Lohengrin-Premiere: Linz zeigt Wagner neu
Das Landestheater Linz eröffnet seine Spielzeit 2026/27 mit einer Neuinszenierung von Wagners "Lohengrin". Regisseur Michael Schulz und der designierte Bruckner-Orchester-Chefdirigent Christoph Koncz feiern am 10. Oktober gleich mehrfach Premiere.
Mit einem der gewichtigsten Werke Richard Wagners startet das Landestheater Linz in seine Spielzeit 2026/27: Am Samstag, 10. Oktober 2026, feiert die romantische Oper "Lohengrin" im Großen Saal des Musiktheaters am Volksgarten Premiere. Beginn ist um 17 Uhr, eine Einführung für das Publikum findet bereits um 16:30 Uhr statt. Die Aufführungsdauer beträgt rund viereinhalb Stunden.
Wie das Landestheater Linz mitteilt, handelt es sich um eine Koproduktion mit dem Saarländischen Staatstheater. Die Inszenierung wird in deutscher Sprache mit Übertiteln gespielt - womit das Werk, das Wagner selbst auf Deutsch verfasste, in seiner Originalsprache erlebbar bleibt.
Ein Märchen, neu gedeutet
Die Handlung des "Lohengrin" ist rasch umrissen: Als der junge Gottfried von Brabant eines Tages spurlos verschwindet, wird seine Schwester Elsa beschuldigt, ihn getötet zu haben. Ein geheimnisvoller Ritter - Lohengrin - erscheint, rettet Elsa und übernimmt die Herrschaft, stellt aber eine Bedingung: Elsa darf weder nach seinem Namen noch nach seiner Herkunft fragen.
Regisseur Michael Schulz verlegt Wagners Märchenstoff bewusst in eine Gegenwart, in der die Gesellschaft auf wackeligen Beinen steht. In seiner Lesart nutzt Lohengrin ein Machtvakuum, um seine Vorstellung einer idealen Ordnung durchzusetzen. Der Grundsatz des Helden lautet: keine Fragen stellen - und die Gesellschaft folgt ihm dennoch.
Für Schulz ist Lohengrin dabei kein strahlender Märchenprinz, sondern ein kalkulierender Manipulator. Die Figur wirke gerade deshalb so verführerisch, weil Wagner ihr große Musik zur Seite stelle. In Zeiten der Orientierungslosigkeit und der Sehnsucht nach einfachen Antworten entfalte diese Wirkung eine besondere Brisanz - so der Regisseur.
Schulz und das Gespür für Ambivalenzen
Michael Schulz ist kein Unbekannter in Linz: Bereits mit seiner Inszenierung der "Elektra" bewies er am Landestheater sein Gespür für ambivalente Charaktere und die psychologische Tiefenschicht des Musiktheaters. Nun wendet er sich einem Werk zu, das zwischen märchenhafter Erzählung und gesellschaftlicher Analyse balanciert und zeitlose Fragen nach Wahrheit, Vertrauen und Verantwortung stellt. Schulz ist zugleich Generalintendant des Saarländischen Staatstheaters, des Koproduktionspartners dieser Produktion.
Auch für Schulz persönlich ist die Linzer Produktion eine Erstbegegnung mit diesem Werk: Es ist seine erste eigene Inszenierung des "Lohengrin". Die erwartete Frage nach der Darstellung des Schwans beantwortete der Regisseur im Pressegespräch mit dem Hinweis, es werde einen "Schwanen-Engel" geben - und diese Figur ist gleich zweifach besetzt.
Christoph Koncz: Doppelte Premiere
Am Pult des Bruckner Orchesters Linz steht Christoph Koncz, der designierte Chefdirigent des Orchesters. Für ihn ist die Produktion in mehrfacher Hinsicht ein Debüt: Es ist seine erste neue Produktion am Landestheater Linz in dieser Funktion - und zugleich seine erste Wagner-Oper als Dirigent überhaupt.
"Für mich ist es tatsächlich eine doppelte Premiere", sagte Koncz vor der Aufführung. Der 39-Jährige, der zuvor 15 Jahre Geige bei den Wiener Philharmonikern spielte, gilt als einer der profiliertesten Dirigenten seiner Generation in Österreich. Er wird sein Amt als Chefdirigent des Bruckner Orchesters Linz und Musikdirektor des Landestheaters offiziell im September 2027 antreten, als Nachfolger von Markus Poschner.
Bereits vor seiner offiziellen Bestellung war vereinbart worden, dass Koncz die "Lohengrin"-Premierenproduktion leiten würde. Die Einstudierung bot damit auch die Gelegenheit, Orchester und designierten Dirigenten abseits eines Sinfoniekonzerts besser kennenzulernen - eine sinnvolle Vorbereitung auf die künftige Zusammenarbeit.
Ensemble und Produktionsteam
In der Titelpartie singt Marco Jentzsch den Lohengrin. Die Sopranistin Erica Eloff übernimmt die Partie der Elsa von Brabant. Als ihr Antagonist Friedrich von Telramund ist Adam Kim zu erleben, während Julia Faylenbogen die intrigante Ortrud verkörpert. Michael Wagner gibt den Heinrich den Vogler.
Das Bühnenbild stammt von Dirk Becker, die Kostüme von Renée Listerdal. Die Chorleitung liegt in den Händen von Franz Obermair. Regisseur Schulz betonte die tragende Rolle der Chöre in diesem Werk: Zur Verstärkung - besonders der Männerstimmen - sind neben dem Chor und Extrachor des Landestheaters auch Sänger eines ungarischen Männerchors im Einsatz. Zusammen stehen rund 60 Personen auf der Chorbühne.
Wagner-Pflege mit langer Tradition in Linz
Das Landestheater Linz pflegt seit Jahren eine intensive Auseinandersetzung mit dem Werk Richard Wagners. Unter Intendant Hermann Schneider, der nun seine elfte Spielzeit verantwortet, standen bereits "Der fliegende Holländer", "Tristan und Isolde" und der gesamte "Ring des Nibelungen" auf dem Spielplan. Zuletzt gab es im April 2023 mit "Die Meistersinger von Nürnberg" einen weiteren Wagner-Meilenstein. Der "Lohengrin" gilt als Werk an der Schwelle zu Wagners reifen Musikdramen - er verbindet die romantische Opernsprache der Frühzeit mit dem dichten, leitmotivischen Gewebe der späteren Werke.
Die Spielzeit 2026/27 steht unter dem Motto "Zeichen und Wunder" und umfasst insgesamt 40 Neuproduktionen aus Oper, Operette, Musical, Tanz, Schauspiel und Jungem Theater. Der "Lohengrin" eröffnet dabei den Opernteil als erste und wohl aufwändigste Produktion der Saison.
Vorstellungen und Karten
Nach der Premiere am 10. Oktober folgen weitere Vorstellungen am 26. Oktober, sowie am 8., 15. und 21. November 2026. Im Dezember sind Aufführungen am 10., 17. und 29. Dezember geplant, dazu kommen Termine im Jänner und Februar 2027. Die Produktion läuft damit bis 27. Februar 2027 im Spielplan. Karten sind ab 44 Euro erhältlich, Linzer Aktivpass-Inhaber können eine Ermäßigung in Anspruch nehmen.
Das Musiktheater befindet sich in der Am Volksgarten 1, 4020 Linz. Informationen und Buchungen sind unter [email protected] sowie telefonisch unter +43 732 7611-400 möglich. Anlehnend an das Wagner-Thema ist auch eine Produktion des Jungen Theaters geplant: Unter dem Titel "Mein lieber Schwan" entsteht ab 5. März 2027 ein spartenübergreifendes Projekt nach Motiven des "Lohengrin" - als eigenständige künstlerische Auseinandersetzung für junges Publikum ab sechs Jahren.
Stand: 10. Oktober 2026