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Johannes Kepler in Linz: 14 Jahre, drei Hauptwerke, eine Universität

Kepler verbrachte 1612 bis 1626 vierzehn Jahre als Mathematiker und Lehrer am Linzer Landschaftsschule, schrieb hier sein Hauptwerk Harmonice Mundi (1619) mit dem dritten Planetengesetz, die Rudolfinischen Tafeln und Teile der Epitome - und ist heute Namensgeber der größten Linzer Universität JKU.

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Johannes Kepler in Linz: 14 Jahre, drei Hauptwerke, eine Universität

Kepler kommt nach Linz: 1612

Johannes Kepler (1571-1630) gehört zu den wichtigsten Astronomen, Mathematikern und Naturphilosophen des 17. Jahrhunderts - berühmt durch seine drei Planetengesetze und seine Bücher Astronomia nova, Harmonice Mundi und Epitome Astronomiae Copernicanae. Im Mai 1612 verließ Kepler Prag, wo er Hofmathematiker bei Kaiser Rudolf II. gewesen war, und übernahm in Linz die Stelle des Landschaftsmathematikers der oberösterreichischen Landstände. Lehrte am damaligen Linzer Landschaftsschule (Vorgänger des heutigen Akademischen Gymnasiums) und arbeitete an seinen wissenschaftlichen Hauptwerken. Wohnsitz: nach mehreren Adress-Wechseln zuletzt im Haus Rathausgasse 5 in der Linzer Altstadt - heute mit Gedenktafel.

Die 14 Linzer Jahre: 1612-1626

Keplers Linzer Zeit umfasst vierzehn Jahre - die längste Beschäftigungs-Periode seiner gesamten Karriere. In diesen Jahren entstanden seine zentralen Werke. 1619 erschien das Harmonice Mundi (Weltharmonik) - sein philosophisches Hauptwerk, in dem er die Proportionen der natürlichen Welt durch musikalische Harmonien erklärte. Hier veröffentlichte er erstmals das dritte Planetengesetz (Harmonisches Gesetz): die Quadrate der Umlaufzeiten der Planeten verhalten sich wie die Kuben ihrer großen Bahnhalbachsen. Die in Linz vorbereiteten Rudolfinischen Tafeln erschienen 1627 im Druck in Ulm - astronomische Tabellen mit den genauesten Planetenbahnen ihrer Zeit, gewidmet dem inzwischen verstorbenen Kaiser Rudolf II. Im selben Linzer Zeitraum entstanden Teile der Epitome Astronomiae Copernicanae (Auszug aus der kopernikanischen Astronomie), eines der wichtigsten Lehrbücher der frühneuzeitlichen Astronomie.

Privatleben in Linz: Schwere Jahre

Keplers Linzer Zeit war wissenschaftlich produktiv, persönlich aber von Schwierigkeiten geprägt. 1611 starb seine erste Frau Barbara in Prag (vor Übersiedlung nach Linz), 1613 heiratete er Susanna Reuttinger - die Hochzeit fand am 30. Oktober in Eferding statt, mit der er sechs Kinder hatte (mehrere starben im Kindesalter). Die Hexenprozess-Affäre seiner Mutter Katharina Kepler (1615-1621 in Württemberg) zwang Kepler zu mehreren Reisen aus Linz, um seine Mutter zu verteidigen - eine seiner persönlich belastendsten Lebensphasen. Religionspolitisch wurde Linz für den protestantischen Kepler zunehmend schwierig: 1625 begann die Gegenreformation in Oberösterreich, 1626 verlor Kepler seine Anstellung als Landschaftsmathematiker, weil er sich weigerte, zum Katholizismus zu konvertieren. Er übersiedelte über Ulm nach Sagan in Schlesien und starb am 15. November 1630 in Regensburg.

Linzer Spuren Keplers heute

Kepler hinterließ in Linz mehrere bleibende Spuren. Die Johannes Kepler Universität trug seinen Namen zunächst gar nicht: Am 8. Oktober 1966 wurde sie als Hochschule für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften eröffnet. Erst das Universitäts-Organisationsgesetz vom Oktober 1975, das ihr die Rechtswissenschaftliche Fakultät brachte, gab ihr den heutigen Namen. Sie ist heute mit rund 27.000 Studierenden eine der wichtigsten österreichischen Universitäten - mehr in unserem Universitäten-Linz-Überblick. Keplersalon in der Innenstadt - ein Diskussionsformat zu Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur, das den Geist von Keplers interdisziplinärer Arbeit aufnimmt. Gedenktafel am Rathausgasse 5 markiert sein letztes Linzer Wohnhaus. Die Keplerstraße im Stadtteil Harbach trägt seinen Namen. Die Linzer Buchdruckereien, in denen Keplers Werke gedruckt wurden, sind nicht mehr erhalten - aber das Buchdruck-Wesen war ein zentraler Faktor seiner Linzer Produktivität.

Kepler im Linzer Stadtbild

Wer Keplers Spuren in Linz verfolgen möchte, findet die wichtigsten Stationen in der Innenstadt. Rathausgasse 5: das Kepler-Wohnhaus, in dem er 1625 lebte - eine von mehreren Linzer Adressen, denn zwischen 1613 und 1626 wechselte er wiederholt die Wohnung. Die Gedenktafel kam 1943 an die Fassade, seit dem Kulturhauptstadtjahr 2009 beherbergt das Haus den Kepler Salon, seit 2019 getragen von der JKU. Akademisches Gymnasium: Nachfolger der Landschaftsschule, an der Kepler lehrte. Schloss Linz: Kepler hatte als Landschaftsmathematiker auch Aufgaben bei den oberösterreichischen Landständen, die im Schloss tagten. Mariendom: zwar nicht zu Keplers Zeit gebaut (1862-1924), aber heute eines der prominenten Wahrzeichen jener Stadt, in der er 14 Jahre lebte. Mehr in unserem Gratis-Linz-Stadttour-Guide. Ein selbst geführter „Kepler-Spaziergang" durch die Linzer Altstadt deckt die Hauptpunkte in 1-2 Stunden ab.

Wissenschaftshistorische Bedeutung

Keplers Linzer Werke haben die Wissenschaftsgeschichte prägend beeinflusst. Das dritte Planetengesetz (Harmonisches Gesetz) war ein zentraler Baustein der späteren Newtonschen Gravitationstheorie - Newton baute auf Kepler auf, um das Gravitationsgesetz zu formulieren. Die Rudolfinischen Tafeln waren bis ins 18. Jahrhundert die genauesten verfügbaren astronomischen Tabellen. Die Epitome war das wichtigste Lehrbuch zur kopernikanischen Astronomie für mehrere Generationen von Astronomen. Kepler verband mathematische Präzision mit philosophisch-theologischer Spekulation - eine Arbeitsweise, die heute als Übergang von der spätmittelalterlichen Naturphilosophie zur modernen Naturwissenschaft verstanden wird.

Was Sie über Kepler in Linz wissen sollten

Linz als Keplers wichtigster Arbeitsort

Wer in der Wissenschaftsgeschichte nachschlägt, findet Kepler oft als „Hofmathematiker in Prag" oder als Astronom mit deutschen Wurzeln dargestellt. Tatsächlich war Linz Keplers längster Aufenthalts-Ort und der Entstehungs-Ort seiner Hauptwerke. Die Prager Zeit (1601-1612) war kürzer und wurde durch Hof-Pflichten dominiert; in Linz hatte Kepler mehr Zeit für eigene wissenschaftliche Arbeit. Die Linzer Identifikation mit Kepler ist also wissenschaftshistorisch begründet, nicht nur Lokal-Patriotismus.

Kepler-Hommagen im Linzer Kulturkalender

Drei jährliche Linzer Kepler-Termine sollten im Kulturkalender stehen. Der Kepler Salon in seinem früheren Wohnhaus in der Rathausgasse 5 bringt es auf rund 100 Veranstaltungen im Jahr: Ein Impulsreferat aus Wissenschaft, Kunst oder Gesellschaft, danach wird mit dem Publikum diskutiert. Der Eintritt ist frei, Plätze sind nicht reserviert. Dazu Vorträge und Kurse am Wissensturm sowie das Ars Electronica Festival mit seinen naturwissenschaftlichen Programmschienen. Mehr im September-Events-Guide mit Ars-Electronica-Schwerpunkt.

Kepler und die JKU heute

Die Johannes Kepler Universität greift den Namensgeber-Bezug aktiv auf. JKU-Schwerpunkte: Wirtschaftsinformatik, Mechatronik, Recht, Medizin, Naturwissenschaften - alle mit klarem mathematisch-technischen Fundament, das Keplers interdisziplinärem Ansatz nachempfunden ist. Das JKU-Kepler-Salon-Format in der Innenstadt führt regelmäßig öffentliche Diskussions-Veranstaltungen zu Wissenschaft und Gesellschaft. Für Linzer Studierende der JKU ist Keplers historisches Wirken Teil des Universitäts-Selbstverständnisses - mehr im Universitäten-Linz-Überblick.

Kepler-Spaziergang durch Linz

Ein selbst geführter Kepler-Spaziergang führt durch die wichtigsten Stationen. Start am Hauptplatz mit Dreifaltigkeitssäule (1723, also nach Keplers Zeit, aber zu Keplers Zeit war der Platz bereits Stadt-Mittelpunkt). Tummelplatz mit Linzer Schloss (Sitz der Landstände, mit denen Kepler arbeitete). Rathausgasse 5 mit Gedenktafel an Keplers letztem Wohnhaus. Pfarrplatz mit Altem Dom (Bruckner-Wirkungsstätte, also nach Kepler). Optional: Akademisches Gymnasium (Nachfolger der Landschaftsschule). Dauer: 1-2 Stunden zu Fuß. Eintritte größtenteils kostenfrei oder über die Linz-Card abgedeckt.

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