Ryanair droht mit Rückzug aus Österreich: Folgen für Linz
Ryanair fordert die Abschaffung der österreichischen Luftverkehrssteuer von 12 Euro pro Passagier und setzt der Bundesregierung eine Frist bis 1. Mai. Bleibt die Abgabe, drohen Kürzungen im Streckennetz - auch der Flughafen Linz wäre betroffen.
Der irische Billigflieger Ryanair setzt die österreichische Bundesregierung unter Druck: In einer Aussendung vom 21. April 2026 fordert Europas größte Billigfluggesellschaft die Abschaffung der Luftverkehrssteuer von 12 Euro pro Passagier - mit Frist bis zum 1. Mai. Bleibt die Abgabe bestehen, kündigt die Airline Kürzungen im österreichischen Streckennetz an. Betroffen wären auch die Regionalflughäfen und damit der Flughafen Linz.
Die 12-Euro-Steuer als Streitpunkt
Im Kern des Konflikts steht keine Gebühr des Linzer Flughafens, sondern eine Abgabe des Bundes. Ryanair rechnet die Luftverkehrssteuer gemeinsam mit den Flugsicherungsgebühren und fehlenden Wachstumsanreizen zu einem Kostenpaket zusammen, das den Standort Österreich aus Sicht der Airline unattraktiv macht.
Im Gegenzug für eine Abschaffung stellt Ryanair einen Wachstumsplan über 1 Milliarde US-Dollar in Aussicht: bis zu zehn zusätzliche Boeing 737 mit Stationierung in Wien und ein Passagierplus von 70 Prozent auf 12 Millionen Passagiere pro Jahr. Auch das Aufkommen an den österreichischen Regionalflughäfen soll dabei steigen.
Ryanair ist bekannt dafür, bei Verhandlungen mit Flughäfen und Regierungen harte Positionen einzunehmen. Die Drohung, Strecken zu streichen oder Kapazitäten zu verlagern, gehört zum üblichen Verhandlungsrepertoire des Unternehmens. Dennoch ist die Ankündigung für den ohnehin unter Druck stehenden Linzer Flughafen ein ernstes Signal.
Der Flughafen Linz unter Druck
Der Flughafen Linz-Hörsching kämpft seit Jahren mit rückläufigen Passagierzahlen und einem eingeschränkten Streckennetz. Die Coronapandemie hat die Situation zusätzlich verschärft. Mehrere Airlines haben in den vergangenen Jahren Verbindungen ab Linz eingestellt oder reduziert.
Ein Wegfall von Ryanair würde den Flughafen empfindlich treffen. Laut Sommerflugplan 2026 bedient die irische Airline ab Linz drei Ziele - Alicante, Bari und London -, jeweils montags und freitags. Für viele Reisende aus Oberösterreich sind diese Verbindungen eine Alternative zu den größeren Flughäfen in Wien, München oder Salzburg.
Wirtschaftliche Folgen für die Region
Sollte Ryanair tatsächlich den Flughafen Linz aus dem Programm nehmen, hätte das weitreichende Konsequenzen. Neben dem direkten Verlust an Flugverbindungen für die Bevölkerung wäre auch die wirtschaftliche Bedeutung des Airports als Standortfaktor betroffen. Unternehmen in der Region schätzen die Erreichbarkeit über den Flughafen, der auch für Geschäftsreisende eine wichtige Infrastruktur darstellt.
Branchenexperten weisen darauf hin, dass Regionalflughäfen in ganz Europa vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Der Wettbewerb um Airlines ist intensiv, und Billigfluggesellschaften wie Ryanair nutzen ihre Verhandlungsmacht, um möglichst günstige Konditionen zu erzielen. Flughäfen, die nicht mitziehen, werden aus dem Streckennetz genommen.
Politik und Flughafenbetreiber gefordert
Die Drohung von Ryanair erhöht den Druck auf die oberösterreichische Landespolitik und die Betreibergesellschaft des Flughafens. Das Land Oberösterreich ist Mehrheitseigentümer des Flughafens - über die Luftverkehrssteuer entscheidet allerdings der Bund, nicht das Land.
Gleichzeitig stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Zukunft des Flughafens. In den vergangenen Jahren wurde immer wieder über die strategische Ausrichtung des Standorts diskutiert. Manche Stimmen fordern eine stärkere Spezialisierung auf den Frachtverkehr, andere setzen weiterhin auf den Ausbau des Passagiergeschäfts.
Ryanair setzt europaweit auf Expansion
Ryanair-CEO Michael O'Leary hat wiederholt betont, dass die Airline bereit sei, an Standorten mit attraktiven Rahmenbedingungen zu wachsen. Im Gegenzug zögere man nicht, sich von Flughäfen zurückzuziehen, die den Anforderungen nicht entsprechen. Diese Strategie hat in der Vergangenheit bereits mehrere europäische Regionalflughäfen getroffen.
Die Airline transportierte im Jahr 2025 mehr als 190 Millionen Passagiere und ist damit die mit Abstand größte Fluggesellschaft Europas. Diese Marktmacht verleiht Ryanair erhebliches Gewicht in Verhandlungen mit Flughafenbetreibern.
Die Frist läuft bis 1. Mai
Ryanair hat der Bundesregierung eine Frist bis zum 1. Mai gesetzt. Bleibt die Abgabe bestehen, stellt die Airline weitere Kürzungen im österreichischen Streckennetz in Aussicht. Ob und wie die Regierung darauf reagiert, ist offen.
Für die Passagiere in Oberösterreich bleibt die Situation vorerst unsicher. Sollten die Verhandlungen scheitern, müssten Reisende auf andere Flughäfen ausweichen, was mit längeren Anfahrtszeiten und höheren Kosten verbunden wäre. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob eine Einigung erzielt werden kann oder ob Linz tatsächlich aus dem Ryanair-Flugplan verschwindet.