LINZ JOURNAL

Kunstuni Linz: Die Universität für Medienkunst am Hauptplatz 8

Die Kunstuniversität Linz (Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz) wurde 1947 als Kunstschule der Stadt Linz gegründet, 1973 zur Hochschule erhoben und 2000 zur Universität. Rund 1.600 Studierende (68,7% weiblich) in vier Instituten und über 25 Studienrichtungen - international bekannt für Time-based Media und Interface Cultures. Hauptstandort seit 2019: Brückenkopfgebäude West am Hauptplatz 8.

· 9 Min. Lesezeit · Von
Kunstuni Linz: Die Universität für Medienkunst am Hauptplatz 8

Die Kunstuni Linz: Medienkunst am Hauptplatz

Wir haben die Kunstuniversität Linz zusammengestellt - offizieller Name Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz - eine der wichtigsten österreichischen Kunsthochschulen mit internationalem Ruf in Medienkunst und Design. Die Einrichtung wurde 1947 als Kunstschule der Stadt Linz gegründet, 1973 zur Hochschule erhoben und erhielt im Jahr 2000 Universitätsstatus. Heute studieren rund 1.600 Menschen in vier Instituten mit über 25 Studienrichtungen - von Fashion & Technology über Interface Cultures bis zu Postdigital Lutherie. Hauptstandort ist seit 2019 das renovierte Brückenkopfgebäude West am Hauptplatz 8 in unmittelbarer Nähe zur Nibelungenbrücke. Du studierst an der Kunstuni und kennst eine Geschichte, die hier fehlt? Schreib an [email protected].

Gründung 1947: Antwort auf die NS-Kulturpolitik

Die Kunstschule der Stadt Linz wurde 1947 als bewusster Bruch mit der NS-Kulturpolitik gegründet. Inspirationsquelle waren die Bauhaus-Prinzipien mit ihrer Verbindung von freier Kunst und angewandtem Design. Die Schule bezog Räume im westlichen Brückenkopfbau am Hauptplatz 8 und bot Meisterklassen in Malerei, Bildhauerei, Grafikdesign und angewandter Kunst. In der Nachkriegszeit war Linz kulturell stark von NS-Hinterlassenschaften geprägt (inklusive der geplanten „Führermuseum"-Projekte) - die Kunstschule war eine der neuen Initiativen, die das Nachkriegs-Linz von dieser Belastung lösen sollten. Die ersten Jahrzehnte verbrachte die Institution als städtische Kunstschule mit überschaubarer Größe und klarer Linzer Identität.

Der Weg zur Universität: 1973, 1998, 2000

Mit dem Bundesgesetz 1973 wurde die Kunstschule zur Hochschule für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz erhoben - damit rückte sie in den Kreis der österreichischen Kunsthochschulen ein. Erster Rektor war Dr. Alfons Ortner. Die Hochschule positionierte sich als Brücke zwischen freier Kunst und angewandtem Design - ein Selbstverständnis, das die Einrichtung bis heute prägt. Am 1. Oktober 1998 wurde durch ein neues Bundesgesetz der Universitätsstatus beschlossen, das Universitätsgesetz 2002 verankerte die Einrichtung als juristische Person öffentlichen Rechts mit Universitätsautonomie. 2000 wurde die Umbenennung in Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz offiziell vollzogen. Die Kurzform Kunstuniversität Linz (kurz: Kunstuni) hat sich im Alltag durchgesetzt.

Die Campus-Geschichte: Urfahr, Peter-Behrens-Haus, Hauptplatz

Die Kunstuni hatte in ihrer Geschichte mehrere Standorte:

  • 1947 bis 2019: Brückenkopfbau West am Hauptplatz 8 als Stammsitz
  • 1984-1990: Neubau in Urfahr (Sonnensteinstraße/Reindlstraße) für zusätzliche Institutsflächen
  • 1995-1997: Erwerb des Peter-Behrens-Hauses in der Oberen Donaulände
  • 2015-2019: Umfassende Renovierung der Brückenkopfgebäude am Hauptplatz, geplant unter anderem von Architekt Adolf Krischanitz (Umbau der oberen Geschosse und Dächer)
  • Frühjahr 2019: Übersiedelung aller Abteilungen und der Universitätsbibliothek vom Urfahr-Standort ins neu adaptierte Brückenkopfgebäude West - seither ist die Kunstuni räumlich konsolidiert am Hauptplatz 8

Der heutige Hauptstandort am Hauptplatz beheimatet die Abteilungen Design and Technology, Art and Visual Practice, Media Design Teacher Training, Art and Practice, Learning - Engagement - Research, Time-based and Interactive Media Art und Visual Communication. Zusätzlich gibt es kleinere Standorte in Wien.

Die vier Institute und ihre Studienrichtungen

Die Kunstuni Linz gliedert sich in vier Institute/Departments mit insgesamt 12 Bachelor-, 14 Master-, einem Diplom- und einem PhD-Studium. Die wichtigsten Studienrichtungen:

  • Time-based and Interactive Media Arts - eines der internationalen Alleinstellungsmerkmale der Kunstuni. Kombination aus zeitbasierten Medien (Bewegtbild, Ton, Performance) und interaktiven Künsten. Arbeit mit Kameras, Licht und Ton, Elektronik, Programmierung. Die Verbindung zum Ars Electronica Festival und Ars Electronica Center macht Linz zu einem der weltweit profiliertesten Medienkunst-Standorte.
  • Interface Cultures - Masterprogramm im Schnittfeld Kunst, Technologie, Interaktionsdesign
  • Industrial Design - Produktdesign, Mobilität, Möbel
  • Fashion & Technology - innovativer Studiengang an der Schnittstelle Mode und Textil-Technologie
  • Architektur - eigenständiges Architekturstudium
  • Fine Arts (Bildende Kunst) - freie Künste, Malerei, Bildhauerei, Grafik
  • Art Education (Lehramt Kunst)
  • Visual Communication - Grafikdesign, Illustration, Typografie
  • Art and Media Theory / Cultural Studies / Design Studies - theoretische Programme
  • Postdigital Lutherie - Instrumentenbau im digitalen Zeitalter, neu eingerichtet

Mehr zu allen Studienrichtungen auf kunstuni-linz.at.

Rektorat und Leitung

Seit 1. Oktober 2019 ist Brigitte Hütter Rektorin der Kunstuniversität Linz. Hütter übernahm das Amt von Reinhard Kannonier, der die Universität von 2000 bis 2019 leitete - also fast die gesamte Universitätsphase. Hütters Rektorat ist geprägt von der Konsolidierung am Hauptplatz-Campus, der Neuaufstellung der Medienkunst-Bereiche und der internationalen Positionierung. Das Rektorat arbeitet eng mit dem Universitätsrat, dem Senat und den vier Institutsleitungen zusammen.

Kunstuni und Ars Electronica: Die Medienkunst-Achse Linz

Die Kunstuni Linz ist unmittelbar mit der Ars Electronica verbunden - dem internationalen Festival für Kunst, Technologie und Gesellschaft, das seit 1979 jährlich in Linz stattfindet. Das Ars Electronica Center in Urfahr, die Interface Cultures-Studiengänge und die Time-based-Media-Abteilung bilden zusammen ein weltweit einzigartiges Medienkunst-Ökosystem. Absolvent:innen der Kunstuni arbeiten oft bei Ars Electronica, an europäischen Medienkunst-Festivals, in Forschungseinrichtungen oder international in Design-/Game-/Interaktions-Agenturen. Mehr zum Ars Electronica Center im Urfahr-Artikel.

Was Sie über die Kunstuni Linz wissen sollten

Aufnahmeverfahren: Mappe, Prüfung, Gespräch

Die Kunstuni Linz hat für alle Studienrichtungen spezielle Aufnahmeverfahren. Die Bewerbung erfordert typischerweise:

  • Einreichung einer Mappe mit eigenen Arbeiten
  • Praktische Aufnahmeprüfung vor Ort (je nach Studienrichtung unterschiedlich: Zeichenprüfung, Portfolio-Präsentation, Projekt-Aufgabe)
  • Aufnahmegespräch mit Lehrenden der gewünschten Abteilung

Matura ist nicht zwingend erforderlich - künstlerische Befähigung wird eigenständig bewertet. Die Aufnahmequoten variieren je nach Studiengang: beliebte Fächer wie Time-based Media, Industrial Design oder Fashion & Technology sind sehr selektiv. Bewerbungen ab dem Frühjahr, Aufnahmetermine meist im Mai/Juni/Juli. Details auf der Studienseite der Kunstuni.

Studienbedingungen: Kosten, Werkstätten, Atelier

Die Studiengebühren entsprechen den österreichischen Regelungen: für EU/EWR-Bürger:innen bei Einhaltung der Mindeststudiendauer gebührenfrei, sonst 363,36 Euro/Semester - plus ÖH-Beitrag (Stand April 2026). Nicht-EU-Studierende zahlen 726,72 Euro/Semester. Die Werkstattausstattung ist einer der Pluspunkte der Kunstuni: Druckwerkstätten, Metall- und Holzwerkstätten, Fotolabore, Filmschnittplätze, 3D-Druck-Labor, Elektronik-Werkstätten, Textillabor für Fashion & Technology. Studierende erhalten eigene Atelier-/Arbeitsplätze in den jeweiligen Abteilungen - Linz hat dabei deutlich mehr Platz als die überlaufene Angewandte in Wien.

Kunstuni vs. Angewandte Wien vs. Mozarteum Salzburg

Die österreichischen Kunstuniversitäten haben unterschiedliche Profile:

  • Universität für angewandte Kunst Wien („Angewandte") - größte österreichische Kunstuni, breites Spektrum, internationale Sichtbarkeit, hohe Bewerberzahlen
  • Akademie der bildenden Künste Wien - Schwerpunkt freie Kunst, traditionelle Ausrichtung
  • Mozarteum Salzburg - Musik- und darstellende Kunst, Bildende Kunst kleiner
  • Kunstuniversität Linz - Spezialisierung auf Medienkunst, digitale Kultur, Interface Cultures, Industrial Design. Im Vergleich zu den Wiener Einrichtungen kleiner, aber international renommiert in den Medienkunst-Nischen. Verbindung zu Ars Electronica ist ein Alleinstellungsmerkmal.

Für Studierende mit Interesse an digitaler Kunst, Medienkunst, Interaction Design, Industrial Design mit Technologie-Bezug ist Linz oft die erste Wahl in Österreich.

Alumni und Werkschau

Die Kunstuni organisiert jährlich die „Werkschau" - eine mehrtägige Präsentation der Studierendenarbeiten, offen für die Öffentlichkeit. Termin typischerweise im Sommer (Juni/Juli). Für Linzer:innen und Kulturinteressierte ist die Werkschau eine der profiliertesten Gelegenheiten, zeitgenössische Kunst und Design zu sehen. Alumni der Kunstuni Linz arbeiten in internationalen Designagenturen, Medienkunst-Festivals, Galerien, Universitäten und Unternehmen weltweit. Die Verbindung zur Linzer Kulturszene (Lentos Kunstmuseum, OK - Offenes Kulturhaus, Ars Electronica, Landestheater) ist eng - viele Kunstuni-Absolvent:innen bleiben nach dem Studium in Linz und prägen die lokale Kulturlandschaft. Mehr im Stifterhaus-Artikel und im Nordico-Artikel.

Mehr aus Studieren