der Stadt stellten, und Franziska Starhemberg, eine der ersten Frauen im österreichischen Bundesrat.
VALIE EXPORT (1940-2026): Feministische Medienkunst-Ikone
VALIE EXPORT - geboren am 17. Mai 1940 in Linz als Waltraud Lehner, gestorben am 14. Mai 2026 in Wien - ist die international bekannteste Linzer Künstlerin. Sie wuchs in Linz bei ihrer Mutter Margarethe Lehner (geb. Kousal), einer Volksschullehrerin, und ihren beiden älteren Schwestern auf. Der Vater Rudolf Lehner, Schuldirektor, fiel 1942 im Zweiten Weltkrieg. Sie nahm 1967 ihren Künstlernamen an - konsequent in Großbuchstaben geschrieben - inspiriert von der österreichischen Zigarettenmarke Smart Export. Sie gilt als Pionierin des feministischen Aktivismus und eine der wichtigsten internationalen Vertreterinnen der konzeptuellen Medien-, Performance- und Filmkunst. Legendäre Werke: „Tapp- und Tastkino" (1968), „Aktionshose: Genitalpanik" (1969). Die Stadt Linz erwarb 2015 ihr Archiv; seit November 2017 arbeitet das VALIE EXPORT Center in der Tabakfabrik, getragen von Stadt, Lentos und Kunstuniversität. VALIE EXPORT ist am 14. Mai 2026 in Wien gestorben. Mehr in unserem Linzer-Künstler-Artikel.
Anna von Österreich (1503-1547): Habsburger-Prinzessin am Linzer Schloss
Anna von Österreich - nicht die Tochter von Kaiser Maximilian II., sondern die böhmisch-ungarische Prinzessin Anna Jagiellonica (1503-1547) - war die Gattin von Ferdinand I. (Bruder Kaiser Karls V.). Das Ehepaar verbrachte mehrfach längere Zeit am Linzer Schloss. Anna war durch ihre Heirat mit Ferdinand 1521 Teil der habsburgischen Ungarn-Politik - nach dem Tod ihres Bruders Ludwig II. bei Mohács 1526 übernahmen die Habsburger die ungarische Krone. Ferdinand I. ließ das Linzer Schloss eigens für sie ausbauen und kostbar ausstatten. Sie starb 1547 in Prag. Für die Linzer Geschichte war ihre Zeit am Schloss eine wichtige habsburgische Periode - mehr im Habsburger-in-Linz-Artikel.
Franziska Starhemberg (1875-1943): Katholische Frauen-Organisation OÖ
Franziska Starhemberg - geboren 1875 in Wien, verheiratet 1898 mit Ernst Rüdiger von Starhemberg - war eine zentrale Figur der katholischen Frauen-Bewegung in Oberösterreich. Von der Jahrhundertwende war sie in verschiedenen Frauenvereinen aktiv. Ab 1915 leitete sie den Roten-Kreuz-Frauen-Hilfsverein Oberösterreich. Später Vorsitzende der Katholischen Frauenorganisation (KFO) Oberösterreich. Ihre Organisation beschäftigte sich mit sozialen, karitativen und bildungspolitischen Themen und gehörte zu den einflussreichsten weiblichen Organisationen der Zwischenkriegszeit in Oberösterreich. Die Starhemberg-Familie ist mit Linz historisch eng verbunden - mehrere Generationen wirkten in regionalen politischen und kirchlichen Ämtern.
Franziska Jägerstätter (1913-2013): Die Witwe des Widerstands
Franziska Jägerstätter - geborene Schwanninger, Ehefrau des österreichischen NS-Regime-Widerständlers Franz Jägerstätter (1907-1943) - ist eng mit der Linzer Erinnerungs-Kultur verbunden. Franz Jägerstätter, ein oberösterreichischer Bauer aus St. Radegund im Innviertel (rund 130 km westlich von Linz), verweigerte aus religiösen Gründen den Kriegsdienst in der Wehrmacht und wurde am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel hingerichtet. Seine Frau Franziska überlebte ihn um 70 Jahre - sie starb am 16. März 2013, zwölf Tage nach ihrem 100. Geburtstag. Sie widmete ihr Leben der Erinnerung an ihren Mann und dem Kampf gegen die Umdeutung seines Widerstands. Franz Jägerstätter wurde 2007 von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen. Das Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU Linz forscht zum Leben und Wirken des Paares. Mehr zur KU Linz im Universitäten-Linz-Überblick.
Linzer Tabakarbeiterinnen: Frühe weibliche Industrie-Arbeiterinnen
Die Linzer Tabakarbeiterinnen der Tabakfabrik Linz (1850-2009) waren eine eigene Linzer Berufsgruppe mit ausgeprägter weiblicher Identität. Die Fabrik beschäftigte überwiegend Frauen - in den Spitzenzeiten mehr als tausend Beschäftigte, rund 90 Prozent davon Frauen, in Sortierung, Rollen, Packerei und Qualitätskontrolle; bei der Schließung 2009 waren es noch 284. Die Tabakarbeiterinnen-Kultur war von familiärer Nachfolge geprägt (Mutter, Tochter, Großmutter in der gleichen Halle), von eigenen Gewerkschafts-Strukturen und einer ausgeprägten weiblichen Arbeits-Solidarität. Sie waren einer der ersten großen Linzer Frauen-Arbeitsmärkte - zu einer Zeit, als Erwerbstätigkeit von Frauen noch gesellschaftlich weniger akzeptiert war. Mehr in unserem Alte-Linzer-Berufe-Artikel.
Linzer Mundartdichterinnen
Die oberösterreichische Mundart-Literatur hat mehrere wichtige Frauen-Stimmen. Henriette Haill (1904-1996) - in Linz geborene Schriftstellerin und Mundartdichterin, gelernte Näherin und KPÖ-Mitglied. Die Linzer weibliche Literaturtradition wurde lange im Schatten der männlichen Kollegen Franz Stelzhamer und Hans Commenda wahrgenommen - erst in den letzten Jahrzehnten wurden die weiblichen Biografien systematisch erforscht. Das StifterHaus am Donauufer 6 (mehr im Bibliotheken-Linz-Guide) beherbergt Archive und Gedenk-Räume zu mehreren Linzer Literatur-Frauen.
Zeitgenössische Linzer Frauen-Persönlichkeiten
Im Kunst- und Kulturbereich prägen zahlreiche Linzer Künstlerinnen und Kuratorinnen die Stadt-Identität - vom Lentos-Direktoriat über das Ars Electronica Frauen-Programm bis zu den Kunstuniversitäts-Absolventinnen. Mehr im Linzer-Künstler-Artikel mit weiteren Details.
Was Sie über Linzer Frauen-Geschichte wissen sollten
Linzer Frauen-Geschichte als eigenes Forschungsfeld
Die systematische Aufarbeitung der Linzer Frauen-Geschichte ist relativ jung - erst seit den 1980er und 1990er Jahren gibt es umfassende wissenschaftliche Arbeiten zu Linzer Frauen-Biografien. Die Stadt Linz veröffentlichte in den 2000er Jahren mehrere Broschüren zum Thema „Stille Heldinnen" und zur Linzer Frauen-Geschichte - darunter „Stille Heldinnen - 100 Jahre Linzer Frauengeschichte", vorgestellt im März 2011 im Foyer des Alten Rathauses. Die Publikationen des Linzer Frauenbüros sind zum Teil kostenfrei abrufbar. Das VALIE EXPORT CENTER in der Tabakfabrik und an der Kunstuni arbeitet intensiv zur feministischen Medienkunst. Das Franz und Franziska Jägerstätter Institut an der KU Linz forscht zur Erinnerungs- und Gedenk-Arbeit. Für Linzer Frauen-Historiker:innen ist das Feld im Wachstum - mit vielen offenen Fragen und Forschungs-Möglichkeiten.
Orte der Linzer Frauen-Geschichte
Wer Linzer Frauen-Geschichte erleben möchte, findet mehrere Orte. VALIE EXPORT CENTER in der Tabakfabrik (mehr im Galerien-Linz-Guide). Tabakfabrik Linz mit Ausstellungs-Teilen zur Fabrik-Geschichte und zu den Tabakarbeiterinnen. Stadtarchiv Linz mit seinem Projekt Frauen-Leben-Linz. KU Linz Bibliothek mit Jägerstätter-Archiv. Nordico Stadtmuseum mit regelmäßigen Frauen-Ausstellungen. Mehr in unseren Galerien-Guide und Bibliotheken-Guide.
Linzer Frauen-Verband und aktuelle Organisationen
Heute sind mehrere Linzer Organisationen im Frauen-Bereich aktiv. Frauen-Büro der Stadt Linz als offizielle kommunale Gender-Abteilung. Frauenhaus Linz für gewaltbetroffene Frauen. Maiz - Autonomes Zentrum von und für Migrantinnen. Frauenforum Linz als politisch-feministisches Netzwerk. ÖH Frauen- und Gender-Referate an den Linzer Universitäten. Für Linzer:innen mit Interesse an Frauen-Politik und -Geschichte eine gut ausgebaute Organisations-Landschaft. Aktuelle Kontakte und Programme über linz.at/frauen.
Internationale Frauen-Tage und Veranstaltungen
Linz begeht den Internationalen Frauentag (8. März) mit verschiedenen Veranstaltungen der Stadt, der ÖH und der freien Frauen-Vereine. Daneben gibt es jährliche Frauen-Gedenktage, Ausstellungen zu Linzer Frauen-Biografien (z.B. am VALIE EXPORT CENTER) und wissenschaftliche Tagungen zur Frauen-Geschichte. Programm-Übersicht jeweils aktuell auf linz.at und in den Ausstellungs-Kalendern der Linzer Museen. Für Linzer mit Interesse an der Linzer weiblichen Geschichts-Schicht ein regelmäßig ergänztes Programm.