Ausflüge rund um Linz: Stifte, Altstädte und Thermen
Zehn Kilometer bis zu Bruckners Sarkophag, zwanzig bis zur ältesten Stadt Österreichs, fünfunddreißig bis zur Donauschlinge - was sich von Linz aus an einem Tag ausgeht, sortiert nach Fahrzeit.
Unter 30 Minuten: die nahen Ziele
Stift St. Florian: Bruckners Grab unter der Orgel
Das Augustiner-Chorherrenstift St. Florian liegt rund zehn Kilometer südöstlich von Linz und ist das Ziel, das man aus der Stadt am schnellsten erreicht. Der Grund, warum es für Linz mehr ist als ein Barockbau: In der Gruft unter der Stiftsbasilika steht der Sarkophag von Anton Bruckner, direkt unterhalb der nach ihm benannten Brucknerorgel. Der Komponist war hier Sängerknabe, Lehrer und Organist, bevor er nach Linz und Wien ging - seine Linzer Jahre stehen im Bruckner-Porträt.
Zu sehen sind außerdem die Bibliothek mit rund 160.000 Werken, der Marmorsaal und der Altdorfer-Altar. Wichtig für die Planung: Diese Prunkräume sind ausschließlich im Rahmen einer Führung zugänglich. Öffentliche Führungen laufen vom 1. Mai bis 31. Oktober 2026 täglich um 11, 13 und 15 Uhr, die historischen Kaiserzimmer gegen Aufpreis. Adresse: Stiftstraße 1, 4490 St. Florian, Telefon +43 7224 8902-0, Details auf stift-st-florian.at.
Stift Wilhering: Rokoko am Kürnberg
Flussaufwärts, am rechten Donauufer am Fuß des Kürnbergs, steht das Zisterzienserstift Wilhering. Die Stiftskirche entstand zwischen 1733 und 1751 unter bayerischem Einfluss und gilt als einer der bedeutendsten Rokokobauten Österreichs. Der praktische Vorteil gegenüber St. Florian: Kirche, Kreuzgang, Stiftshof und Stiftspark sind frei zugänglich, ohne Führung und ohne Ticket.
Das Stiftsmuseum führt seit 2019 in sieben Ausstellungsräumen zu sieben Themen durch 878 Jahre Klostergeschichte; Kinder unter sieben Jahren zahlen keinen Eintritt. Museum, Shop und Café haben eigene Öffnungszeiten, die auf stiftwilhering.at stehen. Wer den Ausflug mit einer Radtour verbinden will, findet die Routen im Donauradweg-Artikel.
Enns: die älteste Stadt Österreichs
Rund 20 Kilometer östlich von Linz liegt Enns, und der Titel „älteste Stadt Österreichs" ist dort kein Werbespruch, sondern eine Urkundenfrage: Enns erhielt am 22. April 1212 das Stadtrecht, und die Urkunde von 1212 ist im Museum Lauriacum erhalten - als älteste im Original erhaltene Urkunde dieser Art in Österreich. Damit darf sich Enns so nennen, auch wenn andere Städte älter besiedelt sind.
Die Vorgeschichte reicht weiter zurück: Enns ist die Nachfolgestadt des römischen Lauriacum, dessen Legionslager zum Schutz des Donaulimes 205 fertiggestellt wurde. Das Wahrzeichen der Stadt ist der freistehende Stadtturm, knapp 60 Meter hoch, 1564 bis 1568 unter Kaiser Maximilian II. als Glocken-, Wacht- und Uhrturm errichtet. Das Museum Lauriacum ist im Mai und September von 9 bis 18 Uhr geöffnet, von Juni bis August von 9 bis 19 Uhr.
30 bis 60 Minuten: Altstädte, Stifte, Donauschlinge
Steyr: Bummerlhaus und Museum Arbeitswelt
Steyr liegt 31 Kilometer von Linz entfernt, die Bahn braucht laut Fahrplan 38 Minuten, die ÖBB fahren stündlich. Der Stadtplatz ist einer der geschlossensten historischen Plätze Österreichs; die bekanntesten Bauten sind das gotische Bummerlhaus als Wahrzeichen der Stadt, das Rokoko-Stadthaus mit Turm und die Marienkirche.
Die zweite Seite der Stadt ist die industrielle. Das Museum Arbeitswelt im Wehrgraben zeigt die Geschichte der Arbeit und gilt in dieser Zusammenstellung europaweit als einzigartig. Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag von 9 bis 17 Uhr, der Eintritt kostet 7 Euro für Erwachsene, ermäßigt 5 Euro, für Kinder und Jugendliche von 7 bis 18 Jahren 5 Euro, bis 6 Jahre frei. Für Linzerinnen und Linzer, die sich für Industriegeschichte interessieren, ist das die logische Ergänzung zum voestalpine-Artikel.
Im Ortsteil Christkindl am Stadtrand liegen die Wallfahrtskirche und das Christkindl-Postamt, das jedes Jahr in der Adventzeit den Sonderstempel vergibt - ein Ziel, das im Dezember allerdings entsprechend besucht ist.
Freistadt: Stadtmauer und Braucommune
Freistadt im Mühlviertel liegt 38 Straßenkilometer nördlich von Linz, über die S10 ist man in gut einer halben Stunde dort; mit dem Zug dauert es 48 Minuten. Die Stadt gehört zu den wenigen in Österreich, deren mittelalterliche Verteidigungsanlagen fast vollständig erhalten sind - mit fünf historischen Türmen, zwei Stadttoren und 27 Innenhöfen. Die beiden höchsten Bauten sind der Kirchturm mit 67 Metern und der Bergfried mit 50 Metern.
Die Besonderheit ist das Bier: Die Braucommune Freistadt funktioniert nach einem Modell, das es sonst nirgends gibt - jedem Hausbesitzer in der Altstadt gehört ein Anteil der Brauerei. Das Braurecht hängt also am Haus, nicht an einer Person oder Firma. Wer sich für Braugeschichte interessiert, findet die Linzer Seite davon in der Biertradition.
Stift Kremsmünster: Sternwarte und Tassilokelch
Das Stift Kremsmünster hat zwei Attraktionen, die in Österreich einzigartig sind. Die Sternwarte - im 18. Jahrhundert als eines der ersten Hochhäuser Europas errichtet - ist nur im Sommerhalbjahr zugänglich: Führungen laufen vom 1. Mai bis 31. Oktober 2026, freitags um 15 Uhr sowie samstags und sonntags um 9:30 und 15 Uhr, jeweils rund 90 Minuten. Der Eintritt kostet 13 Euro für Erwachsene, 6 Euro für Kinder von 6 bis 14 Jahren und 27 Euro für die Familienkarte; ab 15 Personen 11 Euro pro Person.
Die Stiftsführung dauert 75 Minuten und zeigt Kaisersaal, Tassilo-Liutpirc-Kelch, Gemäldegalerie mit Kunstkammer, Rüstkammer, Bibliothek und die Fischbehälter. Sie läuft vom 31. März bis 31. Oktober, freitags um 13 Uhr, samstags und sonntags um 10 und 13 Uhr. Anmeldung unter +43 7583 5275-131 oder [email protected], alle Zeiten auf stift-kremsmuenster.at.
Schlögener Schlinge: wo die Donau umkehrt
Rund 35 Kilometer westlich von Linz macht die Donau eine Kehre um fast 180 Grad. Die Schlögener Schlinge ist der bekannteste Flussabschnitt Oberösterreichs, und der Blick darauf ist nur zu Fuß zu haben: Die offizielle Aussichtsplattform heißt Schlögener Blick und liegt oberhalb im Steilwald der Donauleiten.
Der Aufstieg dorthin ist die erste Etappe des Ciconia-Rundwegs, ausgeschildert auf blauen Tafeln, und dauert nur rund 30 Minuten - allerdings sportlich steil. Wer die ganze Runde geht, ist bei 11 Kilometern. Der Weg gehört zum Donausteig; die Überfahrt zurück nach Schlögen läuft über die Fähre. Ein praktischer Hinweis: Parkplätze in Schlögen sind knapp und gehören überwiegend zum Hotel oder zum Yachthafen, die Gebühr von 5 Euro wird bei Konsumation im Restaurant angerechnet.
Baumkronenweg Kopfing: über den Wipfeln
Rund 60 Kilometer von Linz entfernt liegt im Sauwald der Baumkronenweg Kopfing, heute Teil der WaldEntdeckerWelt. Die Holzkonstruktion führt auf einer Länge von mehr als 1.000 Metern in eine Höhe von über 20 Metern zwischen den Baumkronen hindurch. Dazu kommen ein 5.000 Quadratmeter großer Erlebnisparcours, ein Naturspielplatz mit Rutschen, Kletterturm und Waldlabyrinth sowie ein Waldgasthaus mit regionaler Küche.
Geöffnet ist in der Saison - üblicherweise von Ostern bis Ende Oktober - täglich von 10 bis 17 Uhr ohne Ruhetag, wobei 17 Uhr zugleich der letzte Einlass ist. Der Eintritt liegt bei rund 11 Euro für Erwachsene und etwa 7 Euro für Kinder, Familienkarten sind erhältlich; der große Parkplatz am Eingang kostet nichts. Kontakt: +43 7763 2289. Für Familien mit Kindern zwischen vier und zwölf Jahren ist das das lohnendste Ziel dieser Liste - der Weg ist mit Kinderwagen befahrbar, die Anfahrt allerdings nur mit dem Auto sinnvoll.
Die Thermen
Oberösterreich hat vier größere Thermen, und drei davon gehören zu den EurothermenResorts: Bad Schallerbach, Bad Ischl und Bad Hall. Dazu kommt das Spa Resort Therme Geinberg im Innviertel.
Für Linz ist Bad Schallerbach die naheliegendste Adresse. Die Anlage teilt sich in die Erlebnistherme Aquapulco und die Saunawelt Tropicana. Die Preise laut eurothermen.at: 2-Stunden-Karte ab 32 Euro, Tageskarte ab 37,50 Euro, Abendkarte ab 18 Uhr ab 33,50 Euro und die Kombikarte für Tropicana und Aquapulco ab 51,50 Euro pro Erwachsenem (Tarif gültig bis 30. September 2026).
Die Rechnung, die man vorher machen sollte: Für eine vierköpfige Familie liegt ein Thermentag bei einem dreistelligen Betrag. Wer nur schwimmen will, fährt günstiger in eines der Linzer Bäder - die Übersicht steht im Bäder-Artikel. Die Therme lohnt sich dann, wenn Rutschen, Saunalandschaft und der ganze Tag genutzt werden.
Eine Autostunde weiter: der Nationalpark Kalkalpen
Wer einen ganzen Tag investieren will, kommt in etwa einer Autostunde in den Nationalpark Kalkalpen, der 1997 gegründet wurde und das Sengsengebirge sowie das Reichraminger Hintergebirge umfasst. Die Anfahrt führt über die A1 bis zum Voralpenkreuz und weiter über die A9 oder die B138 Richtung Süden.
Der Sitz der Nationalparkgesellschaft liegt in Molln, Besucherzentren gibt es außerdem in Reichraming und Windischgarsten. Zwei davon lohnen den Weg besonders: Das Besucherzentrum Ennstal zwischen Reichraming und Großraming zeigt die Ausstellung „Wunderwelt Waldwildnis", das neue Zentrum am Wurbauerkogel bei Windischgarsten hat einen 21 Meter hohen Panoramaturm mit Rundblick auf das umliegende Gebirge. Ein beliebtes Ziel im Park ist der Hengstpaß mit der in traditioneller Holzbauweise errichteten Hengstpaßhütte.
Zu beachten: Die Wanderwege sind gut markiert, aber aus Gründen des sanften Tourismus werden nur wenige der Almhütten bewirtschaftet - Verpflegung gehört also in den Rucksack. Aktuelle Öffnungszeiten der Besucherzentren stehen auf kalkalpen.at oder telefonisch unter +43 7584 3951.
Ohne Auto: was mit Öffis funktioniert
Nicht jedes Ziel dieser Liste ist ohne Auto sinnvoll erreichbar. Die brauchbare Sortierung:
- Sehr gut mit der Bahn: Steyr (38 Minuten, stündlich), Enns (an der Westbahnstrecke), Freistadt (48 Minuten).
- Mit Bus machbar: St. Florian und Wilhering - beide über Regionalbuslinien, allerdings mit deutlich dünnerem Takt am Wochenende.
- Praktisch nur mit Auto: Schlögener Schlinge und Stift Kremsmünster, wobei Kremsmünster einen Bahnhof an der Pyhrnbahn hat.
- Mit dem Rad: Wilhering und die Donauabschnitte flussaufwärts sind über den Donauradweg direkt aus der Stadt erreichbar.
Wer mit dem KlimaTicket Oberösterreich unterwegs ist, hat die Bahnfahrten zu allen genannten Zielen im Bundesland abgedeckt. Welche Tickets im Linzer Netz selbst gelten, steht im Öffi-Guide; wer mit dem Auto losfährt, findet die Innenstadtoptionen für die Rückkehr im Park-Guide.
Welches Ziel für welchen Tag
Eine Sortierung nach Wetter und Begleitung spart die vergebliche Fahrt:
- Regentag: Stift St. Florian, Museum Arbeitswelt in Steyr, Stiftsmuseum Wilhering, Therme Bad Schallerbach.
- Klarer Herbsttag: Schlögener Blick - bei Dunst bringt der Aufstieg wenig.
- Mit Kindern: Therme Bad Schallerbach und die Freistädter Stadtmauer mit ihren Türmen; die Stiftsführungen sind für kleinere Kinder zu lang.
- Mit Gästen von auswärts: Enns und Steyr an einem Tag - die beiden Orte liegen nur rund 20 Kilometer auseinander und ergeben zusammen eine gute Runde durch die oberösterreichische Stadtgeschichte.
- Halber Tag: Wilhering, weil Kirche und Park ohne Führung und ohne Zeitfenster funktionieren.