LINZ JOURNAL

Die Grottenbahn am Pöstlingberg

Seit 1906 fährt im Festungsturm eine Bahn im Kreis, seit 1948 durch ein Zwergenreich. Was Sie auf beiden Ebenen sehen, was der Eintritt kostet, wie Sie hinaufkommen und warum im Untergeschoß Taschentücher liegen.

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Die Grottenbahn am Pöstlingberg

Warum eine Märchenbahn in einer Festung sitzt

Der Bau, in dem die Grottenbahn steckt, war nie für Kinder gedacht. Er gehörte zum Turm I der Maximilianischen Befestigung, jenem Verteidigungsring, den Erzherzog Maximilian d'Este ab den 1830er-Jahren um Linz legen ließ. Verteidigt wurde damit nie etwas. Als die Tramway- und Elektrizitätsgesellschaft die Anlage übernahm und 1898 die Bergbahn eröffnete, blieb ein massiver Rundbau übrig, für den niemand eine Verwendung hatte - dicke Mauern, kein Tageslicht, ein kreisrunder Grundriss.

Genau dieser Grundriss wurde zur Geschäftsidee. Am 6. August 1906 nahm die „Elektrische Turmbahn am Pöstlingberg" den Betrieb auf: ein Wagen mit Drachenkopf, ein Anhänger, ein Rundkurs im Inneren des Turms, dazu Wände, die als Tropfsteinhöhle bemalt und farbig beleuchtet waren. Das Prinzip hat sich in 120 Jahren nicht verändert. Was sich verändert hat, ist alles, was zwischen den Schienen steht.

Das erste Höhlenmuseum Österreichs - und warum es wieder auszog

Zur Grotte gehörten anfangs echte Tiere. Ab 1911 hielt man im Untergeschoß lebende Grottenolme, jene blassen Höhlensalamander aus dem Karst, die damals als Sensation galten. Aus der Schaustellung wurde binnen eines Jahres eine wissenschaftliche Sammlung: Im Mai 1912 eröffnete im Turm das erste Höhlenkundemuseum Österreichs.

Es hielt drei Jahre. Die Feuchtigkeit im Mauerwerk, die den Grotteneffekt so überzeugend machte, ruinierte die Sammlungsobjekte, und 1915 übersiedelte der Bestand in eine andere Einrichtung. Der Turm blieb, was er praktisch war: ein Ort für gebaute Illusion, nicht für empfindliche Originale. Vom Museum ist heute nichts mehr zu sehen - es erklärt aber, warum das Untergeschoß überhaupt ausgebaut wurde.

1936, 1945, 1948: Vom Grottenbild zum Zwergenreich

Die erste große inhaltliche Erweiterung kam 1936 mit einem im Kleinformat nachgebauten mittelalterlichen Linzer Hauptplatz. Am 8. Jänner 1945 traf eine Bombe die Anlage und zerstörte Bahn und Ausstattung weitgehend.

Der Wiederaufbau wurde zum Bruch mit dem Vorherigen. Die Linzer Bildhauerin und Keramikerin Friederike Renate Stolz legte 1946 Pläne für eine völlig neue Märchenwelt vor: kein Grottenpanorama mehr, sondern ein bevölkertes Zwergenreich mit erzählten Szenen. Eröffnet wurde es am 1. Mai 1948, gezogen vom elektrischen Drachenzug Lenzibald. Ab Ostern 1950 war auch das Untergeschoß wieder zugänglich, diesmal mit dem Hauptplatz um 1900 statt der mittelalterlichen Variante. 1995 kamen Figuren aus dem Märchen „Cindi und die Zwerge vom Pöstlingberg" dazu.

Bemerkenswert an der Anlage ist, was seither nicht passiert ist. Die Betreiber tauschen Technik, Leuchtmittel und schadhafte Teile, aber die Szenen bleiben stehen, wie Stolz sie entworfen hat. Modernisiert wurde nur, was niemandem auffällt: LED statt Glühbirnen, Klang- und Lichtsteuerung, ein Drache, der wieder Feuer speien kann.

Die Runde mit Lenzibald: was Sie im Obergeschoß sehen

Der Drachenzug fährt im Kreis durch den Turm, vorbei an beleuchteten Nischen, in denen Zwerge arbeiten, feiern, schlafen und musizieren. Weil dieselbe Runde mehrfach abgefahren wird, sehen Kinder beim zweiten und dritten Durchgang Dinge, die sie beim ersten übersehen haben - das ist der eigentliche Trick der Anlage und der Grund, warum sie ohne Fahrgeschäft-Tempo auskommt.

Ein paar Zahlen, die der ORF Oberösterreich zum Saisonstart 2026 zusammengetragen hat: 933 bunte LED-Lichter und 1.213 glitzernde Eiszapfen durchleuchtet die Mannschaft vor jedem Saisonstart und ersetzt, was ausgefallen ist. Lenzibald legt im Jahr rund 6.000 Kilometer zurück, ohne den Turm je zu verlassen. Und die Anlage zählt rund 150.000 Besucherinnen und Besucher pro Jahr - für ein Ausflugsziel dieser Größe in Oberösterreich eine Hausnummer.

Die Wintermonate gehören der Instandsetzung, und die Liste der Arbeiten sagt viel über den Charakter des Hauses: Vor der Saison 2026 wurden sämtliche Zwergenhüte gerichtet und alle Kristalle poliert, bevor der Drachenzug wieder auf den Rundkurs durfte. Es ist Handarbeit an Figuren, die zum Teil seit fast acht Jahrzehnten an derselben Stelle stehen - Ersatzteile gibt es dafür nicht zu kaufen.

Das Untergeschoß: der Hauptplatz im Maßstab 1:7

Nach der Fahrt geht es hinunter, und dort wird es für Erwachsene interessant. Der Linzer Hauptplatz um 1900 ist im Maßstab 1:7 nachgebaut, mit Fassaden, Beleuchtung und Straßenzug. In den Seitengassen stehen Szenen aus bekannten Märchen, jede in einer eigenen Nische.

Eine Linzer Eigenheit finden Sie beim Zwerg Naseputz: Besucherinnen und Besucher legen ihm ein Taschentuch hin. Die Tradition steht in keinem Regelwerk, hält sich aber seit Generationen, und wer mit Kindern kommt, sollte eines einstecken haben. Für die Sichtachsen im Untergeschoß gilt dasselbe wie oben - je langsamer Sie gehen, desto mehr Details tauchen auf.

Preise, Saison und wie lange der Besuch dauert

Die Grottenbahn liegt Am Pöstlingberg 16 und wird von der Linz AG betrieben. Die Saisonzeiten laut Linz AG:

  • 1. März bis 31. Mai: 10 bis 17 Uhr
  • 1. Juni bis 31. August: 10 bis 18 Uhr
  • 1. September bis 1. November: 10 bis 17 Uhr
  • Adventsonntage und 8. Dezember: 10 bis 17 Uhr
  • 24. Dezember: 10 bis 15 Uhr

Die Eintrittspreise: Erwachsene 6,70 Euro, Kinder 4,00 Euro, Familienticket für zwei Erwachsene und zwei Kinder 18,10 Euro, jedes weitere Kind 1,70 Euro. Ab zehn Personen gelten Gruppentarife von 5,40 Euro je Erwachsenem und 3,20 Euro je Kind. Mit der Linz-Card ist der Eintritt ermäßigt.

Planen Sie rund eine Stunde ein - Fahrt, Untergeschoß und Souvenirshop zusammen. Wichtig für die Zeiteinteilung: Die letzte Drachenfahrt startet eine halbe Stunde vor Schließung. Wer im Juli um 17:45 Uhr an der Kassa steht, kommt nicht mehr mit. Kindergeburtstage und private Feiern lassen sich direkt buchen, Kontakt: 0732/3400-7506 oder [email protected].

Hinauf kommen Sie auf drei Arten

Die klassische Anreise ist die Pöstlingbergbahn, die als Linie 50 vom Hauptplatz wegfährt. Die Preise gelten seit 1. Jänner 2026: 9,00 Euro für die Berg- und Talfahrt, 4,50 Euro ermäßigt, einfache Fahrt 5,40 Euro beziehungsweise 2,70 Euro. Das Erlebnis-Kombiticket zu 13,60 Euro enthält die Berg- und Talfahrt plus ein 24-Stunden-Ticket für das gesamte Linzer Liniennetz - sinnvoll, wenn Sie den Tag noch in der Stadt verbringen. Gefahren wird im Halbstundentakt, an Wochenenden und Feiertagen von März bis Oktober alle 15 Minuten; der erste Kurs ab Hauptplatz geht werktags um 6:00 Uhr, der letzte um 22:00 Uhr.

Was ein Familiennachmittag damit kostet, lässt sich vorab ausrechnen: Zwei Erwachsene und zwei Kinder zahlen für die Berg- und Talfahrt 27,00 Euro (zweimal 9,00 plus zweimal 4,50) und für die Grottenbahn das Familienticket zu 18,10 Euro - zusammen 45,10 Euro, ohne Einkehr. Wer ohnehin mit Jahres- oder Monatskarte der Linz AG unterwegs ist, fährt auf der Bergbahn gratis mit und zahlt nur den Eintritt.

Alternativ fährt die Buslinie 150 hinauf, und wer mit dem Auto kommt, findet oben Parkplätze. An schönen Sonntagen im Sommer sind die allerdings früh belegt - dann ist die Bergbahn die schnellere Variante. Zu Fuß dauert der Aufstieg aus Urfahr je nach Route zwischen 45 und 70 Minuten.

Kinderwagen, Rollstuhl, Hunde

Für Gäste im Rollstuhl steht ein Treppenlift zur Verfügung, der die Ebenen verbindet. Hunde dürfen nicht mit hinein, Assistenzhunde mit entsprechendem Nachweis ausgenommen. Während der Fahrt mit der Bergbahn läuft auf Wunsch der kostenlose Audioguide der App Hearonymus mit Erklärungen zur Strecke.

Zur Altersfrage, die sich viele stellen: Am meisten haben Kinder zwischen etwa drei und neun Jahren davon. Ältere finden die Szenen oft brav - was gegen sie spricht, wenn man Fahrgeschäfte erwartet, und für sie, wenn man eine hundert Jahre alte Handarbeit sehen will. Bei Regen ist die Anlage ohnehin eine der verlässlichsten Adressen der Stadt, weil der gesamte Rundgang im Turm liegt - eine Übersicht weiterer Schlechtwetter-Ziele steht unter Linz bei Regen.

Zur Temperatur: Im Turm ist es das ganze Jahr über kühler als draußen, im Hochsommer angenehm, im Advent spürbar frisch. Eine Jacke gehört auch im Juli dazu, gerade bei kleinen Kindern, die im Wagen sitzen und sich nicht bewegen.

2026 ist Jubiläumsjahr

Die Saison 2026 steht unter dem Motto „120 Jahre Zwergerlschnäuzen" - die Grottenbahn feiert ihren 120. Geburtstag mit einem Veranstaltungsreigen statt eines einzelnen Termins. Los ging es Anfang März, es folgten ein Frühlingsfest am 21. März und ein Treffen von Tennis- und Grottenbahn-Prominenz am Ostersonntag, 5. April, um 10:30 Uhr am Märchen-Hauptplatz. Das große Geburtstagsfest ist für den 12. September 2026 angesetzt; die aktuellen Termine listet Tips Linz. Wer es ruhiger mag, kommt an einem Wochentagvormittag außerhalb der Ferien - dann teilen Sie sich Lenzibald mit wenigen anderen. Die dichteste Stimmung hat der Turm an den Adventsonntagen, wenn die Beleuchtung gegen die frühe Dunkelheit arbeitet.

Ergänzend lohnt sich der Blick auf die anderen Ziele am Berg: Zoo, Basilika und Aussichtsterrasse liegen in Gehweite, ein Überblick steht im Beitrag zum Pöstlingberg, weitere Ziele für Familien in der Übersicht Linz mit Kindern. Alle Preis- und Zeitangaben: Stand August 2026.

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