LINZ JOURNAL

Linzer Politiker:innen: Bürgermeister und Landeshauptleute der Zweiten Republik

Franz Dobusch als dienstältester Linzer Bürgermeister (1988-2013, 25 Jahre), Klaus Luger (2013-2024) mit Rücktritt im September 2024, Dietmar Prammer als neuer Bürgermeister seit Februar 2025 (77,1% in der Stichwahl), plus die Landeshauptmänner von Oberösterreich und die politische SPÖ-Dominanz der Linzer Stadtpolitik.

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Linzer Politiker:innen: Bürgermeister und Landeshauptleute der Zweiten Republik

Linzer Politik seit 1945: Acht SPÖ-Bürgermeister

Acht Bürgermeister in 80 Jahren, alle von derselben Partei: Seit 1945 stellt die SPÖ durchgehend das Linzer Stadtoberhaupt - während das Land Oberösterreich im selben Zeitraum fast ausschließlich von der ÖVP regiert wurde. Der jüngste Wechsel kam abrupt: Klaus Luger trat im August 2024 über die Brucknerhaus-Affäre zurück, Dietmar Prammer folgte ihm im Februar 2025 nach.

Franz Dobusch (1988-2013): Der dienstälteste Linzer Bürgermeister

Franz Dobusch - Bürgermeister der Stadt Linz für die SPÖ von 1988 bis 2013 - ist mit 25 Jahren Amtszeit der dienstälteste Linzer Bürgermeister der Zweiten Republik. Bei seinem Amtsantritt am 21. Jänner 1988 war er mit 36 Jahren der jüngste Bürgermeister einer österreichischen Landeshauptstadt in der Zweiten Republik. Unter seiner Amtszeit wurden die wichtigsten Linzer Kultur- und Infrastruktur-Projekte der jüngeren Vergangenheit realisiert:

  • Design Center Linz (1994)
  • Lentos Kunstmuseum (2003)
  • Ars Electronica Center in der aktuellen Form (2009 im Linz09-Kontext)
  • Südtrakt Linzer Schloss
  • solarCity Pichling (Anfang der 2000er Jahre)
  • Linz09 - Kulturhauptstadt Europas (2009) als Höhepunkt seiner Amtszeit

Dobusch führte die Stadt durch die Transformation von der Stahlstadt zur Kulturstadt. Seine Amtszeit war geprägt von strategischen Investitionen in Kunst- und Wissenschafts-Infrastruktur. 2013 übergab er das Amt an seinen Nachfolger Klaus Luger. Mehr im Geschichts-Überblick.

Klaus Luger (2013-2024): Die mittlere Amtszeit

Klaus Luger - SPÖ, geboren 1960 in Linz - war von 2013 bis zum 2. September 2024 Linzer Bürgermeister. Mit 11 Jahren Amtszeit lag er etwa im Linzer Durchschnitt - kürzer als sein Vorgänger Dobusch (25 Jahre), länger als die frühen Nachkriegs-Bürgermeister. Schwerpunkte seiner Amtszeit:

  • Fortsetzung der Kultur-Strategie (Ars Electronica, Brucknerhaus, Lentos)
  • Quadrill-Tower in der Tabakfabrik (Höhepunkt 2025/2026)
  • Musiktheater am Volksgarten (Eröffnung April 2013 gerade zu Amtsantritt)
  • Digitalisierungs-Programme der Stadtverwaltung
  • Öffi-Ausbau und städtische Infrastruktur

Luger kündigte am 23. August 2024 seinen Rücktritt an. Auslöser war die Affäre um die Bestellung des Brucknerhaus-Intendanten: Luger räumte ein, dem späteren Intendanten Dietmar Kerschbaum die Fragen des Hearings vorab weitergegeben zu haben. Der Rücktritt wurde am 2. September 2024 wirksam; bei seiner Rücktrittserklärung sagte Luger, er verabschiede sich „ohne Groll".

Dietmar Prammer (seit 2025): Der neue Linzer Bürgermeister

Dietmar Prammer - SPÖ - wurde in der Stichwahl am 26. Januar 2025 mit einem klaren Ergebnis von 77,1 Prozent der abgegebenen Stimmen zum neuen Linzer Bürgermeister gewählt. Die Angelobung erfolgte am 6. Februar 2025. Prammer saß seit 2017 im Gemeinderat, wurde 2021 Stadtrat und war ab 26. September 2024 erster und geschäftsführender Vizebürgermeister - in dieser Funktion trat er zur Wahl an. Seine ersten Amtsmonate waren geprägt von der Konsolidierung nach dem Luger-Rücktritt, der Arbeit an laufenden Großprojekten (Quadrill-Tower/Q27, Mariendom-Jubiläumsarbeit) und neuen Schwerpunkten in Klimaschutz, Öffi-Ausbau und sozialer Wohnpolitik. Als SPÖ-Nachfolger führt er die sozialdemokratische Dominanz der Linzer Stadtpolitik fort - inzwischen in der achten Generation der Zweiten Republik. Mehr Informationen über aktuelle Stadt-Projekte auf linz.at.

Die Linzer Bürgermeister-Chronologie seit 1945

Die acht Linzer Bürgermeister der Zweiten Republik in chronologischer Reihenfolge:

  • Ernst Koref (1945-1962) - Wiederaufbau, SPÖ
  • Edmund Aigner (1962-1968) - SPÖ
  • Theodor Grill (1968-1969) - SPÖ
  • Franz Hillinger (1969-1984) - SPÖ
  • Hugo Schanovsky (1984-1988) - SPÖ
  • Franz Dobusch (1988-2013) - 25 Jahre, dienstältester Linzer BM
  • Klaus Luger (2013-2024) - SPÖ, Rücktritt September 2024
  • Interims-Phase (September 2024-Februar 2025)
  • Dietmar Prammer (ab Februar 2025) - aktueller BM, SPÖ

Die durchgehende SPÖ-Dominanz ist in österreichischen Landeshauptstädten ungewöhnlich - in Wien ist SPÖ ähnlich traditionell dominant, in den meisten anderen Hauptstädten wechselten ÖVP und SPÖ oder andere Parteien die Bürgermeisterämter. Linz ist damit eine der stabilsten SPÖ-Hochburgen Österreichs. Komplette Liste mit Biografien auf linzwiki.at.

Oberösterreichische Landeshauptmänner

Während Linz sozialdemokratisch dominiert ist, wird Oberösterreich als Bundesland von der ÖVP geführt. Die wichtigsten Landeshauptleute seit 1945:

  • Heinrich Gleißner (1945-1971) - ÖVP, zentrale Figur des oberösterreichischen Wiederaufbaus
  • Erwin Wenzl (1971-1977) - ÖVP
  • Josef Ratzenböck (1977-1995) - ÖVP
  • Josef Pühringer (1995-2017) - ÖVP, lange Amtszeit (22 Jahre)
  • Thomas Stelzer (seit 2017) - ÖVP, aktueller LH

Das politische Spannungsfeld zwischen SPÖ-geführter Landeshauptstadt Linz und ÖVP-geführtem Bundesland ist seit Jahrzehnten Teil der oberösterreichischen politischen Landschaft. Der aktuelle Landeshauptmann Thomas Stelzer ist seit April 2017 im Amt - sein Wirken prägt die oberösterreichische Landespolitik seitdem. Die Zusammenarbeit zwischen Linzer Bürgermeister (SPÖ) und Landeshauptmann (ÖVP) funktioniert in der Regel pragmatisch - mit einzelnen politischen Differenzen zu bildungs- und sozialpolitischen Fragen.

Was Sie über die Linzer Politik wissen sollten

SPÖ-Dominanz: Eine Linzer Besonderheit

Die durchgehende SPÖ-Dominanz der Linzer Stadtpolitik seit 1945 hat mehrere Gründe. Historisch: Linz war seit der Industrialisierung Arbeiterstadt, SPÖ war die traditionelle Arbeiter-Partei. Strukturell: voestalpine und andere Industrie-Betriebe bildeten lange die Wähler-Basis der SPÖ. Kulturell: die Linzer Gemeindewohnungen und die Arbeiter-Stadtteile (Bindermichl-Keferfeld, Kleinmünchen-Auwiesen) sind bis heute SPÖ-affine Zonen. In den letzten Jahren wurden die SPÖ-Mehrheiten kleiner - mit Gewinnen für Grüne und FPÖ - aber die Bürgermeister-Position blieb durchgehend bei der SPÖ. Mehr zur Stadtteil-Struktur in unserem Stadtteile-Überblick.

Linzer Kommunalpolitik: Struktur

Die Linzer Stadtpolitik funktioniert über den Gemeinderat (61 Mandate, Funktionsperiode sechs Jahre - die laufende reicht vom 4. November 2021 bis 3. November 2027), den Stadtsenat (Bürgermeister plus Stadträt:innen) und die Bezirksvertretungen. Aktuelle Stadträt:innen-Struktur aus der Koalition zwischen SPÖ (Bürgermeister), ÖVP und anderen Parteien je nach Wahlergebnis. Die Linzer Gemeinderats-Wahl findet typischerweise im September des Wahljahres statt, zuletzt 2021 - die nächste turnusmäßige Wahl wäre 2026/27. Aktuelle Informationen auf linz.at/politik.

Linzer Politik-Orte

Wichtige politische Adressen in Linz. Altes Rathaus am Hauptplatz - Sitz des Bürgermeisters und zentrales Linzer Verwaltungsgebäude. Neues Rathaus in der Hauptstraße 1-5 (Urfahr) - moderneres Verwaltungsgebäude mit einem Teil der städtischen Dienststellen. Linzer Landhaus an der Klosterstraße - Sitz des Oberösterreichischen Landtags und der Landesregierung (mehr im Landhaus-Renaissance-Artikel). Die politischen Entscheidungen finden in diesen drei Gebäuden statt - in regelmäßigen Sitzungs-Terminen, die teilweise öffentlich zugänglich sind.

Politik-Berichterstattung in Linz

Die Linzer Polit-Berichterstattung erfolgt über mehrere Medien. Oberösterreichische Nachrichten (OÖN) mit Linz-Schwerpunkt und tagesaktueller Berichterstattung. ORF Oberösterreich (ooe.orf.at) mit Radio-, TV- und Online-Berichterstattung. Kleine Zeitung Oberösterreich. Tips Linz als lokale Wochenzeitung. Meinbezirk.at Linz mit Bezirks-nah-orientierter Berichterstattung. LINZA als Online-Magazin mit politischen Kommentaren. Für Linzer mit Politik-Interesse eine vielfältige Medien-Landschaft mit unterschiedlichen politischen Schwerpunkten.

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